Taubenplage am Schwabencenter: Erfolgreiches Konzept aus anderen Stadtteilen soll nun helfen

Bewohner des Schwabencenters klagen seit Jahren über ein Übermaß an geflügelten Plagegeistern: Stadt und Tierschutzverein wollen die Taubenpopulation nun in den Griff kriegen. (Foto: Janina Funk)
 
Ein Taubenturm, wie er in Göggingen steht, soll noch dieses Jahr am Schwabencenter gebaut werden. Frisch gelegte Eier werden dort durch Attrappen ersetzt. Laut Umweltreferat wurden 2011 rund 5900 Eier entnommen, in den Jahren 2012 und 2013 waren es je über 6000 Eier, 2014 sogar über 7200 und 2015 knapp 7000 Eier. (Foto: Tierschutzverein Augsburg)

Kaum hat das graue Federtier seine Schwingen gespreizt und zum Abflug angesetzt, landet auch schon der nächste Vogel auf dem Balkon. Der Hochhauskomplex Schwabencenter im Augsburger Herrenbachviertel hat mitunter etwas von einem gigantischen Taubenschlag - zum Unmut der menschlichen Bewohner.

Im neunten Stock lebt Jean Pierre Lebailly. "Seit zehn Jahren wohnen wir hier, seit zehn Jahren ist es so", klagt er über die Tiere, "die einfach immer wieder kommen und nicht daran denken, woanders hin zu fliegen". Die ganze "Balkonbrüstung ist vollgesch...", ärgert er sich.

Wütend ist auch Josef Kränzle, auch er Anwohner in der Wilhelm-Hauff-Straße. "Täglich wird der gesamte Wohnbereich von riesigen Taubenschwärmen heimgesucht", sagt er. "Der hinterlassene Kot verschmutzt das jeweilige Wohngebäude und führt auch zu hygienischen Verhältnissen, die nicht mehr länger hinnehmbar sind", findet Kränzle. Schuld an der Tauben-Misere, da sind sich beide Männer einig: "Die Leute, die die Tauben füttern".

"Augsburger Modell": Taubenpopulation in den Griff kriegen

Sabina Gaßner vom Tierschutzverein sieht dies ähnlich. Die wichtigste Voraussetzung, um die Taubenpopulation zu regulieren, sei, "dass niemand füttert, auch keine anderen Wildvögel, und dass draußen keine Abfälle herumliegen". Nur dann funktioniere das Konzept, mit dem Tierschutzverein und Stadtverwaltung in anderen Stadtteilen bereits erfolgreich seien. Dieses "Augsburger Modell" gehe auf Rudolf Reichert zurück, der mit seiner "Initiative gegen Tierversuche und Ausbeutung der Tiere" Ende der 1990er eine Vorgehensweise entwickelte, die tierfreundlich und nachhaltig sein sollte.

In Göggingen und in der Innenstadt werden die Tauben seither in eigens errichtete Türme oder andere Taubenschläge umgesiedelt. Dort ersetzen Ehrenamtliche die frisch gelegten Eier durch Attrappen aus Plastik oder Gips, das städtische Abfallwirtschaftsamt reinigt die Schläge.

Zuvor sei die Stadt noch bis Mitte 1995 - auf konkrete Beschwerden und Anforderungen hin - durch Abschuss gegen Taubenbelästigungen vorgegangen, erzählt Gaßner. Verschiedene Tierschutzorganisationen machten sich dagegen stark. Zumal durch das Töten insgesamt keine Reduzierung der Taubenpopulation erreicht werden konnte. Mit dem neuen Konzept gebe es keine Vermehrung der Tauben, weniger Dreck und es sei tierfreundlich, listet die Geschäftsführerin des Tierschutzvereins auf.

Tauben-Problem noch lange nicht überall gelöst

Aber: Gaßner weiß auch, dass die Taubenpopulation noch lange nicht überall in Augsburg unter Kontrolle ist. "Am Schwabencenter ist das Problem keineswegs gelöst. Es gibt ja auch noch keinen Taubenschlag", erklärt sie. Jahrelang habe man versucht, auf einem Parkdeck einen Taubenschlag einzurichten. Doch die Besitzverhältnisse seien undurchsichtig gewesen und ständig habe der Ansprechpartner gewechselt.

Nun gehe es allerdings auch am Schwabencenter voran, denn noch in diesem Jahr soll am Alten Heuweg ein Taubenturm nach Gögginger Vorbild gebaut werden. "Wir sind zuversichtlich, dass er im November steht", sagt Gaßner. Dann gelte es, die Vögel umzusiedeln. "Das funktioniert über ein attraktives Futterangebot im Turm oder man fängt das ein oder andere Tier und bringt es dorthin".

Nach und nach, das zeige die Erfahrung, würden dann auch die anderen folgen. "Das spricht sich in der Taubenpopulation ja herum", erklärt die Tierschützerin. Das Sozialgefüge der Tauben würde von den meisten Menschen stark unterschätzt. Und: "Tauben bleiben fast den ganzen Tag in ihren Schlägen. Die Anwohner haben dann ihre Ruhe."

Keine guten Nachrichten für Jakobervorstadt

Es werde allerdings sicher eine Weile dauern, bis die Tauben "das neue Zuhause" akzeptieren, denn Tauben seien standorttreu. Gaßner ist jedoch zuversichtlich, dass die Tiere wirklich umziehen werden. Aber, so schiebt sie erneut hinterher, "Voraussetzung ist, die Tiere werden nicht mehr außerhalb gefüttert".

Das sei auch am Jakobertor das Hauptproblem. Für dieses Gebiet hat Gaßner allerdings weniger gute Nachrichten für die Anwohner: "Konkrete Pläne für einen Taubenschlag gibt es nicht." Am Jakobertor helfe vorerst nur: "Nicht füttern!"
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