Behinderte und Senioren stoßen in Bobingen auf viele Hindernisse

Viele Hindernisse gibt es in Bobingen für ältere und behinderte Menschen. Foto: Stöbich
Bobingen : Bobingen |

Für die 1775 behinderten Bürger, die in Bobingen leben, ist die Bewältigung ihres Alltags oft sehr schwierig. Nicht nur, weil sie schlecht gehen, hören oder sehen können, sondern weil es überall in der Stadt Stolperfallen, hohe Bordsteinkanten, Treppen und andere Hindernisse gibt. Das kam bei einer Ortsbegehung des Seniorenbeirates heraus. Was kann die Stadtverwaltung tun, um den Behinderten sowie den rund 4600 Senioren das Leben zu erleichtern?

Nicht allzuviel, sagte zweiter Bürgermeister Klaus Förster in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses. Denn sowohl gegenüber den Geschäftsinhabern als auch der Bahn gibt es keine Möglichkeit, sie zu baulichen Verbesserungen zu zwingen. "Beim Thema Barrierefreiheit hat die Bahn null Interesse, am Bobinger Bahnhof etwas zu unternehmen", wiederholte Helmut Jesske in der Diskussion die schon mehrfach geäußerte Kritik. Man könne nur immer wieder an die Verantwortlichen appellieren, so Förster.
Auch der Zugang zur Stadtbücherei ist nicht barrierefrei, doch das soll sich mit dem beschlossenen Umbau der alten Mädchenschule ändern. Dass in der Hochstraße Behinderten-Parkplätze fehlen, kritisierten Beiratsvorsitzende Eva-Maria Pettinger und ihre Mitstreiter. Sie hatten bei der Begehung mit zahlreichen Fotos dokumentiert, was in Bobingen alles im Argen liegt.
Eines von vielen negativen Beispielen gibt es in der Siedlung, wo sich die Herbststraße abrupt verengt, so dass Rollstühle oder Kinderwägen auf die Fahrbahn gezwungen werden. Auch die hohen Kanten bei drei Stichstraßen sind für behinderte Menschen ein Problem. Für weitere Schwierigkeiten sorgen im ganzen Stadtgebiet Gullydeckel, deren Schlitze zu weit für Rollstuhlfahrer sind, so dass sie darin steckenbleiben.
"An allen Seniorenheimen fehlen gesicherte Übergänge", stellt Pettinger in ihrem Bericht fest. Und zahlreiche öffentliche Einrichtungen sowie Praxen haben keinen oder nur über Umwege erreichbaren ebenen Zugang. Es gibt noch weitere konkrete Beispiele: Die Wendelinskapelle ist für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich, der Zachäusberg zu steil für sie.
Und in der Bäckergasse geht es gar nicht mehr weiter, denn der südliche Weg endet an einer Hausmauer. Die nördliche Rampe an der Aussgenungshalle im Friedhof ist steil und wird durch eine Stufe zur Kippfalle.
Eine interessante Alternative hatte der Seniorenbeirat in Tirol entdeckt: In Going gibt es überall gleichmäßig abgeschrägte Kantsteine, deren Oberkante auf dem Level des Gehwegs liegt. "So etwas könnten wir uns in Bobingen bei Neubaugebieten auch überlegen", sagte Förster. Das Bauamt solle die zahlreichen Anregungen prüfen und mögliche Verbesserungen im neuen Jahr umsetzen.
Ministerpräsident Horst Seehofer hatte in seiner Regierungserklärung 2013 das Ziel vorgegeben, Bayern bis zum Jahr 2023 im gesamten öffentlichen Raum und im Personennahverkehr barrierefrei zu gestalten.
Der Freistaat Bayern investiert kräftig in die Barrierefreiheit. Im Mittelpunkt stehen zunächst die Handlungsfelder Mobilität, Bildung und staatliche Gebäude, die öffentlich zugänglich sind. 2015/2016 stellt der Freistaat rund 221 Millionen Euro zur Verfügung.
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