Eiskanal abreißen? CSU-Antrag verwundert verspätet

Bröckelndes Denkmal: Der Eiskanal in Augsburg muss dringend saniert werden. Foto: Horst Woppowa
Augsburg: Am Eiskanal |

Augsburg - Ist es günstiger, den Eiskanal stillzulegen und anderswo eine neue Kanustrecke zu bauen? Das will die Augsburger CSU-Fraktion geklärt wissen und hat einen entsprechenden Antrag gestellt. Die Allianz zum Erhalt der Olympiastrecke von 1972 reagiert gelassen. Ein Neubau ergebe aus mehreren Gründen wenig Sinn.

Am anderen Ende der Leitung wird es für einen Moment still. Hans-Peter Pleitner läuft den Lech entlang - nur in Gedanken freilich, sonst würde sich das Telefonat wohl länger hinziehen. "Nein", bilanziert Pleitner, als er seinen geistigen Spaziergang beendet hat, "ein Alternativstandort fällt mir keiner ein". Schon mehrfach habe er das gemacht, sagt der Sprecher der Eiskanal Allianz, hypothetisch einen Platz gesucht für eine neue Kanustrecke. Erfolgreich war er nie.

Pleitner und seine Allianz setzen sich seit Ende 2016 für den Erhalt des Eiskanals ein. Damals grassierte die Furcht, dass die Olympiastätte von 1972 unter Denkmalschutz gestellt würde. Was zunächst komisch klingt, beruhte darauf, dass infolgedessen nötige Erneuerungen der Strecke und ihrer Gebäude nicht mehr möglich sein würden. Pleitner und seine Mitstreiter stemmten sich dagegen, geholfen hat es nichts: Mitte 2017 wurde die Anlage zwischen Lech und Siebentischwald unter Denkmalschutz gestellt. Die Angst der Initiative bewahrheitete sich jedoch nicht. Im Oktober wurde eine Machbarkeitsstudie im Sportausschuss vorgestellt, die aussagte: Der Kanal kann trotzdem saniert werden, allerdings zu einem Preis von rund 18,5 Millionen Euro.

Deshalb schaltete sich einen Monat später die Stadtratsfraktion der CSU ein und beantragte, die Verwaltung möge prüfen, ob nicht ein Abbruch und ein Neubau "bezüglich der Kosten, Bauzeiten oder anderer Argumente vorteilhafter wäre". Die Deutsche Presseagentur griff das Ansinnen nun auf, weshalb das Thema mit einem Mal wieder akut wurde und weshalb Pleitner in Gedanken Meter am Lech macht.
Wider einen Alternativstandort spreche laut Pleitner, dass der Eiskanal mit natürlichem Gefälle funktioniert. "Auf der Grünen Wiese bräuchte man Pumpen. Das ist aufwändig und teuer", argumentiert er. Auf der Strecke im sächsischen Markkleeberg etwa koste der Betrieb der Anlage pro Stunde 300 Euro, rechnet Pleitner vor. Auch sieht er die Weltkulturerbebewerbung der Stadt in Gefahr, sollte der Eiskanal nicht mehr genutzt werden. In der historischen Wasserwirtschaft sei die Sportstätte, die Teil der Unesco-Bewerbung ist, schließlich "eine der wenigen zugänglichen Anlagen".
Zumal die vielgenutzte Strecke mit ihrer beliebten Grünflächen ein "lebendiges Denkmal" sei. Würde man neu bauen, läge es brach. Erhalten müsste man den Eiskanal trotzdem - steht er doch unter Denkmalschutz. Ein Neubau auf dem jetzigen Areal hätte außerdem kaum Chancen, genehmigt zu werden. Die erste künstlich geschaffene Kanuslalomstrecke der Welt liegt größtenteils im Trinkwasserschutzgebiet.
Auch jähren sich 2022 die olympischen Spiele, für die die Anlage einst errichtet wurde, zum 50. Mal. Unter diesem Motto bewirbt sich Augsburg um die Kanu-Weltmeisterschaft, "da können wir ja nicht sagen, jetzt machen wir statt dem Eiskanal was anderes", meint Pleitner, der die Zuschussgeber in die Pflicht nimmt: "In 45 Jahren wurde am Eiskanal wenig gemacht, jetzt muss man halt was locker machen, weil jetzt kommt alles zam." 7,5 Millionen Euro werden für ein neues Kanalbett fällig sowie dafür, die natürlich geschaffenen Stehtribünen zu ertüchtigen. Diese sind derart marode, dass sie wohl bald gesperrt werden müssten. Rund 4,5 Millionen Euro werden für die Bootshäuser, 4,1 Millionen für das Gaststättengebäude veranschlagt.
Die Stadt benötigt allerdings zwingend Zuschüsse, über ein gewöhnliches Maß hinaus, wie Sportreferent Dirk Wurm sagt. Die Liste potenzieller Subventionsquellen ist lang: Bund und Freistaat, die den Olympiastützpunkt mit der Stadt betreiben, oder Töpfe des Denkmalschutzes.
Laut Wurm stehe die Stadt nach wie vor in Verhandlungen mit Fördergebern. "Die Machbarkeitsstudie zur Generalsanierung der Strecke am Eiskanal ist die Grundlage dafür", lässt der Referent auf Nachfrage wissen. Der CSU-Antrag werde "geschäftsordnungsgemäß behandelt. Ob es zu einer Gegenüberstellung von Generalsanierung und Ersatzneubauten kommt, wird geprüft."
"Vielleicht", vermutet und hofft Pleitner gleichermaßen, ist es "ein politischer Trick der CSU". Er kenne sich da ja nicht so aus, aber womöglich wolle die Partei "ja Zuschussgeber unter Druck setzen". Ganz so raffiniert sind die Motive jedoch nicht, klärt Stadtrat Peter Uhl, einer der Unterzeichner des Antrags, auf: Das Ansinnen habe sich lediglich auf einzelne Elemente wie etwa das Restaurant oder die Bootshäuser bezogen, man wolle die Anlage keinesfalls abreißen lassen. Es gehe schlicht darum, Transparenz zu schaffen. (Von David Libossek)
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