Gehen, wenn es am Schönsten ist

Stefanie Hörr, Hausleitung im Kinder- und Jugendhaus Lehmbau, verabschiedet sich zum Studium nach Darmstadt - macht aber die Türe zum Lehmbau nicht ganz zu.
Stefanie Hörr, Hausleitung des Kinder- und Jugendhaus Lehmbau, verlässt nach über neun Jahren die Einrichtung in Hochzoll-Süd. Anfangs war sie im Lehmbau als pädagogische Fachkraft, zuletzt als Hausleitung tätig. Ab Herbst dieses Jahres zieht sie nach Darmstadt, um an der dortigen Universität „Soziale Arbeit“ zu studieren. Im Lehmbau konnte sich die 32-jährige Erzieherin ganz ihrer Leidenschaft für die offene Kinder- und Jugendarbeit widmen. Als Grund für ihren Weggang, der, wenn es nach ihr geht, nur vorübergehend sein wird, sagt sie: „Ich habe mir hier im Lehmbau ein praktisches Fundament über die Jahre erarbeitet, das ich mit dem Studium theoretisch unterfüttern möchte.“ Rückblickend ist Steffi Hörr besonders glücklich, dass sich so viele junge Menschen ihr gegenüber geöffnet haben. „Manche durfte ich vom Kind sein bis zum Erwachsenwerden über viele Jahre begleiten. Natürlich sind mir die Kinder ans Herz gewachsen und der Abschied fällt nicht leicht. Auch wenn man gehen soll, wenn es am Schönsten ist.“ Die offene Jugendarbeit, bei der jeden Tag andere junge Menschen kommen können, sei eigentlich schnelllebig und könne jeden Tag anders sein. Wenn dann doch immer die Gleichen kämen, zeige das, dass tragfähige Beziehungen entstanden sind und dass man sich hier wohlfühlt. Am meisten hat sie sich über Kinder gefreut, die später als junge Erwachsene als Helfer wieder in den Lehmbau gekommen sind. Der Zeitpunkt für ihren Abschied ist zwar für viele überraschend, aber „ich kann beruhigt gehen“. Als Team sei es gelungen, dass sich die Einrichtung weiterentwickelt habe, quasi „erwachsen“ geworden ist. Aber nicht nur die Einrichtung ist erwachsen geworden, auch Hörr selber. „Die Arbeit im Lehmbau hat mich zu dem Menschen geformt, der ich heute bin.“ Als sie mit Anfang 20 hier ihren ersten Job begonnen hat, war sie noch „ein leeres Glas“. „Ich bin selber an den Aufgaben gewachsen“. Hörr ist mitverantwortlich dafür, dass der Lehmbau, der auch schon ums Überleben kämpfen musste, heute auf ein fest gespanntes Netz mit allen Einrichtungen im Stadtteil zählen kann. „Wir haben eng zusammengeschweißte Kooperationspartner und tragfähige ökumenische Kontakte im Laufe der Jahre aufbauen können.“ Ganz muss der Lehmbau auf Stefanie Hörr in Zukunft nicht verzichten, denn sie wird mindestens einmal im Monat in Augsburg sein und möchte ehrenamtlich bei den Projekten, wie zum Beispiel beim Herbst- oder Osterprojekt, mitarbeiten. Eine Rückkehr in den Lehmbau nach dem Studium wäre ihr größter Wunsch. Verena Schneele bleibt im Lehmbau nun die Konstante. Voraussichtlich ab Anfang November soll es eine neue Hausleitung geben. Damit man diese gleich kennenlernen kann, findet statt des Herbstprojekts am 1. und 2. November ein symbolischer Arbeitseinsatz statt. Dabei wird der alte Zaun am Neubau abgerissen und durch einen neuen ersetzt – nachdem Ziege Zensi bereits mehrfach über den maroden Zaun geklettert und fast Busgefahren ist. Am 21. Oktober wird Stefanie Hörr dann offiziell verabschiedet.
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