Seit 40 Jahren selbstständig

Bürgermeister Peter Wendel freut sich heute über eine blühende Gemeinde. In einer beispiellosen Zusammenarbeit von Verwaltung und Bürgern erreichte die Gemeinde Aystetten 1975 die weitere Selbstständigkeit. Foto: Jutta Kaiser-Wiatrek


Die Aystetter Bürger können in diesem Jahr auf die 40-jährige Selbstständigkeit ihrer Gemeinde zurückblicken. Die 1971 eingeleitete Gebietsreform hatte zum Ziel, die bestehende Verwaltungsstruktur zu erneuern. In größeren Landkreisen sollten kleinere Gemeinden zu Verwaltungseinheiten zusammengefasst werden. Die Nachbargemeinde Neusäß fürchtete damals eine Eingemeindung nach Augsburg und versuchte dieser zu entgehen, in dem sie zusammen mit mehreren Nachbardörfern eine Großgemeinde im Schmuttertal bildete.

Auch die Gemeinde Aystetten wurde mit dieser Möglichkeit konfrontiert, der Gemeinderat entschied sich aber gegen eine Eingemeindung nach Neusäß. Eine künftige kommunale Zusammenarbeit wurde dennoch nicht ausgeschlossen. Zwei Jahre später musste die Gemeindeverwaltung eine offizielle Stellungnahme zur Neugliederung der Gemeinden im Landkreis abgeben. Dabei wurde eine Eingliederung nach Neusäß wiederholt abgelehnt. Der Gemeinderat stimmte einstimmig für die Selbstständigkeit der Kommune. In der Begründung hieß es: "Die Leistungsfähigkeit ist in finanzieller und verwaltungstechnischer Hinsicht überdurchschnittlich groß. Es ist der Gemeinde gelungen, aus eigener Kraft folgende wichtige Einrichtungen und Verbesserungen zu schaffen: die Erstellung eines vorbildlichen Gemeindezentrums mit Verwaltung, Schule, Turnhalle, Feuerwehrgerätehaus, Einrichtung eines Kindergartens, Bau eines leistungsfähigen Tiefbrunnens, Kanalisation des gesamten Gemeindegebietes nach dem Trennsystem und der Bau einer Kläranlage. Weiter argumentierte der Gemeinderat, dass auch die wirtschaftliche und finanzielle Lage Aystettens sich sehen lassen könne. Verflechtungen mit der Nachbargemeinde Neusäß gab es lediglich durch den Schulverband, bedingt durch die Schulreform. "Bei Berücksichtigung aller Tatsachen kann eine Eingemeindung für Aystetten nur Nachteile erwarten lassen", war man sich in der Gemeinde einig.

Am 1. Juli 1975 war trotzdem bei Beginn des Anhörungsverfahrens eine Eingemeindung nach Neusäß vorgesehen. Neusäß sollte eine neue leistungsfähige kommunale Einheit zwischen der Stadt Augsburg und den gemeindefreien Gebieten des westlichen Erholungsraums bilden, hieß es. Die Aystetter Bürger wollten aber auf jeden Fall ihre Selbstständigkeit behalten. Zunächst berief der Gemeinderat eine Bürgerversammlung ein. Diese lehnte durch einstimmigen Beschluss die von der Regierung von Schwaben angestrebte Zuordnung Aystettens an Neusäß ab. Eine Bürgerbefragung wurde durchgeführt. Die "Bürgeraktion selbstständiges Aystetten" unterstützte die Gemeindeverwaltung bei den Vorbereitungen. Aufrufe und Plakate schärften das Bewusstsein der Bürger, Eingaben, Haushaltsentwürfe, Resolutionen und Gemeinderatsbeschlüsse verdeutlichten der Regierung den Selbstständigkeitswillen der Gemeinde. Am 14. September 1975 wird bei der Bürgerbefragung die Eingemeindung mit 98,6 Prozent abgelehnt. Regierung und das Bayerische Staatsministerium des Innern folgten dem Wählervotum. Somit blieb Aystetten selbstständig. (Jutta Kaiser-Wiatrek )
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