Jubiläum im Ötztal: Weltmeisterschaft der Extremkajaker jährt sich zum 10. Mal

Olympiasieger Alexander Grimm ist nicht nur im Slalomboots sondern auch im Wildwasser Extremsport schnell unterwegs. (Foto: Bild: Jens Klatt)

Seit nunmehr einem Jahrzehnt verbringen die besten Wildwasserkajaker der Welt die erste Oktoberwoche im Ötztal. Jahr für Jahr treffen sich die Extremsportler im beschaulichen Örtchen Oetz, um auf der legendären Wellerbrückenstrecke den adidas Sickline Extreme Kayak World Champion, also den Weltmeister im Extremkajaksprint zu küren. Elf Prozent der 175 Paddler aus rund 30 Nationen sind Frauen.

„Sick Line“ nennen Kajaker die perfekte, flüssigste und schnellste Linie stromabwärts. Diese gilt es bei der Weltmeisterschaft auf einer von der Natur mit Höchstschwierigkeiten gespickten Wildwasserstrecke unter Rennbedingungen zu finden.
Der als „Wellerbrücke Rapids“ bezeichnete Abschnitt der Ötztaler Ache ist eine solche Extremstrecke. Der Gletscherfluss hat den Ruf, die ‚Eiger-Nordwand’ des Kajaksports zu sein: massives Wildwasser der Stufe 5, das heißt sowohl technisch schwierig, als auch gefährlich. Die Stromschnellen tragen so klangvolle Namen wie „TNT Katarakt“, „Champions Killer“ oder „Champions Killer Minus 1“. Selbst kleinste Fahrfehler haben hier Konsequenzen. Aus diesem Grund wird das Startfeld in zwei Qualifikationsläufen auf einem leichteren Teilabschnitt ausgesiebt. Nur die besten Extrempaddler dürfen am eigentlichen WM-Rennen teilnehmen.
 

Fünf Nationen teilen sich WM-Erfolge

Trotz des internationalen Starterfeldes blieb der Weltmeistertitel in den vergangenen neun Jahren in der Hand von nur fünf Nationen. Bei den Männern triumphierten insgesamt sechs verschiedene Athleten. Die ersten beiden Goldmedaillen gingen nach Deutschland. 2008 gewann Thilo Schmitt das prestigeträchtige Rennen auf der Ötztaler Ache, 2009 schlug Slalom-Olympiasieger Alexander Grimm überraschend die Extrempaddler aus aller Welt. Kiwi Sam Sutton gelang in den Jahren 2010-2012 ein Hattrick. Er galt als unschlagbar und unterbot Jahr für Jahr seinen eigenen Streckenrekord, bis der Brite Joe Morley 2013 erstmals den Weltmeistergürtel nach Großbritannien holte. 2014 wiederholte er seinen Erfolg und inspirierte viele seiner Landsleute, bei der adidas Sickline WM zu starten. Seit drei Jahren stellt Großbritannien das stärkste Team bei dieser Weltmeisterschaft – 25 Prozent der Teilnehmer kommen aus GB. In den letzten beiden Jahren ging der WM-Titel nach Spanien und blieb sogar in einer Familie. 2015 gewann Gerd Serrasolses mit neuem Streckenrekord, ein Jahr später siegte sein Bruder Aniol Serrasolses auf der Wellerbrückenstrecke.

Seit im Jahr 2015 die Zahl der weiblichen Teilnehmer auf über 20 stieg, gibt es auch eine Frauen-WM. Das erste Gold in dieser Kategorie ging nach Norwegen. Mariann Saether gewann den Titel 2015. Im letzten Jahr paddelte die Britin Sandra Hyslop auf Platz 1 und rettete die Ehre des britischen Teams, das seit 2013 immer eine Medaille mit nach Hause bringen konnte.
 

