Eiskanal Augsburg: Die Zukunft hat ein Preisschild

Das saftige Grün täuscht: Der Augsburger Eiskanal muss dringend erneuert werden. Foto: Mikhail Bekker

Augsburg - Der Augsburger Eiskanal ist ein lebendiges Sport-Denkmal. Auf der Olympiakanustrecke werden noch immer zahlreiche Wettkämpfe ausgetragen, sie ist zudem beliebtes Naherholungsziel. Damit das so bleibt, müssen die Anlage und ihre Gebäude erneuert werden. Das hat seinen Preis: mindestens 18,5 Millionen Euro.

Die Zahl geht aus einer Machbarkeitsstudie hervor, mit der sich in dieser Woche der Sportausschuss befasste. Dass es überhaupt zu dieser Bewertung kam, freut Hans-Peter Pleitner. Er ist Sprecher der "Eiskanal Allianz", die Ende des vergangenen Jahres aus einer Sorge heraus entstanden ist - der Befürchtung, dass der Eiskanal unter Denkmalschutz gestellt wird. Klingt erstmal komisch; ist es aber nicht. Die Angst rührte daher, dass durch die Erhebung zum Denkmal dringend nötige Sanierungen an der 45 Jahre alten Wettkampfstätte nahezu unmöglich würden.

Eine Kanu-Katastrophe, ist Augsburg doch Olympiastützpunkt und bringt regelmäßig erfolgreiche Olympioniken hervor. Zumal sich der Deutsche Kanuverband mit der Stadt Augsburg um die Kanu-Weltmeisterschaft 2022 bewirbt, die pünktlich zum 50. Olympia-Jubiläum auf der Strecke ausgetragen werden soll.

Die Allianz lud Politiker an den Eiskanal ein, machte öffentlich Alarm - vergebens: Mitte des Jahres stellte das Landesamt für Denkmalpflege die gesamte Anlage inklusive ihrer Gebäude unter Denkmalschutz. Nun aber ist die Hoffnung zurück. "Die Studie zielt darauf ab, den Eiskanal so zu gestalten, dass die WM stattfinden kann", ist Pleitner sicher und hofft, dass alles "rasch umgesetzt wird".

Beschlossen ist allerdings noch nichts. Die Stadt benötigt zwingend Zuschüsse, über ein gewöhnliches Maß hinaus, wie Sportreferent Dirk Wurm sagt. Augsburgs Hoffnung heißt Oberstdorf. Dort wurde kürzlich die Skisprungschanze modernisiert. Zwölf Millionen Euro hat das gekostet, die Gemeinde musste lediglich 1,1 Millionen Euro beisteuern. Die Liste potenzieller Förderquellen ist lang: Bund und Freistaat, die den Olympiastützpunkt mit der Stadt betreiben oder Subventionstöpfe des Denkmalschutzes. Der Eiskanal ist zudem Teil der Unesco-Welterbe-Bewerbung Augsburgs mit seiner Wasserwirtschaft.

Letzteres trägt dazu bei, dass ein Neubau unmöglich ist - zumal er an selber Stelle wohl kaum genehmigt würde; die Anlage liegt im Trinkwasserschutzgebiet. Kein Weg führt also daran vorbei, die erste künstlich geschaffene Kanuslalomstrecke der Welt zu sanieren. Sie selbst spielt dabei den teuersten Part. 7,5 Millionen Euro werden für ein neues Kanalbett fällig sowie dafür, die natürlich geschaffenen Stehtribünen zu ertüchtigen. Die sind derart marode, dass sie bald gesperrt werden müssten. Rund 4,5 Millionen Euro fließen in die Bootshäuser, 4,1 Millionen in das Gaststättengebäude.

Geld, das für Pleitner freilich wert ist, investiert zu werden. "Die WM kann als Katalysator dienen", ist er überzeugt. Und mit einem modernen Eiskanal wäre der "Kanu-Standort Augsburg für weitere 30, 40 oder gar 50 Jahre gesichert", sagt der Allianz-Sprecher. (
Von David Libossek)
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