Jugendliche diskutieren: Europa auf dem Prüfstand

Der frühere Eishockey-Profi und heutige Panther-Manager Duanne Moeser erzählte über seine Erfahrungen als er nach Deutschland kam.
 
Thema Europa: Jugendliche unterschiedlicher Herkunft tauschen sich aus.

Jugendliche unterschiedlicher Herkunft und mit verschiedenen Kulturen und Religionen diskutieren respektvoll miteinander

Europa ist in der Krise. Themen wie der Euro, Brexit und Rechtsruck sind an der Tagesordnung. Doch wie sieht die Jugend ihre Zukunft in Europa? Darüber diskutierten sieben junge Menschen zwischen 17 und 27 Jahren mit Bezug zu Europa, Asien und Afrika beim zweiten Jugendgespräch in den Räumen des katholischen Kinderheims in Hochzoll. Moderiert wurde die Gesprächsrunde von der 26-jährigen muslimischen Lehrerin Parboni Rahman, die hier geboren ist und deren Eltern aus Bangladesh kommen.

Die Themen zu Europa waren sehr bunt: von der eigenen Identität, über die Solidarität der Länder in Europa bis zur Flüchtlings- und Entwicklungspolitik und dem Antisemitismus reichte die Bandbreite. Auf die Frage „Was versteht ihr unter Europa?“ sagt die Französin Solène, sie sei europäische Französin. Sie lebe hier ohne Aufenthaltserlaubnis und habe hier ihren Master gemacht. Rohulla ist aus Afghanistan geflüchtet und hat inzwischen eine leitende Position in einem Möbelhaus erlangt. Er fühle sich als schwarzer Europäer, zu 60 Prozent als Deutscher und zu 40 Prozent als Afghane. Der jüdische Student Alex musste als Kind aus Serbien flüchten und lebt heute sehr gern in Augsburg. Er finde es positiv, dass innerhalb der EU alles offen ist.

Solidarität in Europa

Ein heiß diskutiertes Thema war die Solidarität in Verbindung mit der Flüchtlingspolitik. „In Frankreich ist die Integration gescheitert und Integrationspolitik ist auch in Deutschland schwierig“, sagt Solène. Mousa Osman ist aus dem Sudan geflüchtet. Er meint: „Wir haben keine Freiheit in Europa!“ Diskutiert wurde das Thema des Zurückschickens von Flüchtlingen in die Heimat. Denn wenn jemand kommt, will er hier leben. Rechtsreferendarin Sarah Wagner, Vertreterin der Jusos, fühlt sich zunächst als Deutsche, dann als Europäerin. Sie bemängelt die zu geringe Solidarität. Der Brexit sei ein heilsamer Schock für die Europäer und führe zu mehr Zusammenhalt. Sie hält einen Schüleraustausch für sehr wichtig, damit Freundschaften entstehen können. Inwiefern hat die EU dann noch eine Berechtigung? Hat das Wertesystem überhaupt noch Bestand? Die liberale jüdische Abiturientin Hannah Volkmann aus München weiß, dass das Werte sind, die jeder EU-Bürger verinnerlicht hat. Eine passende Antwort gäbe es darauf nicht. Minderheiten sollten generell geschützt werden. Bei jüdischen Gottesdiensten würden die Synagogen von der Polizei überwacht. Das sei Normalzustand und das bedauere sie. Antisemitismus gebe es in ganz Europa, sie habe selbst keine Vorurteile erlebt. Die Vorstellung von einem Krieg sei ihr ganz fremd.

„Wir müssen zusammenhalten“

Sarah meinte, dass seit dem Brexit die EU wieder auf einem besseren Weg sei. Letztendlich waren sich alle einig: Wir müssen zusammenhalten, egal ob Moslem, Christ oder Jude. Es zahle sich am Ende aus. Das Interesse war groß. Rund 30 interessierte Jugendliche und Erwachsene kamen in die Räume der Karwendelstraße 7 und diskutierten fleißig mit. Auch danach gab es nur positive Rückmeldungen von den Teilnehmern an der Diskussionsrunde und von den Zuhörern. „Die Grundlage für die Lösung von Problemen ist ein respektvolles Gespräch mit gutem Willen, sei es beim G-20-Gipfel, in der Stadt oder in der Familie. Für Jugendliche gibt es bisher nur wenige Gespräche dieser Art, schon gar nicht in dieser bunten Zusammensetzung. Jeder soll erkennen, dass ein respektvolles und friedliches Gespräch möglich ist. Das ist heute Abend hervorragend gelungen“, sagt Gottfried Morath, der den Abend initiiert hat. Damit würde ein wichtiges öffentliches positives Zeichen gesetzt. Dieses Jugendgespräch passe damit sehr gut zum Zweck des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“, der überparteilich und bundesweit ist. Denn Zweck des Vereins ist es, mit verschiedenen Veranstaltungen an die schrecklichen Auswirkungen von Diktaturen zu erinnern und damit die demokratisch gesinnten Kräfte zu stärken.
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