Deutschland auf dem Prüfstand

(v.l.) Flüchtling Murtaza Fayaz, Initiator Gottfried Morath (Verein Gegen Vergessen – Für Demokratie), Aleks David, Ulrich Lorenz (Gesamtleiter der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Hochzoll), Französin Solène Bregeon, Moderatorin Parboni Rahman, Moritz Weber und Flüchtling Rubiel Kesete freuen sich über eine respektvolle und sehr gelungene Diskussion.
 
Jugendliche unterschiedlicher Herkunft tauschen sich über Deutschland aus.

Jugendliche unterschiedlicher Herkunft mit verschiedenen Kulturen und Religionen diskutieren respektvoll über Deutschland


Deutschland ist attraktiv. Welchen Wert hat die Bildung bei Jugendlichen? Wie nehmen sie unser Land wahr? Kann man hier beruflich etwas erreichen? Was bedeuten die Bundestagswahlen für die Jugendlichen? Woher kommt das Desinteresse an der Politik? All das waren Fragen, über die sieben Jugendliche zwischen 15 und 27 Jahren beim dritten Jugendgespräch im Oktober in den Räumen der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Hochzoll diskutierten. Die Runde war bunt gemischt mit Jugendlichen aus drei Erdteilen mit den drei großen Religionen: international, multikulturell und interreligiös.
Rund 30 interessierte Jugendliche und Erwachsene kamen und diskutierten im Anschluss fleißig mit. Organisiert wurde das Jugendgespräch von Gottfried Morath vom Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“. Anfangs drehte sich alles um die Wahlen in Deutschland. Aufgrund der vielen Stimmen für eine Partei wie die AfD wurde deutlich, dass man den Anfängen wehren müsse. Morath hat deshalb die Gesprächsreihe gegründet. Das Jugendgespräch soll der demokratischen Kultur dienen und sie auch pflegen. Was die Bundestagswahlen für die Jugendlichen heute bedeuten, sagte die 27-jährige Französin Solène Bregeon deutlich: „Vielleicht müssen wir einen Rechtsruck erleben, um dann mit mehr Kraft dafür kämpfen zu können, dass die Menschen wieder mehr über Politik sprechen.“ Juso-Mitglied Moritz Weber ist die Solidarität in Deutschland sehr wichtig. Man sollte unbedingt zum Wählen und zu Demonstrationen gehen und sich in Parteien engagieren. „Das Wahlalter sollte auf 16 herabgesetzt werden. Denn die Wahl repräsentiert die Jugend nicht wirklich“, ist der 18-jährige Schüler überzeugt. Trotzdem ist auch er optimistisch für die Zukunft in Deutschland. Die wirtschaftliche und politische Lage ist gut. Er ist der Meinung, dass die Bürger mehr Interesse für Politik haben sollten. Auch der 21-jährige jüdische Student Aleks David, der aus Serbien kommt, findet, dass man in Deutschland sehr viele Möglichkeiten hat. „Es gibt ein gutes Gesundheitswesen, eine gute Wirtschaft und Demokratie.“ Selbstverständlich ist die NS-Zeit ein sehr schweres Thema. Doch es müsse angesprochen werden. „Die AfD sollte es nicht geben, ich habe die Gedenkstätten in Israel gesehen. Das ist krass. Dort herrscht ziemlich viel Stille“, sagt David. Er durfte leider nicht wählen gehen, weil er keinen deutschen Pass hat. Auch er findet, dass es wichtig sei, dass die Jugend gefördert wird. „Das Interesse an der Politik sollte besser vermittelt werden, dann wäre es auch größer. „Die Förderung ist auch Aufgabe der Schule und der Eltern. Ich sehe die Zukunft positiv.“

„Deutschland wird bunter sein!“
Vor allem bei den beiden Flüchtlingen, die aus Eritrea und Afghanistan gekommen sind, war deutlich zu spüren, wie motiviert sie sind, hier Fuß zu fassen. Beide möchten hier einen Beruf ausüben und beherrschen schon sehr gut die deutsche Sprache. Murtaza Fayaz aus Pakistan möchte einmal Polizist oder Kaufmann werden. Im Moment geht der 15-Jährige noch zur Schule. Rubiel Kesete aus Eritrea schätzt die Demokratie hier in Deutschland: „Es gibt viele Menschen, die uns Flüchtlingen helfen. Mehr kann man nicht erwarten.“ Der 17-Jährige machte auch deutlich, dass man selbst etwas tun müsse. Er möchte Hotelfachmann werden und ist zuversichtlich: „Deutschland wird sich positiv entwickeln.“ Fayaz ist froh, dass es in Deutschland viele Möglichkeiten in Schule und Beruf gibt, um eine bessere Zukunft zu erreichen. An Politik ist er nicht interessiert. Vor der AfD hat er Angst. Und er ist sicher: „Deutschland wird in Zukunft bunter sein!“ „Die Grundlage für die Lösung von Problemen ist ein respektvolles Gespräch mit gutem Willen. Für Jugendliche gibt es bisher nur wenige Gespräche dieser Art, schon gar nicht in dieser bunten Zusammensetzung. Jeder soll erkennen, dass ein respektvolles und friedliches Gespräch möglich ist. Und das ist den Jugendlichen heute Abend hervorragend gelungen“, sagt Gottfried Morath. Damit würde ein wichtiges öffentliches positives Zeichen gesetzt. Dieses Jugendgespräch passe sehr gut zum Zweck seines Vereins mit verschiedenen Veranstaltungen an die schrecklichen Auswirkungen von Diktaturen zu erinnern und damit die demokratisch gesinnten Kräfte zu stärken. Der nächste Termin steht bereits fest: Am 19. Februar um 19.30 Uhr wird in den Räumen der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe zum Thema „Weltfrieden“ diskutiert werden. Angestrebt wird, dass Jugendliche aus allen fünf Erdteilen vertreten sind.

 
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