Bürgerversammlung in Bobingen: Das Bad beherrscht die Diskussion

Die Bürgerversammlung war so gut besucht wie seit Jahren nicht mehr. Foto: Stöbich
Bobingen : Bobingen | Die aktuelle Debatte um die Zukunft des Hallenbads lockte soviele Bobinger wie seit Jahren nicht mehr zur Bürgerversammlung in die Singoldhalle. Den mehr als hundert Zuhörern erläuterten Bürgermeister Bernd Müller und Sachgebietsleiter Bernhard Langert ausführlich die Entwicklung der vergangenen beiden Jahre. Neu war die Information, dass die Stadtverwaltung zur Komplettsanierung beziehungsweise zum Neubau des "Aquamarin" mit einer Dauer von insgesamt vier Jahren für die Planungs- und Bauphase rechnet.
Auch die Finanzierung des Millionenprojekts war an diesem Abend ein wichtiges Thema. Dabei schloss Müller Steuererhöhungen nicht aus und fragte: "Welche Wohltaten können wir uns künftig noch leisten?" Denn das Betriebskostendefizit für das Bad werde - je nach Ausstattung und Größe - mit einer halben Million Euro pro Jahr zu Buche schlagen.
An dem für 2,5 Millionen Mark gebauten Bad hatte man vor einigen Jahren erhebliche Schäden festgestellt und für Beton- und Techniksanierung zunächst 3,3 Millionen Euro eingeplant. Nachdem eine genauere Untersuchung aber sehr weitreichende Probleme zutage gefördert hatte, stieg dieser Betrag immer weiter. Ein Arbeitskreis erarbeitete einen Projektplan, vor einem Jahr diskutierte der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung über eine Studie und verwarf schließlich alle vorliegenden Varianten, um alles noch einmal von vorn zu durchdenken.
"So mit den Millionen herumzuschleudern, da kann einem schwindlig werden", sagte in der Diskussion einer der zahlreichen Redner. Wie wolle die Stadt die enormen Ausgaben finanzieren, wenn die Zinsen wieder steigen und die Gewerbesteuer nicht mehr so üppig sprudelt wie momentan?
Sie bringt dieses Jahr 6,8 Millionen in die Kasse, berichtete Kämmerer Alexander Ziegler. In seinem Bericht schilderte er die aktuelle Finanzlage als geordnet, so dass die Stadt dieses Jahr keine Kredite in Anspruch nehmen müsse. "Wenn wir jetzt investieren, wäre es äußerst günstig", schilderte der Bürgermeister die finanzielle Situation. "Die entscheidende Frage ist: Wieviel ist uns das Bad wert?"
Nur ein Drittel der Hallenbad-Besucher komme aus Bobingen, dazu die Schulkinder und Mitglieder von Vereinen. Müller betonte, man wolle ein Familien- und kein Spassbad: "Darum können wir die Eintrittspreise nicht uferlos erhöhen!" Die Stadt werde entweder Kredite aufnehmen oder Gebühren und Steuern erhöhen, um das Zehn-Millionen-Projekt zu finanzieren.
Die Verwaltung wolle verschiedene Zuschusstöpfe anzapfen, den genauen Handlungs- und Finanzrahmen müsse aber der Stadtrat vorgeben. "Bobingen ohne Hallenbad ist für mich undenkbar", sagte Martin Gschwilm, Ortsvorsitzender der Wasserwacht, in der sehr sachlich geführten Diskussion.
Weitere Themen bei der Bürgerversammlung waren das in der Siedlung geplante Baugebiet (wir berichteten), die von Polizeichef Max Wellner erläuterte Kriminal- und Unfallstatistik sowie eine Lärmschutzverordnung. Die gebe es in Bobingen zwar nicht, sagte Müller, aber die Bürger sollten halt aufeinander Rücksicht nehmen.
Gegen den vom Verladebahnhof verursachten Krach hatten Anlieger am Wasserturm Unterschriften gesammelt, doch die Stadtverwaltung kann ihnen nicht helfen: Der Bürgermeister sagte, dass auf dem Bahngrundstück eine eigene Rechtslage gilt, gegen die die Kommune machtlos ist.
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