Bobinger Siedlung: Jetzt schließt auch der Einkaufsmarkt

Stadtbaumeister Rainer Thierbach hat Pläne für ein Neubaugebiet in der Siedlung. Foto: Stöbich
Bobingen : Bobingen | Lange Zeit haben sie gehofft und gekämpft und schließlich doch verloren: Ende Oktober werden Yvonne Beughold und Manuela Wildegger ihren Einkaufsmarkt am Wertachplatz endgültig zusperren. Damit verliert die Bobinger Siedlung nach Hausarzt und Sparkasse erneut eine wichtige Einrichtung - mitten in einer Entwicklungsphase, mit der die Stadtverwaltung das Quartier attraktiver gestalten will, um junge Familien am Ort zu halten beziehungsweise in die Siedlung zu holen. Zum Beispiel mit einem Neubaugebiet nördlich der Herbststrasse, das Stadtbaumeister Rainer Thierbach dem Bauauschuss in seiner jüngsten Sitzung vorstellte. Der Bebauungsplan sieht auf einem städtischen Grundstück 24 bis 30 Bauplätze vor.
In den Regalreihen des 450 Quadratmeter umfassenden W&B-Frischemarkts, der Mitte 2012 eröffnet hatte, klaffen bereits große Lücken. An diesem regnerischen Herbstnachmittag kommen kaum Kunden und die Enttäuschung ist Yvonne Beughold anzusehen; ab November ist sie arbeitslos und muss ihre Schulden abzahlen. "Ja, ich bin traurig und sauer", sagt sie, "denn wir haben seit Mitte 2012 wirklich alles versucht, um über die Runden zu kommen."
Wegen der stark rückläufigen Umsätze hat sie den auf fünf Jahre geschlossenen Pachtvertrag gekündigt, der noch bis Mitte 2017 gelaufen wäre. Von der Schließung Ende des Monats ist auch Friedrich Kraus überrascht: "Das tut schon weh wenige Wochen vor dem Jubiläumsjahr zum 80-jährigen Bestehen unserer Siedlung", sagt der Vorsitzende des Bobinger Siedlervereins.
Für die Geschäftsführerin steht fest: "Die Leute wollen es halt nicht anders, wenn sie wegen einem Preisunterschied von wenigen Cent zum Einkaufen zu Aldi oder Edeka fahren!" Mit deren Kalkulationen könne man nicht mithalten und so sei es mangels Kunden immer mehr bergab gegangen. "Dabei haben wir oft mit den Siedlern geredet, sind auf ihre Bestellwünsche eingegangen und haben verstärkt Werbung gemacht."
Geholfen habe das alles nichts und so verliert das Wertachzentrum jetzt sein wichtigstes Geschäft - eine Hiobsbotschaft nicht nur für Friedrich Kraus, der auch an die Laufkundschaft für die benachbarten Unternehmen wie Apotheke, Fußpflege-Praxis oder Schreibwarenladen denkt.
"Noch bin ich rüstig und kann Autofahren", sagt Juliane Kreitmeir aus der Siedlung. Die 69-jährige macht sich aber Gedanken über die Zeit, wenn sie einmal nicht mehr so mobil ist und Obst und Gemüse, Fleisch oder Haushaltsartikel einkaufen will. Zum Arzt müssen sie und andere Siedler jetzt schon ins Stadtzentrum - keine einfache Situation für ältere Menschen ohne eigenes Fahrzeug.
Das weiß auch der Stadtbaumeister, der erst vor wenigen Tagen bei der Regierung von Schwaben war, um über die Planung und Förderung eines Wohnbauprojekts in der Siedlung zu verhandeln. "Aktiv zu werden, sich einzubringen und Ideen zu entwickeln, das liegt auch an den Bürgern selbst", stellt Thierbach fest. Am 25. Oktober haben alle interessierten Siedler von 18 bis 20 Uhr Gelegenheit, im Quartierstreff vorbeizukommen, um über ihre Wünsche und Vorstellungen zu reden.
Dass man den Menschen nichts überstülpen wolle, haben Vertreter der Stadtverwaltung und die Planer eines integrierten Handungskonzeptes in der Vergangenheit immer wieder betont. Deshalb sollen die Bewohner der Siedlung in mehreren Arbeitskreisen selbst mit entscheiden, welche der zahlreichen Vorschläge in welcher Weise verwirklicht werden sollen.
Die politische Verantwortung liege dagegen ganz klar beim Stadtrat, so Thierbach. "Wofür er die Mittel freigibt, das versuchen wir umzusetzen!" Dass das aus Sicht der Bürger mitunter sehr lange dauert, sei nicht die Schuld der Kommunalpolitiker. "Denn wir müssen uns an EU-weite Verfahren und Vorschriften halten!" So wird auch das Neubaugebiet in der Siedlung nicht vor 2018 spruchreif sein.
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