Begegnung beim Ramadan-Fastenbrechen

Florian Schlessmann, Burak Basüzümcü, evangelischer Religionslehrer und Schulpfarrer Wolfgang Kohl und Lehrerin und Leiterin des Kulturcafés Sussan Al-Khatib (v.l.n.r.) eröffnen das bunte Buffet und somit das Fastenbrechen.
Das Kulturcafé, ein Arbeitskreis im Rudolf-Diesel-Gymnasium, veranstaltete kürzlich im Zuge des Fastenmonats Ramadan ein Fastenbrechen in der Mensa. Die ganze Schulfamilie, Lehrer und Schüler, Muslime und Nicht-Muslime, waren eingeladen, nach Sonnenuntergang am internationalen Buffet gemeinsam zu essen und sich auszutauschen. Damit der Abend gelingen konnte, haben viele der rund 60 Gäste etwas zum Essen von zu Hause aus ihrem jeweiligen Kulturkreis mitgebracht. So fanden sich auf dem Buffet unter anderem bosnische Trahana-Tomatensuppe, deutscher Nudelsalat, türkische Köfte/Hackfleischröllchen, albanische Dolma/gefüllte Paprika und indisches Aluprata-Brot. Den Wahlkurs Kulturcafé gibt es seit zwei Jahren. Er wird von der Bio-/Chemie-Lehrerin Sussan Al-Khatib geleitet. Schüler der Jahrgangsstufen 8 bis 12 mit unterschiedlichem kulturellen und religiösen Hintergrund beschäftigen sich mit aktuellen gesellschaftlichen Themen. Ziel ist es Vorurteile und Barrieren sowie Berührungsängste abzubauen, Meinungen auszutauschen und über den Tellerrand zu schauen. Das Kulturcafé ist damit auch ein Ort der Begegnung. „Um diesen Ort der Begegnung geht es uns auch bei dem gemeinsamen Fastenbrechen. Der kulturelle Austausch wird an diesem Abend großgeschrieben. Wir wollen mit diesem Fastenbrechen ein klares Statement setzen, dass der Islam sehr wohl zu Deutschland gehört!“ so Florian Schlessmann, Schüler der Oberstufe. Beim Kulturcafé stehen aber auch gemeinsame Filmabende mit kulturellem Hintergrund oder der Besuch der Flüchtlingsunterkunft in Friedberg-West auf dem Programm. Burak Basüzümcü, Schüler im Kulturcafé, erklärt die religiösen Hintergründe und beschreibt in seiner Ansprache seine eigenen Erfahrungen mit dem Fasten. „Man besinnt sich auf seine eigene Schwäche und erkennt seine Grenzen. Man versteht durch das Fasten Armut besser, wird demütig, übt sich in Geduld und lernt, mit weniger auszukommen.“ Er erzählt, dass sich das Fasten nicht nur auf das Essen und Trinken bezieht, sondern auch auf das Sprechen, Hören und Sehen: „Mir fällt es besonders schwer, keine unnützen Worte zu sagen, nicht während des Unterrichts zu ratschen, sondern mich auf das Wesentliche zu konzentrieren“. Je nach Jahr dauert der Fastenmonat Ramadan 29 oder auch 30 Tage. Im Jahr 2016 beginnt er am 6. Juni und endet am 5. Juli. Während des Ramadan fasten gläubige Muslime ab Morgendämmerung bis hin zum Moment des Sonnenuntergangs. Abhängig vom Islamischen Kalender kann ein Fastentag somit zwischen 8 Stunden und 19 Stunden dauern. Gerade in den Sommermonaten, wo die Sonne spät unter- und früh aufgeht, gibt es lange Fastentage. Im Ramadan steht das Fasten als eine Zeit der Anbetung sowie der Hingabe. Wichtig ist es, sich zu besinnen und zum Glauben zurückzufinden und diesen zu feiern. Die Seele und der Körper werden während der Fastenzeit gereinigt und befreit. Eine weitere Schlüsselrolle spielt die Selbstbeherrschung, die in der Zeit des Ramadan geprüft und verbessert werden soll. Das Fest des Fastenbrechens (arabisch id al-fitr / türkisch Ramazan bayramı, auch Zuckerfest genannt) im unmittelbaren Anschluss an den Fastenmonat zu Beginn des Folgemonats Schawwal ist nach dem Opferfest der zweithöchste islamische Feiertag. Florian Schlessmann erklärt anschließend, warum er als Nicht-Muslim das Fastenbrechen mitfeiert: „Ich habe hier direkten Kontakt mit den Muslimen und muss mir meine Meinung nicht durch die Medien bilden. Ich sehe diesen Abend als Möglichkeit zur Gemeinschaft und Kommunikation sowie als Zeichen gegenseitiger Toleranz.“ Religionslehrer Wolfgang Kohl betont, dass in vielen Ländern und seit vielen Jahrhunderten Christen und Muslime überwiegend im Frieden zusammenleben. Damit das funktioniere, sei ein gegenseitiges Kennenlernen wichtig. Der 16-jährige Elias Janowitz hat die Einladung gerne angenommen: „Ich finde es eine sehr schöne Idee, dass uns die Muslime zu ihrem Brauch einladen.“ Denn es ist auch Brauch im Ramadan, nicht allein zu essen, sondern sich mit Freunden und Familie zusammenzufinden. Das Ziel, kulturell über den Tellerrand hinauszuschauen, konnte man an diesem Abend also wörtlich nehmen.
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