Wenn der Opa in die Maxigruppe geht…

Die Maxigruppe in Hochzoll hat ein besonderes Konzept: Mobile Senioren können hier unterstützen und für die Kinder da sein - wie zum Beispiel beim gemeinsamen Essen.
 
Opa Karl-Heinz geht zusammen mit seinem Enkel Lukas in die Maxigruppe, kümmert sich aber auch um die anderen Kinder.
Es ist Donnerstagmorgen, 8.30 Uhr. Kinder im Alter von einem Jahr bis zu 3 Jahren, also bis zum Eintritt in den Kindergarten, treffen aus Hochzoll, Kissing, Friedberg und anderen Stadtteilen im Untergeschoß der evangelischen Auferstehungskirche ein. Dann kommen Lukas und Karl. Das Besondere an den beiden – sie sind Enkel und Opa. Doch Opa Karl bringt seinen einjährigen Enkel nicht nur in die Maxigruppe, sondern er bleibt die ganze Zeit mit dabei. Und das nicht etwa zur Eingewöhnung des Kleinen, sondern weil das das Konzept der einzigen Augsburger „intergenerativen“ Maxigruppe ist. In eine Maxigruppe geben Eltern ihre Kinder vor dem Kindergarten, wenn sie einmal etwas ohne Kinder unternehmen wollen oder um für sich selbst wieder etwas Zeit zu haben. In der festen überschaubaren Gruppe lernen Kinder kurze Zeit ohne Eltern zu bleiben und werden so sanft auf den Abnabelungsprozess, der mit dem Eintritt in den Kindergarten kommt, vorbereitet. „Wir wollten uns von anderen Maxigruppen abheben“, so Eva Schreiber, Erzieherin und mit ihrer Kollegin Doreen Lehmann Initiatorin der Gruppe. Beide wohnen in Hochzoll und sind erfahrene Mütter. Und sie sind selbst in der Situation, keine bzw. nur in zu großer Entfernung Großeltern für ihre Kinder zu haben. In der heutigen Zeit gibt es fast keine klassischen Großeltern mehr. Entweder sind sie noch selber berufstätig und daher zeitlich eingeschränkt, leben von der Familie getrennt in Seniorenheimen oder wohnen mehrere hundert Kilometer entfernt. Dadurch haben Kinder oft wenig Kontakt und Erfahrungen mit Großeltern oder älteren Menschen. „Wir finden es wichtig, dass Kinder Großeltern haben, aber leider gibt es in Augsburg das Konzept der „Leih-Omas/Opas“ nicht. Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass ältere Leute sich sehr für Kinder interessieren, selber keine Enkel haben oder diese nicht sehen dürfen. Und Jung und Alt profitieren voneinander, denn die einen wollen das Leben entdecken, die anderen ihre Erfahrungen im Leben weitergeben. So kamen wir auf die Idee, diese Mehrgenerationen-Maxigruppe zu gründen“. Im Kontakt mit Kindern blühen alte Menschen oft regelrecht auf. Und auch den Kindern tut das gemeinsame Miteinander in ihrer Entwicklung gut. Das Projekt setzt einen Kontrapunkt gegen die zunehmende Entfernung der Generationen und ermöglicht Begegnungen und Beziehungen, die den Jungen den Start ins Leben erleichtern und en Alten den Lebensabend sinnvoll erscheinen lassen. Seit Mitte Februar 2016 existiert die Einrichtung. Maximal 14 Kinder werden zweimal pro Woche, Donnerstag und Freitag für drei Stunden betreut. Zurzeit sind die Kinder noch in der Überzahl. Außer Opa Karl gibt es noch eine ältere Dame, die einmal pro Woche kommt. „Wir freuen uns aber auch über Senioren, die nur einmal pro Monat kommen. Wichtig ist nur, dass sich noch ein paar mehr rüstige Männer und Frauen ab 50 Jahren finden, die Spaß am Umgang mit Kindern haben.“ Man gehe auch keine Verpflichtung ein, so die beiden Erzieherinnen. Spiele spielen, Lieder singen, Spazierengehen oder beim Basteln unterstützen sind die Aufgaben der „Leih-Großeltern“. Die Aufsichtspflicht haben die Erzieher, die auch für das Angebot und die Anleitung verantwortlich sind. Opa Karl spielt nicht nur mit „seinem“ Lukas, sondern ist für alle Kinder da. Die Kinder nehmen selber Kontakt zu ihm auf, bringen ihm ein Buch, aus dem er Vorlesen soll. Schon turnen drei Kinder um ihn herum und sehen aufmerksam zu ihm auf, als er beginnt vorzulesen. Die Senioren müssen keine speziellen Fähigkeiten mitbringen, sondern einfach nur da sein und sich mit den Kindern beschäftigen. Die einzige körperliche Herausforderung ist die Treppe, die ins Untergeschoß führt. Doch Doreen Lehmann, selber Gemeindemitglied in der Auferstehungsgemeinde, ist froh, mit Pfarrer Benjamin Lorenz sofort einen Befürworter für das Konzept und vor allem einen günstig zu mietenden Raum gefunden zu haben. Bei der liebevollen, farbenfrohen Einrichtung des Raums half ein mit 5000 Euro dotierter Preis, den sie bei dem Ideenwettbewerb eines namhaften Windelherstellers unter dem Motto „Deutschland wird Kinderland“ im Oktober letztes Jahr für ihr Konzept gewonnen hatten. Als Wünsche für die Zukunft nennen Lehmann und Schreiber vor allem weitere mobile Senioren. Die Kinderplätze sind voll, die Aufnahme auf eine Warteliste ist möglich. „Im Sommer wollen wir gerne noch mehr rausgehen, zum Beispiel an den Kuhsee. Dafür brauchen wir noch zwei größere Bollerwägen für die kleineren Kinder.“ Wer das Konzept, sei es als ehrenamtlicher aktiver Senior mit seiner Zeit oder auch mit einer Geld- oder Bollerwagenspende unterstützen möchte, kann sich an Doreen Lehmann unter Tel. 0157 53 22 26 10 oder Eva Schreiber unter Tel. 0170 735 64 50 wenden oder an maxigruppe@auferstehungskirche-augsburg.de eine Email schreiben.
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