Ausstellung: Krippen aus aller Welt

Die Krippenschau im Laurentiushaus lockte zahlreiche Besucher an. Foto: Mertens

Zum vorweihnachtlichen „Kripperlschaun“ kamen zahlreiche Familien ins Laurentiushaus, wo die Bobinger Krippenfreunde nach vier Jahren wieder eine sehr eindrucksvolle Schau zusammengestellt hatten. Zu sehen waren mehrere Dutzend Darstellungen der biblischen Geschichte aus aller Welt, von Ghana bis Peru und Südkorea. Etwa 40 Krippen waren erstmals öffentlich ausgestellt.

Ob Gips oder Olivenholz, Wachs oder Wurzeln: Die unterschiedlichen Materialien und detailreichen Ausgestaltungen faszinierten die Besucher. Mit der Ausstellung verbunden waren Quizfragen wie jene, ob vielleicht Engel und Nikolaus die Eltern von Jesus waren. Die teils sehr kostbar ausgestatteten Leihgaben erzählten auch interessante Geschichten wie die der Bobinger Familie Singer: Ihre Krippe aus dem Jahr 1888 hatte alle Kriegswirren unbeschadet überstanden und war ebenfalls im Laurentiushaus zu bewundern.

Für viele Menschen gehört sie zu Weihnachten wie der feierlich geschmückte Christbaum: die Weihnachtskrippe, die den Inhalt des Festes auf einen Blick anschaulich macht. Egal ob aus Holz, Keramik oder Papier – Herzstück jeder Darstellung ist die Heilige Familie mit Maria, Josef und dem Jesus-Kind in der Futterkrippe.

Als Begründer dieser Tradition gilt Franz von Assisi, der 1223 in Greccio anstelle einer Predigt das Weihnachtsgeschehen mit lebenden Tieren und Menschen nachstellte. Damit wollte er den Menschen, die früher zum größten Teil nicht lesen konnten, das weihnachtliche Geschehen anschaulich machen und nahe bringen.
Zu den berühmtesten Krippen zählen bis heute die neapolitanischen, deren charakterstarke Köpfe an die Masken der italienischen Commedia dell’arte erinnern. Die Szene der Geburt wird dort oft in aufwendige und detailreiche Straßen- und Marktszenen eingebettet. Im Barock wurden auch in Bayern und Schwaben viele Krippen nach neapolitanischem Vorbild geschaffen. Dieses Zeitalter war die große Blütezeit der Krippen. Erste sichere Nachrichten von Kirchenkrippen stammen aus Süddeutschland, wo nach der unruhigen Zeit der Reformation zuerst die Jesuiten den großen Wert der Krippe als Andachtsgegenstand und als Mittel der religiösen Unterweisung erkannten. Sie ließen beeindruckende, wertvolle Krippen bauen, und diese verbreiteten sich rasch in den Kirchen des gesamten katholischen Europa. Der Funken sprang bald auch auf die Städte über, und schließlich wollte jede Gemeinde eine eigene Krippe.

Unter dem Einfluss der Aufklärung wurde das Aufstellen von Krippen zunächst verboten und damit begründet, dass die Menschen im Hinblick auf das Verständnis der Weihnachtsgeschichte mittlerweile fortgeschritten genug und keine bildlichen Darstellungen mehr erforderlich waren. Um aber die Krippen zu retten, brachten die Leute sie aus der Kirche ins eigene Heim. So waren es fortan Privatleute, die bei den Handwerkern und Künstlern den Bau von Krippen in Auftrag gaben. Das Schnitzen der Figuren war vor allen Dingen in den Gebirgstälern eine beliebte Feierabendbeschäftigung.
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