Neuseeland führt Medaillenspiegel an

Mit insgesamt elf Medaillen in neun Jahren ist Neuseeland allerdings die dominierende Nation bei der adidas Sickline WM. Davon gingen allein 55% an Sam Sutton, den Master der Sickline. Zählt man die Damen- und Herrenergebnisse zusammen, so liegt Großbritannien im Medaillenspiegel auf Rang 2 (3G/2S) und Deutschland auf Rang 3 (2G/3B).

Nur die Besten kommen weiter

Bei der adidas Sickline WM treten die Top 52 Herren und Top 8 Damen in einem ‚Head-to-Head’ Format gegeneinander an, das heißt, der schnellste der Qualifikation ‚duelliert’ sich mit Platz 52, der zweitschnellste mit Platz 51, und so weiter. Die Reihenfolge der einzelnen Heats erfolgt im klassischen Turnierraster. Der jeweils schnellere Kajaker eines Laufs kommt in die nächste Runde zusammen mit zwei ‚Lucky Losern’, den zwei Zeitschnellsten der ausgeschiedenen Athleten. Auch die Top 28 treten wieder im K.O.-System gegeneinander an. Die 14 Athleten, die sich in dieser Runde durchsetzen, kämpfen mit zwei weiteren ‚Lucky Losern’ um Edelmetall. Im Damenfinale paddeln die Top 5 um den Titel.

Die Teilnehmer sind sich einig, dass die adidas Sickline WM einzigartig ist, denn hier treffen die besten Athleten der unterschiedlichsten Kajakdisziplinen in einem Rennen aufeinander: Extrempaddler, Freestyle- und Slalomweltmeister sowie Expeditionskajaker. Durch das Knockout System ist es schwierig, überhaupt ins Finale zu kommen. Jeder Athlet, der das schafft, hat die Fähigkeit eine Medaille zu holen.

Safety first

Aus Sicherheitsgründen ist die Wellerbrückenstrecke von den Behörden das ganze Jahr über gesperrt und wird nur für den Zeitraum der adidas Sickline WM geöffnet. Um die bestmögliche Absicherung der Athleten zu gewährleisten, arbeiten Wasserrettung, Bergrettung und das österreichische Rote Kreuz Hand in Hand mit dem veranstaltungseigenen „Swiftwater Rescue Team“. „Die Strecke ist buchstäblich überschwemmt mit hochqualifizierten Sicherheitsposten, die innovative Rettungsmittel wie eine redundante Seilbahn einsetzen und die Wellerbrücke zumindest ein Wochenende lang in die sicherste Wildwasserstrecke der Welt verwandeln“, sagt Event Direktor Mike Hamel. „Die Athleten gehen bei dieser Weltmeisterschaft an ihre physischen und psychischen Grenzen. Wir möchten, dass sie sich ganz auf ihr Rennen konzentrieren können und sich keine Gedanken darüber machen müssen was passiert, wenn sie im 6 Grad kalten Wasser schwimmen.“

„Einige Wildwasserkajaker, die bei dieser WM starten, befahren auf ihren Expeditionen zum Teil noch extremere Flussabschnitte und viel höhere Wasserfälle. Doch das machen sie vielleicht einmal und da kommt es nicht auf die Zeit an“, erklärt Axel Burkhardt, Director adidas Global Sports Marketing Outdoor. „Die adidas Sickline WM testet nicht nur die Fähigkeiten, eine der weltweit schwierigsten Wildwasserpassagen heil runter zu kommen, sondern dabei auch möglichst schnell zu sein. Auf 280 Metern wird den Athleten technisch und konditionell alles abverlangt, das heißt, sie müssen ihr volles Potential auf den Punkt genau abrufen können, Runde für Runde. Sie dürfen sich keinen Fehler leisten und sie müssen extrem fit sein, denn die Schlüsselstellen kommen erst zum Schluss.“

Liveübertragung

Auch 2017 wird das Finale der adidas Sickline WM in mehreren Ländern live im Fernsehen übertragen. Darüber hinaus kann man das Rennen auch live im Internet verfolgen. Kajaklegende Ben Brown (NZL) ist der Live-Kommentator.

Mehr Informationen unter www.adidas-sickline.com.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.