Einblick in Übergangs-Quartiere

Von außen sehen die Container zwar alles andere als wohnlich aus, aber die Bewohner haben es sich trotzdem drinnen gemütlich gemacht.
Evangelisches Kinder- und Jugendhilfezentrum Augsburg baut für die Zukunft

Hämmern, Bohren, Sägen – im Deffnerhaus des Evangelischen Kinder- und Jugendhilfezentrums Augsburg (EvKi) geht’s tatkräftig voran. Bereits letztes Jahr konnte eine Heilpädagogische Wohngruppe das erste kernsanierte Haus beziehen. Jetzt in den Sommerferien steht der Einzug für zwei weitere Gruppen, geleitet von Birgit Hedwig und Anina Riexinger, an. Derzeit wohnen die 16 Mädchen und Jungen noch im mehrstöckigen Übergangs-Quartier in der Augsburger Innenstadt. Im April 2015 waren sie ins Springergäßchen umgezogen. Mit vielen Fotos, bunten Basteleien und Graffitis haben sich die sechs- bis 18-Jährigen ihr dortiges Zuhause verschönert. Die Vorfreude auf das Deffnerhaus ist trotzdem groß. „Ich freu‘ mich auf den Pool und die neuen Häuser. Die Zimmer werden echt schön mit einem großen Spiegel am Schrank“, erklärt die 13-jährige Lena*. „Ich finde es witzig, dass wir als Gruppe dann ein eigenes Haus haben“, erzählt ihre elfjährige Schwester Julia*. Finanziert wurden Umbau und Innenausstattung von Haus 51 übrigens durch „Ein Herz für Kinder“, die Innenausstattung von Haus 53 durch die J. G. Klaucke’sche Stiftung.

Jede Menge Einfallsreichtum
Eine besondere Form der Nähe erleben derzeit Erzieher Harald Häusl und seine Gruppe der Heilpädagogischen Tagesstätte (HPT). Team und Kinder sind Anfang dieses Jahres in zwei Container auf dem vorderen Deffnerhaus-Gelände umgezogen. Was von außen nüchtern weiß und wenig einladend wirkt, entpuppt sich beim Öffnen der Eingangstüre als erstaunlich wohnlich. Jede Menge Poster, Smileys, Window-Colour und ein Kreuz-Mosaik zieren Wände und Fenster der kreativen Gruppe. Einfallsreichtum war auch gefragt beim Einrichten von 30 bzw. 15 Quadratmetern Wohnraum. Doch Esstisch, Stühle, Hausaufgabenplätze, Regale, Sofa und Garderobe haben alle mit viel Geschick ihren Platz gefunden. „Das Spartanische hat auch seinen Reiz“, berichtet Häusl. Die zwölfjährige Rita findet das Leben im Container „gemütlich“. Der 14-jährige Armin stimmt ihr mit einem Nicken zu. Die elfjährige Hatice freut sich eher auf die für das Frühjahr 2017 geplante Rückkehr ins neue Haus mit „mehr Zimmern“. Auch dass man für fließendes Wasser dann nicht mehr ins Nebengebäude gehen muss, habe seinen Vorteil, erklärt Häusl mit einem Augenzwinkern.
*Namen von der Redaktion geändert

Das Evangelische Kinder- und Jugendhilfezentrum Augsburg mit Stammsitz Deffnerhaus in Hochzoll-Nord unterstützt seit Jahrzehnten durch qualifizierte heilpädagogische und therapeutische Angebote Kinder und Jugendliche, die in ihrer Familie traumatisierende Erfahrungen gemacht haben. Derzeit sind dies rund 450 Kinder und Jugendliche in Stadt und Landkreis Augsburg sowie Landkreis Aichach-Friedberg. Für die Generalsanierung des Deffnerhauses müssen 7,3 Millionen Euro bis zur Fertigstellung im Frühjahr 2018 investiert werden, die hauptsächlich durch Zuschüsse, Förder- und Spendengelder aufgebracht werden.
1
Einem Autor gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.