Arif Diri stellt die Vertrauensfrage


Der erste Vorsitzende des Deutsch-Türkischen Freundschaftsvereins Bobingen, Arif Diri, hat sich angesichts der massiven öffentlichen Kritik an seinen Äußerungen zum gescheiterten Putsch in der Türkei "bestürzt und irritiert" gezeigt. In einer Pressemitteilung kündigt Diri jetzt an, auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung die Vertrauensfrage stellen zu wollen. Diri hatte nach dem Putschversuch in der Türkei und der darauf folgenden Verhaftungs- und Entlassungswelle im Öffentlichen Dienst, die Staatspräsident Erdogan veranlasst hatte, beschwichtigende Worte gefunden. Seine Äußerungen lösten Proteste aus, die unter anderem im Austritt des Augsburger Landrates Martin Sailer aus dem Freundschaftsverein gipfelten.

Arif Diri: "Bei mir daheim in Bobingen hängt kein Bild von Erdogan und keine türkische Fahne. Ich stehe aber dazu, mich gegen den Putsch ausgesprochen zu haben. Wir haben den Putsch 1980 erlebt, ich habe damals einen persönlichen Freund verloren. Die gewaltsame Beseitigung der Demokratie ist furchtbar, das darf nie wieder passieren." Gleichzeitig räumt Diri, der vor fünf Jahren den Freundschaftsverein gegründet und mit vielen völkerverbindenden Aktionen zum mitgliederstärksten interkulturellen Verein Bayerns gemacht hatte, ein, dass seine veröffentlichten Äußerungen offenbar viele Vereinsmitglieder und Außenstehende befremdet haben. Deshalb will Diri jetzt zeitnah nach den Sommerferien eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen und dort die Neuwahl des Vorsitzenden auf die Tagesordnung setzen. Ob das dann wieder er sein kann, lässt Diri offen: "Ich bin nicht der Verein. Der Verein, das sind 260 Mitglieder. Wenn sie der Meinung sind, dass ein anderer den Vorsitz übernehmen sollte, werde ich das natürlich akzeptieren." Leider haben uns bis jetzt fünf Mitglieder gekündigt.

Wichtig sei, so Diri, dass man weiter friedlich im Dialog bleibe. Daher bedauerte er noch einmal, dass der Landrat, ohne das Gespräch zu suchen, den Verein verlassen habe: "Wir müssen miteinander reden, nicht übereinander. Deswegen trete ich auch jetzt nicht zurück - was ich ernsthaft überlegt habe. Ich will mit den Mitgliedern reden, und dann wird der Verein eine Entscheidung treffen. Auf jeden Fall steht der Deutsch-Türkische-Freundschaftsverein Bobingen weiter für den Dialog und das friedliche Miteinander - denn das brauchen wir heute mehr als je zuvor."
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