Wachsame Sorge

Fast 200 Tagungsteilnehmer aus ganz Deutschland und den Nachbarländern kamen nach Hochzoll, um sich bei Prof. Haim Omer Anregungen für ihre tägliche Arbeit zu holen.
 
Prof. Haim Omer sprach im Pfarrsaal von Heilig Geist in Hochzoll.
Augsburg: Kinder-, Jugend- und Famiienhilfe Hochzoll |

190 Teilnehmer bei Tagung in Hochzoll mit Prof. Dr. Haim Omer aus Tel Aviv

Durch die Kooperation zwischen der Kinder,- Jugend,- und Familienhilfe Hochzoll und dem Systemischen Institut Augsburg Volkmar Abt war es möglich, vom 23. bis 24. Januar im Pfarrsaal von Heilig Geist eine Fachtagung mit Prof. Haim Omer aus Tel Aviv zum Thema: „Wachsame Sorge“ zu organisieren. Der Andrang war immens, 190 Teilnehmer aus ganz Deutschland und den Nachbarländern Österreich und Schweiz waren nach Hochzoll gekommen, um den renommierten Wissenschaftler anzuhören.

„Hier im Pfarrsaal von Heilig Geist eine solche Veranstaltung bereits zum zweiten Mal zu organisieren, darauf sind wir sehr stolz. Wir freuen uns, wenn die Sozialpädagogen und die Erzieher bei der Tagung von den Ideen Haim Omers profitieren können“, so Ulrich Lorenz, der Gesamtleiter der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Hochzoll, der gemeinsam mit Volkmar Abt, dem Leiter des Systemischen Instituts Augsburg, eingeladen hatte. Abt freut sich, zum 15-jährigen Jubiläum seines Instituts Prof. Haim Omer nach 2015 zum zweiten Mal in Augsburg begrüßen zu dürfen.

Von Tel Aviv nach Augsburg

Stefan Kiefer, Augsburgs dritter Bürgermeister und Sozialreferent, begrüßte die Teilnehmer und Prof. Haim Omer herzlich zur Tagung in Augsburg. „Ich bin mir sicher, dass Ihnen diese Fachtagung mit Praxisforen neue Erkenntnisse, aber auch praktische Anregungen für Ihren Alltag geben wird“, so Kiefer, der selbst Vater von drei Kindern ist. In Augsburg wird gerade daran gearbeitet, eine sozialpädagogische Fakultät zu bekommen. Das wäre für Schwaben eine große Bereicherung. „Ich schätze die Sozialpädagogen sehr und traue ihnen zu, dass Sie einen Weg als Vermittler finden! „Ich hoffe, dass die Ideen auch Eingang in die Praxis finden und Früchte tragen. Denn das braucht unsere Stadt und die Gesellschaft ganz besonders.“

Haim Omer über die „Wachsame Sorge“

Haim Omer präsentierte auf der zweiten Tagung in Augsburg die nächste Stufe seines Konzeptes für einen entwicklungsförderlichen Umgang von Eltern mit ihren Kindern: die „Wachsame Sorge“. Er begann mit den Worten: „Man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind groß zu ziehen. Aber wo findet man dieses Dorf?“

Ausgehend von den Grundsätzen der „Elterlichen Präsenz“, dem Modell der „Neuen Autorität“ sowie der bindungsrelevanten „Ankerfunktion“ ging es in diesen zwei Tagen um die grundlegende elterliche Haltung, auf der eine aktive und respektvolle Teilhabe am Leben des Kindes basiert. Sehr anschaulich und mit vielen Beispielen aus der Praxis erläuterte er das Konzept der „Wachsamen Sorge“ zu unterschiedlichen Problemsituationen, wie unter anderem dem Umgang mit Lügen, PC oder Mobbing in der Schule. Es wurde deutlich, welche Handlungsoptionen Eltern und andere Erziehende, wie zum Beispiel Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe, in Tagesstätten, in sozialpädagogischen Einrichtungen oder Lehrer in Schulen haben, um ihre eigene Position für das Wohl des Kindes auf dessen Weg zu mehr Selbstfürsorge zu festigen. Das Verhältnis zu den Eltern bzw. auch Pflegeeltern und den Lehrern muss verbessert werden. Omer erläuterte, wie wir Unterstützersysteme schaffen können, um nicht allein zu erziehen und gleichzeitig das Interesse des Kindes eine berechtigte Chance bekommen kann.

Vor 20 Jahren hat Prof. Haim Omer mit seiner Arbeit begonnen. „Wir hatten immer wieder das Gefühl, dass wir Fachleute nicht gut mit Eltern sprechen können. Eltern fühlen sich oft angeklagt und suchen bei Problemen die Schuld bei sich. Diese Einstellung ist nicht vielversprechend für ein Bündnis zwischen Erziehern und Eltern,“ ist sich Haim Omer sicher. Er betonte, dass Therapeuten oft praktische und vor allem einfache Ideen fehlen. Eltern brauchen diese aber, da sie tagtäglich mit Situationen konfrontiert sind, in denen sie reagieren müssen, wie zum Beispiel bei Handgreiflichkeiten zwischen Geschwistern oder wenn die Tochter betrunken aufgefunden wird. „Eltern haben keine Zeit für komplizierte, psychologische Theorien“, bringt es Omer auf den Punkt. Daraus ist die Idee für die elterliche Präsenz entstanden: „Ich bin da und ich bleibe auch da!“

Kindern Orientierung, Sicherheit und Stabilität geben

Volkmar Abt, Leiter des Systemischen Instituts Augsburg freut sich: „Wir sind stolz, dass die Veranstaltung auf so viel Zuspruch stößt. Vor vier Jahren sind wir mit Omer in Kontakt getreten, und wir haben gemerkt, dass seine Ansätze sehr effektiv sind. Sie helfen Familien, dass sie wieder gut mit ihren Kindern in Verbindung treten, so dass die Kinder Orientierung, Sicherheit und Stabilität erfahren können.“

Über Prof. Dr. Haim Omer

Haim Omer arbeitet als Professor für Klinische Psychologie an der Universität Tel Aviv. Er ist Gründer und Fachdirektor des Zentrums für Eltern-Coaching im Schneider-Kinder-Krankenhaus und des New-Authority Centers in Israel. Haim Omers Eltern waren Überlebende des Holocausts in Treblinka. Er wurde 1949 in Brasilien geboren und wanderte 1967 nach Israel aus. Seit den 80er-Jahren befasst er sich mit der Frage, wie sich das Denken und Handeln durch die Erkenntnisse der klinischen Psychologie in die Erziehungs- und Beratungsarbeit integrieren lässt. Seine Bücher über den gewaltlosen Widerstand wie Autorität ohne Gewalt“, „Stärke statt Macht“, „Wachsame Sorge“ oder „Neue Autorität: Das Geheimnis starker Eltern“ wurden in acht verschiedenen Sprachen übersetzt.
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