Abschied in Bobingen: Nach 40 Dienstjahren freuen sich Helmut Kleber und Max Wellner auf ihren Ruhestand

Auf ihre Enkel und aufs Schafkopfen freuen sich nach über 40 Dienstjahren Helmut Kleber und Max Wellner (von links). Foto: Peter Stöbich


Auf seinen Ruhestand freut sich Maximilian Wellner, Mitglied des Königsbrunner Stadtrats und langjähriger Leiter der Polizeiinspektion Bobingen, die auch für Königsbrunn zuständig ist. Mit seinem Stellvertreter Helmut Kleber, der sich ebenfalls verabschiedet, hinterlässt Wellner ein gut bestelltes Haus und hofft auf einen möglichst nahtlosen Übergang. Das letzte Wort bei der Neubesetzung der beiden Führungspositionen hat das bayerische Innenministerium.

Aufgrund ihrer langen gemeinsamen Dienstjahre verbindet die beiden Männer mehr als nur ein kollegiales Verhältnis; bis Mai bauen sie ihre Überstunden und Urlaube ab, "danach freuen wir uns aufs Ausschlafen, unsere Enkel und gemütliche Schafkopfrunden". In denen sind sie allerdings nicht zusammen aktiv. Wellner, der auch Regionalvorsitzender im Arbeitskreis "Polizei und innere Sicherheit" ist, wird auch nach der Pensionierung weiterhin sein Stadtrats-Mandat in seiner Heimatstadt Königsbrunn ausüben.

Bei den jüngsten Bürgerversammlungen dort und in Bobingen ist er allerdings zum letzten Mal in seiner Funktion als Polizeichef aufgetreten und hat den Bürgern deutlich gemacht, dass sie sich trotz der Nähe zur Großstadt Augsburg keine Sorgen machen müssen. "Rechtsextreme Strukturen haben wir im Dienstbereich nicht und auch Asylbewerber spielen in der Kriminalstatistik keine Rolle", so Wellner. Die Aufklärungsquote hänge stark davon ab, ob es der Kriminalpolizeiinspektion Augsburg gelinge, Serientäter zu ermitteln. So wurde im Jahr 2014 im Bereich der Inspektion Bobingen ein Spitzenwert von 57,6 Prozent erreicht.

Die beiden Beamten werden also ein gut bestelltes Haus hinterlassen und haben ihre Berufsentscheidung nie bereut, versichern sie. Hauptkommissar Kleber ist seit Juni 2013 stellvertretender Inspektionsleiter und noch bis Ende Mai im Dienst. Er stammt aus Ravensburg und absolvierte seine Ausbildung in Baden-Württemberg während einer aufregenden Zeit, als die Rote Armee Fraktion die Sicherheitskräfte in Atem hielt. 1981 wechselte er nach Augsburg und fing als Hauptwachtmeister bei der Inspektion 7 in Haunstetten an. Seine Frau Anni stammt aus Wehringen.

Gemeinsam mit Wellner, der sich nach fast 42 Dienstjahren Ende Juni verabschieden wird, sind Kleber und die übrigen Beamten aus Bobingen für den Schutz von rund 48 000 Menschen verantwortlich. Zum Dienstbereich gehört auch die Stadt Königsbrunn, in der es aber keine eigene Polizeidienststelle geben wird: "Dafür fehlen die Voraussetzungen", so Wellner. Er war von seinem Geburtsort Pocking in Niederbayern an die Bayerische Beamtenfachhochschule in Fürstenfeldbruck gegangen, mit 22 Jahren Kommissar und Ausbilder bei der Bereitschaftspolizei in Königsbrunn, ab 1981 dann Dienstgruppenleiter in der alten Inspektion am Bobinger Kirchplatz. Es folgten Haunstetten, Augsburg und Hochzoll als weitere Stationen, bis er schließlich im April 2003 als Polizeichef nach Bobingen zurückging.

"Außer Schlägen, die ich einmal in einer Diskothek eingefangen habe, ist mir in all den Jahren zum Glück nie etwas passiert", erinnert er sich. Brenzlige Situationen gab es genug, vor allem während Wellners Zeit als Außendienstleiter in Augsburg von 1991 bis 1999. Bis heute hat er einen schlimmen Unfall an der Bahnhofs-Unterführung nicht vergessen, bei dem ein Mitarbeiter der Bobinger Stadtverwaltung ums Leben kam: "Ich musste den Angehörigen die Todesnachricht überbringen."

Aber auch im ganz normalen Polizeialltag gibt es Belastungen, die viele Beamte mitunter an ihre Grenzen bringen: "Gewalt und Beschimpfungen nehmen zu", weiß Kleber. "Da ist Scheißbulle noch einer der mildesten Ausdrücke." Im Gegensatz zum früheren Dorfgendarm gelte ein Polizist heute nicht mehr als Respektsperson. Trotzdem ist Wellner junior in die Fußstapfen seines Vaters getreten und nach seiner Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei in Königsbrunn jetzt bei der Inspektion 6 in Pfersee tätig. (Peter Stöbich )
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