Schüler sorgen für Recht und Ordnung

Dank der Schülerlotsen wie Saskia Schulz (rechts) und Marcel Rudolph (links) fahren immer weniger Autos in die Sackgasse der Neuschwansteinstraße ein und gefährden durch das Rangieren die Schüler.
Die Verkehrssituation an der Werner-von-Siemens Grund- und Mittelschule in Hochzoll-Nord ist vor allem in der Früh unsicher, insbesondere durch Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen und in die Sackgasse einfahren. Die Eltern nutzen die Sackgasse zum Rangieren und fahren teilweise sogar bis in den Schulhof, um ihre Sprösslinge möglichst nah und bequem ans Schulgebäude zu bringen. Andrea Kempinger, Schulleiterin der Mittelschule, war besorgt um die Sicherheit der vielen Schüler, die zu Fuß zur Schule kommen und zwischen 7.30 und 8 Uhr in Massen in die Schulgebäude strömen. „Wir wollten einfach nicht riskieren, dass vielleicht doch einmal ein Kind beim Rangieren übersehen wird und zu Schaden kommt“, berichtet Kempinger. Daher habe man sich an das Tiefbauamt und an die Polizei gewandt, die aber keinen Handlungsbedarf sahen. Schließlich ist die Ein- und Zufahrt durch entsprechende Schilder geregelt und von Kempinger angeregte Poller, die rauf- und runtergefahren werden können, offenbar zu teuer oder schwer realisierbar. Also war Eigeninitiative gefragt. Schüler der neunten und zehnten Klassen organisierten zu Beginn des neuen Schuljahrs im September selbständig einen Lotsendienst, der die Autofahrer freundlich aber bestimmt an der Einfahrt hindert und bittet, die Kinder schon etwas früher an einer weniger gefährlichen Stelle aussteigen zu lassen. Besonders hervorheben möchte Kempinger dabei das Engagement der Schüler. „Sie haben selber in den Klassen für den Lotsendienst geworben und den Einsatzplan aufgestellt – und sie kommen täglich eine halbe Stunde früher, um für die Sicherheit insbesondere der kleineren Schüler der Grundschule zu sorgen“ lobt Kempinger. Die Schule unterstützt, in dem sie die Lotsen mit Warnwesten und Regenschirmen ausgestattet hat. Dabei müssen sich die Schüler teilweise sogar anpöbeln lassen, denn nicht jeder Autofahrer lässt sich gerne in seiner Freiheit beschränken. Doch die Lotsen bleiben bei solchen verbalen Attacken gelassen. „Einige von uns waren beim Projekt „Coolrider“ der Stadtwerke Augsburg dabei, bei dem wir gelernt haben Konflikte in Bus und Bahn zu lösen, Zivilcourage zu zeigen und mit ähnlichen Situationen umzugehen“, berichtet der 14-jährige Lotse Daniel Lütke-Wissing. Er macht mit, weil er später gerne zur Polizei möchte und weil er sich gern für Schwächere einsetzt. Das Projekt zeigt bereits Wirkung – viele Eltern lassen ihre Kinder jetzt an ungefährlichen Stellen aussteigen und fahren gar nicht mehr erst in die Neuschwansteinstraße ein. Dennoch ruft Schulleiterin Andrea Kempinger dazu auf, die Kinder nur im Notfall mit dem Auto zu bringen. „Den Kindern tut das Laufen in der Früh gut. Sie kommen dadurch entspannter und wacher in der Schule an.“ Das Projekt wird trotz der guten Entwicklung auf alle Fälle weitergeführt, denn Daniel ist sich sicher: „Wenn wir nicht mehr dort stehen, dann fallen die Autofahrer ganz schnell in ihre alten schlechten Gewohnheiten zurück“.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.