Kein Abschluss ohne Anschluss

Andrea Kempinger, die neue Rektorin an der Werner-von-Siemens-Mittelschule, freut sich auf die Herausforderungen, die auf sie und die Schule zukommen. Foto: Anja Lütke-Wissing


Seit kurzem hat die Werner-von-Siemens-Mittelschule eine neue Rektorin. Sie folgt auf Gerhard Steiner, der die Schule viele Jahre geleitet hatte. Andrea Kempinger ist selbst Mutter eines 14-jährigen Sohnes und damit bestens vertraut mit den Herausforderungen dieser Altersgruppe.

StadtZeitung: Warum sind Sie Lehrerin und schließlich Schulleiterin geworden?

Andrea Kempinger:
Ich habe Mathematik studiert und in diesem Bereich auch gearbeitet, musste dann aber feststellen, dass ich in diesem Beruf nur einen Teil von mir einbringen konnte. Ich habe mich dann nochmal an der Universität Augsburg eingeschrieben und Lehramt für Mittelschulen obendrauf gesetzt. In der Arbeit als Lehrerin habe ich eine große Erfüllung gefunden, denn mir bereitet nicht nur das Unterrichten, sondern auch die Auseinandersetzung mit jungen Menschen und deren Lebensthemen große Freude. Die große Herausforderung als Schulleiterin besteht darin, ein Team zu entwickeln, um gemeinsame Ziele zu finden und zu realisieren. Dabei spielt die Unterrichtsqualität ebenso eine Rolle wie die Berufsorientierung und das Schulleben im Gesamten. Ein junger Mensch muss gefördert aber auch gefordert werden. Gelingen kann das nur, wenn sich die uns anvertrauten Kinder in der Schulgemeinschaft wohlfühlen. Schließlich muss eine Schulleiterin auch eine Menge verwalten und verantworten. Hier kann ich von meinem ersten Studium und der damit verbundenen Berufserfahrung viel profitieren.

StaZ: Wie ist Ihr Werdegang?

Kempinger:
In den vergangenen Jahren war ich an Schulen im Landkreis Augsburg als Lehrerin tätig. Darüber hinaus war ich als Referentin und Autorin an der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen im Bereich Weiterentwicklung von Unterricht und Möglichkeiten der Diagnose und Förderung von Schülern tätig. Am Institut für Schule und Bildung in München habe ich in der Lehrplankommission den neuen Lehrplan für Mathematik, der 2017 in Bayern eingeführt wird, erstellt. Hier lag es nahe, auch als Beraterin für neue Lehrwerke bei Schulbuchverlagen aktiv zu werden. Seit 2014 bin ich an der Regierung von Schwaben als koordinierende Multiplikatorin im Rahmen der Einführung eines neuen Schulverwaltungsprogrammes tätig. Als Konrektorin konnte ich sowohl an der Goethe-Mittelschule in Lechhausen als auch an der St. Georg-Mittelschule in der Stadtmitte meine Erfahrungen sammeln.

StaZ: Welche Herausforderungen kommen an der Werner-von-Siemens-Mittelschule auf Sie zu?

Kempinger:
Im Augenblick bin ich dabei, die Schule, meine Kollegen und die Schüler möglichst genau kennen zu lernen. Die Schule ist hervorragend aufgestellt und ich kann auf ein großartiges Kollegium bauen. Die Herausforderungen, die die Schule erwarten, sind die gleichen, mit denen auch andere Schulen konfrontiert werden, wenn es darum geht, Migranten unsere Sprache beizubringen und in unsere Gesellschaft zu integrieren. Wir werden ein Konzept erarbeiten, das dann hoffentlich auch trägt. Natürlich werden Räume und Mittel dadurch knapper, aber ich persönlich empfinde eine solche Aufgabe der Öffnung in Vielfalt als große Bereicherung für eine Schule.

StaZ:Wo wollen Sie Schwerpunkte in Ihrer Arbeit setzen?

Kempinger:
Einen Fokus sehe ich in der Vernetzung und Ausstattung der Schule mit neuen Medien. Erste Gespräche in diese Richtung haben bereits stattgefunden. Darüber hinaus wird die Umsetzung des neuen Lehrplans und die damit verbundene Unterrichtsentwicklung sicherlich einer meiner Schwerpunkte sein. Ansonsten ist es mir als Schulleitung wichtig, dass nicht ich alleine Schwerpunkte setze, sondern wir diese als Kollegium gemeinsam finden.

StaZ:Wie sehen Sie die Situation der Mittelschule in der Bildungslandschaft?

Kempinger:
Die Mittelschule und ihr Ruf haben sich in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Es gilt das Prinzip 'Kein Abschluss ohne Anschluss' und das ist tatsächlich so. Wir fördern in der 5. und 6. Jahrgangsstufe durch modulare Förderung und speziell in Augsburg durch zusätzliche M-Kurse, die auf den Übertritt in den Mittlere-Reife-Zweig vorbereiten. Die Berufswahlvorbereitung ist ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit, die durch Berufseinstiegsbegleiter und Sozialpädagogen unterstützt wird. Die drei Grundsäulen 'Stark im Beruf, stark im Wissen, stark als Person' werden wirklich gelebt. Das positive Feedback von Vertretern der bayerischen Wirtschaft bestärkt uns hierin.

StaZ:Warum wollten Sie gerade an dieser Schule Schulleiterin werden?

Kempinger:
Die Schule hat in der Augsburger Schullandschaft einen sehr guten Ruf, da geht man natürlich gerne hin. Darüber hinaus verbindet mich eine enge Bindung mit Hochzoll, denn meine Oma, bei der ich als Kind viel Zeit verbracht habe, lebte hier. Anfang der Siebziger Jahre habe ich als kleines Mädchen am Hochzoller Bahnhof Züge gezählt. Niemals hätte ich damals gedacht, dass ich als Schulleiterin wieder nach Hochzoll zurückkehre. Der Kreis schließt sich.


Interview: Anja Lütke-Wissing
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