Alte Kunst mit neuem Leben

In dieses Kettenhemd hat Franz Heider rund 200 Arbeitsstunden gesteckt. (Foto: Alex Mertens)

Franz Heiders Schmuckstücke sind nicht nur zu Weihnachten gefragt, früher war er Installateur, doch Schicksalsschläge zwangen ihn, sein Leben zu ändern.

Seine Handwerkskunst zeigt der Goldschmied Franz Heider gerne auf Märkten wie an den Advents-Wochenenden in der Gemeinde Kissing auf Gut Mergenthau. Dass kreative Arbeit zu seinem Lebensmittelpunkt wurde, ist die Folge eines schweren Unfalls.
Als 26-jähriger war Heider mit dem Motorrad von einem Auto in Königsbrunn erfasst worden. Mit mehreren gebrochenen Wirbeln lag er monatelang im Krankenhaus und konnte seinen Beruf als Installateur nicht mehr ausüben. „Damals haben mir die Ärzte wenig Hoffnung gemacht“, erzählt er, „aber ich wollte nicht aufgeben und wieder ein eigenständiges Leben führen.“
Dank seines eisernen Willens und einer zweijährigen Umschulung konnte er den Rollstuhl in die Ecke stellen und wurde vor zehn Jahren selbständiger Goldschmied. „Das war nicht einfach, aber heute kann ich davon leben und komme ohne Schmerzmittel aus.“ Doch als er sich nach der Genesung mit seiner schwangeren Freundin auf ein normales Leben freute, kam der zweite Schicksalsschlag: Sie verlor das ungeborene Kind und starb an Leukämie. „So musste ich mein Leben zweimal komplett neu ordnen!“ Heute hat Heider wieder in einen geregelten Alltag zurückgefunden.
An den Werkstattwänden im Keller seines Hauses hängen Schreiben zufriedener Kunden. „Es freut mich, wenn ich für ein Paar Trauringe schmiede und nach einiger Zeit dann eine Geburtsanzeige bekomme“, sagt er.
Als Ehrenmitglied der Königsbrunner Lechfeldrecken, einem Zusammenschluss von Mittelalter-Freunden, hat er in 200 Arbeitsstunden ein 18 Kilo schweres Kettenhemd für den „Wettkampf der Gewandeten“ geschmiedet.
Dabei hat sich in der Produktionsweise der Goldschmiede über die Jahrhunderte gar nicht soviel verändert: „Natürlich haben sich moderne Geräte aus Gründen der Bequemlichkeit durchgesetzt, doch fast alle alten Techniken werden auch heute noch genauso oder ähnlich wie früher eingesetzt.“
Biegen, feilen, löten, sägen und schmieden gehören zu den Grundtechniken. Die bekanntesten Arbeitsgeräte sind Amboss und Hammer, dazu kommen Hängebohrmotor, Handspindelpresse, Mikroskop und Schraubstock, Walzen und Ziehbank. „Dazu brauche ich ein gutes Auge und Ausdauer, wenn ich 20 Stunden an einem aufwendigen Ring sitze.“
Sein neuer Beruf hat ihm geholfen, schwere Schicksalsschläge zu verwinden. „Seit meinem Motorradunfall lebe ich bewusster. Früher habe ich das Geld zwar leichter verdient, aber heute habe ich mehr Spaß!“

Alex Mertens
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