Heimat ist ein Gefühl

Wer Lust hat, eines dieser Beete im Garten des Ambulant Betreuten Wohnen zu bepflanzen und zu pflegen, kann sich an die Stiftung St. Johannes in Hochzoll wenden. Auch so ist Integration möglich.
 
In diesem Haus an der Trettachstraße befindet sich das Betreuungszentrum für geistig und psychisch kranke Menschen mit Apartements und einer Wohngruppe.
Stiftung St. Johannes betreut an mehreren Standorten in Hochzoll-Süd geistig und psychisch Behinderte.

Menschen mit Behinderung gehören schon seit jeher zu unserer Gesellschaft. Inklusion, also die Teilhabe dieser Menschen am Alltag und die Einbeziehung in die Gesellschaft, ist aber erst seit einigen Jahren ein Thema. Mitte des 19. Jahrhunderts gründete der Orden der Barmherzigen Brüder aus Neuburg eine „Anstalt für unheilbar Kranke“ in der Gemeinde Marxheim-Schweinspoint. Hier werden seit über 150 Jahren erwachsene Menschen mit Behinderung in einer beschützenden Atmosphäre betreut und gefördert. Allerdings ist es für die Menschen an diesem Ort durch seine abgeschiedene dörfliche Lage schwer am gesellschaftlichen Leben teil zu haben. Daher orientiert sich die Stiftung St. Johannes, deren Verwaltung 1971 durch den Caritasverband der Diözese Augsburg übernommen wurde, zunehmend auch in Städte. Inzwischen gibt es Einrichtungen unter anderem in Donauwörth, Neuburg und auch in Augsburg. Denn auch geistig und psychisch Kranke gehen gerne ins Kino, zum Fußball oder möchten selbständig Einkaufen gehen können. Seit 2012 ist die Stiftung mit einem Betreuungszentrum in Hochzoll aktiv. 2013 übernahm sie die Betriebsträgerschaft für das am Kuhsee gelegene „Haus Lebensquell“ der Heimstattstiftung. 2014 kamen Wohnungen und Wohngruppen für die ambulante Betreuung in der Trettachstraße, in der Oberländer Straße und seit kurzem im ehemaligen Pfarrhaus Zwölf Apostel dazu. Für Ende des Jahres sind weitere Wohngruppen und Appartements in der Innenstadt im Maria-Ward-Haus geplant. "Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl!" singt Herbert Grönemeyer. Für dieses gute Gefühl sorgen in Hochzoll die 20 sozialpädagogischen Mitarbeiter. „Wir unterstützen die Menschen in ihrem Alltag, geben Struktur, begleiten sie bei Arzt- oder Therapeutenbesuchen, helfen ihnen ihre Freizeit aktiv zu gestalten, gehen mit zum Jobcenter“, erzählt die Sozialpädagogin Daniela Remschnigg. Jeder Mitarbeiter im Ambulant Betreuten Wohnen arbeitet mit einem Kollegen im Team und betreut ca. sieben Klienten, das heißt, jeder Bewohner hat zwei sich abwechselnde Ansprechpartner. Ziel ist eine möglichst frei gestaltete und unabhängige Lebensführung im gewohnten Umfeld oder der eigenen Wohnung. „Gemeinsam selbstbestimmtes Leben gestalten“ ist unser wichtigster Leitsatz, so Heinrich Riegel, Regionalleiter Augsburg. „Wir fördern die von uns betreuten Menschen in ihrer individuellen Entwicklung und Selbstbestimmung mit Achtung und Wertschätzung“. Die Stiftung stellt für die Erkrankten je nach individueller Situation, Lebenslauf, persönlicher Entwicklung und behinderungsbedingten Einschränkungen passende Wohnformen von beschützend bis zu einem sehr offenen Charakter zur Verfügung. In Hochzoll gibt es im Betreuungszentrum in der Trettachstraße eine Wohngruppe, in der 11 Männer und Frauen, darunter ein Ehepaar, mit psychischer Erkrankung leben. Sie teilen sich eine Küche, gehen tagsüber einer Arbeit nach und erhalten hier einen festen Rahmen und die ihrem persönlichen Bedarf angepasste Unterstützung. Ärzte und Psychologen wirken an der Betreuung mit. Das Leben in dieser Wohngruppe bietet Gemeinschaft im Alltag und Freizeitgestaltung mit individuellen Rückzugsmöglichkeiten. Die Stiftung St. Johannes ermöglicht hier ein Trainingsfeld im lebenspraktischen und sozialen Bereich, mit dem Ziel, Eigenständigkeit herzustellen bzw. wieder zu erlangen. In der Trettachstraße ist auch die Zentrale des „Ambulant Betreuten Wohnens“ für die Region Augsburg und Schwabmünchen eingerichtet. Die Mitarbeiter bieten Beratung und Begleitung für Menschen mit einer psychischen, geistigen oder körperlichen Behinderung an. Das Angebot richtet sich an Personen, die selbstständig leben und wohnen möchten und für einen bestimmten Zeitraum wöchentlich mehrere Stunden professionelle Begleitung brauchen. Ziel ist eine möglichst selbständige Lebensführung in der eigenen Wohnung. Da nicht jeder Mensch alleine leben möchte, bietet die Stiftung im Pfarrhaus von Zwölf Apostel seit kurzem für sieben Personen die Möglichkeit, gemeinsam unter einem Dach zu wohnen. Jeder Mieter hat seinen persönlichen Rückzugsbereich, kann aber auch die Gemeinschaftsangebote und -räume nutzen. Diese Form des Zusammenlebens beinhaltet die Möglichkeit für ein soziales Miteinander und beugt der Vereinsamung und Isolierung vor. Im Haus Lebensquell am Kuhsee leben elf Geistig- und Mehrfach-Behinderte und in der Oberländerstraße wohnen in einem Haus mit riesigem Garten drei Menschen, weitere Aufnahmen sind in Vorbereitung. Hier werden noch Nachbarn oder allgemein Interessierte gesucht, die Lust haben ein Beet zu bepflanzen oder die Obstbäume zu pflegen und zu ernten. Ganz im Sinne des Erlernens von Nachbarschaftspflege, sozialer Kompetenz und Integration. Und manch „Gesunder“ kann hier sicherlich auch noch etwas dazulernen.
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