Backen und Bauen mit Liebe zum Detail

  Wenn Architekt Davide Conti durch sein kürzlich fertiggestelltes Projekt, die neue, 31. Filiale der Bäckerei Wolf an der Zugspitzstraße in Hochzoll Nord, führt, merkt man, mit wie viel konzeptioneller Vorarbeit, Liebe zum Detail und Empathie für die Wünsche des Bauherrn hier gearbeitet wurde. Entstanden ist dabei nicht einfach ein weiteres seelenloses Gebäude mit Wohnungen, Gewerbeeinheiten und Tiefgarage, wie sie zurzeit vielerorts entstehen, sondern ein echter Quartierstreffpunkt für alle Generationen und für Augsburg und das Viertel ein architektonisches Highlight. Neben dem behindertengerechten rund 300m² großen Bäckerei-Café und einer weiteren Gewerbeeinheit im Erdgeschoß mit ca. 100m² gibt es zwölf barrierefreie und teilweise sogar behindertengerechte Mietwohnungen mit einer Gesamtfläche von 960m². Die Tiefgarage ist ausschließlich für die Bewohner und ihre Gäste vorgesehen. 14 oberirdische Stellplätze sind für die Kunden reserviert. Lange war nicht klar, was mit dem über zehn Jahre leer stehenden ehemaligen Tengelmann-Gebäude und dem rund 1250m² großen Grundstück passieren würde. Das Objekt verfiel und bildete einen Schandfleck in Hochzoll-Nord. Zugleich wurden sowohl Wohnraum als auch Nahversorgung dringend benötigt. Ein Bauträger hätte das Grundstück vermutlich flächenoptimiert zugebaut, wie es zur Zeit an der Karwendelstraße/Ecke Füssener Straße passiert - der hätte aber nicht den Zuschlag der bisherigen Eigentümerin erhalten. Das Konzept des Bauherrn Bäckerei Wolf und des Büro Davide Conti Architektur überzeugte Ende 2013 die betagte Eigentümerin dann schließlich und setzte sich gegen einen Mitbieter durch. Im Mai 2015 wurden die Pläne der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit dem Rohbau wurde Anfang 2016 begonnen. Bereits von außen sieht das dreigeschossige Gebäude mit Dachgeschoß durch seine frei angeordneten, eingeschobenen und statisch komplizierten Betonbalkone mit Glas und Eschenholzverkleidung, durch Rundungen, wo man sonst nur scharfe Kanten kennt und durch außergewöhnlichen Strukturputz in Kombination mit Holz positiv anders aus als gewohnt. Im Inneren schafft Conti eine Synthese aus modernem, stylischem Großstadtfeeling und gemütlich-höhliger, intimer Atmosphäre. Der in sich geschlossene Innenhof mit Spielgeräten wird demnächst fertiggestellt und wird seine ganze Wirkung als grüne Lunge erst vollständig entfalten können, wenn im nächsten Jahr die Plantane und Sträucher eingewachsen sein werden. So können Eltern gemütlich Kaffee trinken, während die Kinder draußen sicher spielen können. „Für mich gehört dieser Innenhof ganz stark zum Konzept, denn die großen Glasflächen lassen Innen und Außen miteinander verschmelzen. Das Grün der Pflanzen und der Einsatz von Holz beginnen im Innenbereich und ziehen sich wie eine Ader nach draußen“, beschreibt Conti. Innen verteilen sich 85 Sitzplätze und eine Spielhöhle geschickt und schmiegen sich so in den Raum, dass man beinahe an jedem Tisch das Gefühl hat, ungestört zu sein. Unterstützt wird dieses intime Gefühl durch die Verwendung von viel echtem Holz und Leder, lebendigen Pflanzen und Naturmaterialien allgemein. Dies passt wiederum zu den Produkten und zum Image der Bäckerei Wolf als regionale Bäckerei, die ohne Zusatzstoffe bäckt und viel Wert auf natürliche Rohstoffe und Produkte, Handwerk und Handarbeit legt. Deswegen wurden auch lokale Handwerksbetriebe und ein lokaler Architekt verpflichtet. Davide Conti betont, er habe die Architektur des Gebäudes „um die Philosophie der Bäckerei Wolf passgenau geschneidert“, quasi wie einen Maßanzug. Dabei habe ihm der Bauherr nahezu freie Hand bei der Gestaltung gelassen und nur sehr wenige Vorgaben gemacht. Conti und seine Mitarbeiter zeichnen für das komplette Projekt inklusive Gebäude, Inneneinrichtung und Außenanlagen in allen Leistungsphasen verantwortlich. Dass die Pläne tatsächlich 1:1 umgesetzt wurden, sei nicht selbstverständlich, ist aber der vertrauensvollen Zusammenarbeit von Bauherr und Architekt zuzuschreiben. Es passiere häufig, dass schöne Präsentationen, die auch gegenüber den genehmigenden Behörden gemacht werden, dann nicht so umgesetzt würden, sobald es knifflig werde. So wie bei den designgebenden Elementen der Fassade, den Balkonen, die eine statische Herausforderung waren. „So eine individuelle Formensprache ist natürlich aufwändig und fordert geradezu eine Besessenheit zum Detail. Gerade dann, wenn Elemente, die auf dem Papier leicht aussehen, in der Umsetzung kreative Lösungen fordern“, so Conti. Dass der ursprüngliche Fertigstellungstermin im Sommer aufgrund der angespannten Lage am Baumarkt nicht zu halten war, ist für Stefan Wolf nicht so tragisch: „Wir wollten keinen Standardbau, sondern etwas Besonderes. Und wir bauen ja hier nicht nur für die nächsten paar Jahre, sondern für Generationen und tragen somit Verantwortung“. Umso größer ist jetzt die Freude der Hochzoller über die neue Einkaufs- und Verweilmöglichkeit: „Hier ist es so gemütlich, dass ich eigentlich jeden Tag herkommen möchte“, so eine begeisterte Kundin. Das Sortiment umfasst neben Backwaren unter anderem Salate, Snacks und hochwertige Kaffeespezialitäten. „Die Reaktionen der Kunden waren wirklich überschwänglich positiv“, so Geschäftsführer Stefan Wolf. „Auch die Anwohner zeigen sich glücklich, obwohl der Baukörper größer ist, als der alte Supermarkt“. Mindestens acht neue feste Arbeitsplätze plus Aushilfen wurden im Bäckerei-Café durch den Neubau geschaffen. Aber vor allem eine höhere Lebensqualität im Viertel. „Ein Gebäude prägt seine Umgebung. Nicht nur architektonisch, sondern auch durch das, was es den Menschen an Mehrwert bietet“, so Architekt Davide Conti.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.