Fromme „Grabräuber“ in Affaltern

So sahen die ersten renovierten Fundteile des Heiligen Grabs von Affaltern aus: Palmenornamente, bemalt von Annelies Lindenmayr, die seit 2007 in den Kartagen den Altarraum von St. Sebastian schmückten.
 
So wird das verschollene Heilige Grab in der Pfarrkirche St. Sebastian in Affaltern wieder vorzufinden sein vom Gründonnerstag bis Karsamstag 2017

Es ist nun 10 Jahre her, dass das Heilige Grab in der Pfarrkirche St. Sebastian in Affaltern auf dem Dachboden wiederentdeckt wurde, allerdings in einem nicht aufstellbaren Zustand. 2007 wurde am 22. Mai der Dachboden der Pfarrkirche wegen der umfassenden Kirchenrenovierung vollständig geräumt.

Eine lokale Tradition wird in Affaltern durch die „Grabräuber“ wieder belebt

Nach über fünfzigjährigem Abbruch der frommen Tradition wird jetzt erstmals seit 1951 in der Karwoche das Heilige Grab fast vollständig wieder aufgebaut. Lediglich die beiden Grabwächter sind unwiederbringlich zerstört worden.

Das Heilige Grab bis 1951

Ältere Pfarreimitglieder wie Matthias Miller erinnern sich daran, dass es das letzte Mal im Jahre 1951 aufgebaut war. Wohl auf Geheiß des damaligen Ortspfarrers Dekan Johann Brümmer wurde auf weitere Aufbauten verzichtet. Man darf spekulieren, ob es ihm aus liturgischen Gründe nicht mehr zugesagt hat. Oder lag es einfach nur am zeitlichen Aufwand, dass nach 1951 auf ein weiteres Aufstellen an den Heiligen Tagen in der Karwoche verzichtet wurde? Die bemalten Holztafeln wanderten jedenfalls auf den Dachboden der Pfarrkirche und fristeten ein Dasein in Vergessenheit. Nur ein letztes Mal tauchten in den sechziger Jahren die zwei Wächterfiguren, die das Heilige Grab bewachten, nochmals auf.

Schreinermeister Otto Klaus erinnert sich noch daran, dass Dekan Brümmer einigen jungen Burschen erlaubt hat, mit diesen beiden Wächterfiguren am damaligen Schuttplatz ein Feuer zu machen. Nicht nur in Affaltern sondern auch in vielen anderen Kirchen wurden die Heiligen Gräber in den 50er und 60er Jahren nicht mehr aufgestellt. Otto Klaus´ Vater, Schreinermeister Sebastian Klaus, begann jedes Jahr nach der Morgenmesse und Entblößung der Altäre am Gründonnerstag mit dem eintägigen Aufbau des Heiligen Grabes zusammen mit seinen Helfern, „Kirchenschreiner“ Josef Lindenmayr, Leonhard Eser und Friedrich Wiblishauser. Die einzelnen Grabteile seien mit einem Rad vom Dachboden der Pfarrkirche am Gründonnerstag herabgelassen, im Mittelgang aufgestellt, sortiert und anschließend an den vorgesehenen Halterungen montiert wurden. Matthias Miller weiß auch, dass Hans Egger und Konrad Rauch die Aufbaugruppe öfter ergänzten.

Die zwei Torbögen wurden mit Eisenstangen an den jeweiligen Ösen links und rechts an den Wänden der Apsis eingehängt, die Kirchenfenster mit schwarzen Tüchern verdunkelt, und auf den Torbögen stellte man etwa zehn farbig bemalte Glaslampen mittels Konsolen auf, die von hinten elektrisch beleuchtet wurden. Es wird auch erzählt, dass manchmal die Gläser mit Wasser aus dem an der Pfarrkirche vorbeifließenden Biberbach aufgefüllt wurden, um die Farben noch schöner zum Leuchten zu bringen. Die Glaslampen werden nun neu beschafft für den Wiederaufbau. Zum Auferstehungsgottesdienst in der Osternacht musste das Heilige Grab natürlich abgebaut und wieder auf dem Dachboden verstaut sein. Das geschah immer am Karsamstagnachmittag.

Ein überraschender Fund durch "fromme Grabräuber"

Beim Wiederauffinden 2007 waren sich die Helfer während der vollständigen Räumung des Kirchendachbodens schnell einig, dass man hier eine lokale Tradition gefunden hat, die es wieder aufzugreifen gilt. Ein eifriger Unterstützer des Projekts war der damalige Ortspfarrer Heribert Stiegler, der seine Kirchenverwaltung vom geistlichen Wert dieses Funds überzeugte. So gewann er die zur Kirchenverwaltung gehörende Hobbykünstlerin Annelies Lindenmayr, die sich an die Neubemalung der Palmenornamente des Heiligen Grabs wagte. Schnell war auch im Dorf ein Name für die Finder und Unterstützer des Projekts „Heiliges Grab“ in Affaltern gefunden. Dort werden die Kirchenverwalter Richard Biele, Annelies Lindenmayr, Michael Koch und Christian Scherer sowie die weiteren Helfer Manfred Fiebig und Erwin Joachim seitdem „die Grabräuber“ genannt, weil sie seit dem Gründonnerstag 2007 alljährlich die Palmenornamente für die Gründonnerstags- und Karfreitagsliturgie im Altarraum aufgebaut und sozusagen dem Kirchendachboden entrissen haben.

Weiterhin werden auch künftig die jährlichen Aufsteller namentlich auf den Rückseiten der Holztafeln „verewigt“. Erstmals haben nun dieses Jahr die Affalterner und alle anderen Interessierten Gelegenheit, das Heilige Grab in Affaltern wieder als Ensemble aufgebaut zu sehen. Denn die Kirche ist tagsüber immer zum Gebet geöffnet, aber alarmgesichert.
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