Bedrohte Natur im Augsburger Osten

Xaver Deniffel von den Grünen referierte auf dem Stadtteilspaziergang zur Grünachse Textilviertel auch über den Martini-Park und den städtebaulichen Wandel. Foto: Freundeskreis Gärtnerhaus im Park

Im vergangenen Sommer rollten die Bagger an und rissen das historische Gärtnerhaus ab. Das um 1900 errichtete Bauwerk stand mitten im Grünen, auf einer Naturfläche im Gewerbestandort Martini-Park, der zu einem Wohngebiet mit rund 350 Wohneinheiten umgewandelt wird. Gegen den Abriss wehrte sich der "Freundeskreis Gärtnerhaus im Park". Vergeblich. Rechtlich war die Lage klar, weder das Haus noch die angrenzenden Gebäude standen unter Denkmalschutz. Dennoch hätten sich viele Bürger einen Erhalt des Idylls gewünscht.

50 Interessierte spazierten nun mit den Freunden des Gärtnerhauses durch den Stadtteil. "Die vorhandene Grünachse im Textilviertel zwischen Altstadt und Lech droht unter die Räder zu kommen", fasste die Initiative im Nachgang der Veranstaltung zusammen. Die Naturschützer aus dem Osten der Stadt beklagen zudem: "Der Westen erhält mit Sheridan- und Reesepark eine neue Grünachse, im Textilviertel wird sie Stück für Stück verbaut".

Seit 1847 befindet sich der Martini-Park im Textilviertel im Eigentum des Augsburger Familienunternehmens Martini. Die Stadt treibt derzeit auf dem Gelände die Entwicklung eines innerstädtischen Wohnquartiers voran. Für das Wohngebiet weichen nicht nur alte Gebäude, sondern auch zahlreiche Bäume.

"Der Provinopark ist inzwischen neu bebaut - nur ein paar alte Bäume stehen noch. Dem Martinipark ergeht es nicht viel besser", kritisieren die Freunde des Gärtnerhauses. Ein direkter Durchgang zwischen Martini-Park und Angerwiese vor dem Glaspalast fehle, um im Grünen zum Lech zu gelangen. Die Initiative verweist auf die Welterbebewerbung der Stadt: "Augsburg möchte mit dem Thema Wasser Weltkulturerbe werden. Ohne Grün bleibt auch die Erlebnisachse zwischen Rathaus und Lech auf der Strecke, die die Augsburger Lechkanäle einbezieht." Die zahlreichen Bachläufe seien Zeugnisse der Augsburger Stadtgeschichte, "sie waren Teil der Stadtbefestigung, waren Energielieferant für die Handwerksbetriebe und für die Industrialisierung, sie prägen mitsamt ihrer Umgebung auf einzigartige Weise das Bild unserer Stadt". Vor allem dort, so die Naturschützer, wo bisher keine einschneidenden baulichen Veränderungen stattgefunden hätten. (jaf)
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