Die Kliniken feiern sich

Für die Bobinger Klinik gibt es ebenso einen Förderverein wie für das Schwabmünchner Krankenhaus. Foto: Mertens


Grund zum Feiern haben die Mitarbeiter der Wertachkliniken in Bobingen und Schwabmünchen: Am 15. Juli wollen sie in der Singoldhalle mit zahlreichen Vertretern des öffentlichen Lebens die erfolgreiche zehnjährige Zusammenarbeit feiern; denn 2006 hatten die Krankenhäuser fusioniert zu einem gemeinsamen Kommunalunternehmen der beiden Städte und des Landkreises. Seitdem gibt es zwei Standorte mit einem Management, aber einer klaren Aufgabenverteilung unter den beiden Häusern mit jeweils eigenen medizinischen Schwerpunkten.

Dass beide heute schwarze Zahlen vorweisen können, darüber freute sich Bürgermeister Bernd Müller bei der Jahreshauptversammlung des Fördervereins für das Krankenhaus Bobingen. Er dankte den Mitgliedern für ihre tatkräftige Unterstützung, die in konkreten Zahlen zum Ausdruck kommt: Mehr als 10 000 Euro hat der Verein vergangenes Jahr investiert, unter anderem für den Kinderspielplatz und eine Spielecke im Wartezimmer sowie für die Anschaffung eines Testgeräts und von Rollstühlen. Damit Geld in die Kasse kommt, wurde unter anderem ein Klavierkonzert organisiert, das mehr als 1500 Euro an Einnahmen brachte.

Auch dieses Jahr will der seit 2004 bestehende Bobinger Verein verschiedene Projekte unterstützen. So sollen ein Anästhesie-Überwachungsgerät beschafft und das Aquarium im Eingangsbereich der Klinik saniert werden. Wegen des Todes des zweiten Vorsitzenden war bei der Versammlung eine Nachwahl notwendig: Hans-Gerhart Zank wurde zum neuen Stellvertreter von Fritz Pfleghar bestimmt.

2005 sah die Situation in Schwabmünchen und Bobingen noch ganz anders als heute aus: Beide, damals städtisch betriebenen Häuser, waren stark defizitär und die Schließung drohte. Doch seit der geglückten Fusion schreiben die Wertachkliniken seit Jahren schwarze Zahlen. "Wir sind kleine Einheiten und versuchen, schlagkräftig zu sein", sagt Klinik-Vorstand Martin Gösele. "Unser Vorteil liegt darin, dass wir nicht an beiden Standorten jedem das gleiche anbieten, dass wir uns auch in der Grundversorgung ein Stück weit spezialisiert haben, nicht aber in der Notfallversorgung."

500 Mitarbeiter versorgen an beiden Standorten etwa 13 000 stationäre Patienten pro Jahr. Die Kliniken machen 40 Millionen Euro Umsatz. Vor einem Dreivierteljahr wurde in Schwabmünchen ein 13,5 Millionen Euro teurer Erweiterungsbau eingeweiht. Darin befinden sich neue Endoskopie- und Laborräume, ein zusätzlicher OP sowie ein Eingriffs- und Schockraum für die Unfallversorgung. Auch die Notaufnahme wurde vergrößert.

Telemedizin und Teleradiologie ermöglichen einen schnellen Informationsaustausch zwischen den Fachkräften der beiden Häuser sowie mit externen Spezialisten. Die Behandlungsmöglichkeiten werden durch zahlreiche Kooperationen mit niedergelassenen Ärzten ergänzt, beispielsweise der Onkologie und der Radiologie.

Ein multiprofessionelles Behandlungsteam, bestehend aus Fach- und Assistenzärzten, Gesundheits- und Krankenpflegekräften kümmert sich um das Wohl der Patienten. Durch die überschaubare Größe beider Kliniken profitieren die Mitarbeiter von einer ruhigen, persönlichen Atmosphäre, die auch der Genesung der Patienten förderlich ist. Gösele: "Die Atmosphäre in beiden Krankenhäusern lässt sich durch klar formulierte Führungsgrundsätze charakterisieren: Kommunikation, Vertrauen, Zielvereinbarungen zur Stärkung von Motivation und Leistung, Lernen, Eigenverantwortung und Reflexion sind dabei zentrale Schlüsselworte."

Die Wertachkliniken sind Mitglied im größten Weiterbildungsverbund für Allgemeinmedizin in Bayern. Gemäß der Ausbildungsphilosophie soll das ärztliche Personal durch breite Kenntnisse befähigt sein, selbständig zu entscheiden und zu handeln. In der klinikeigenen Berufsfachschule für Krankenpflege werden jährlich 18 Auszubildende von über 30 haupt- und nebenberuflichen Lehrkräften ausgebildet. I

Seit mehr als einhundert Jahren kümmern sich die Krankenhäuser in Bobingen (seit 1858) und Schwabmünchen (seit 1825) um Verletzte und Hilfsbedürftige. Im Jahre 1858 wurde das Haus eines Wirts und Krämers zum Armen- und Krankenhaus umgebaut, welches am südlichen Ende Bobingens, an der Landstraße nach Augsburg lag. Dieses diente in erster Linie der Unterbringung von Armen und erst in zweiter Linie der Unterbringung kranker Personen.

1953 wurde ein Krankenhaus-Neubau mit 44 Betten errichtet. Schon bald erwies er sich als zu klein und wurde 1957/58 erweitert. In den 1960-er Jahren war aber auch das unzureichend und so wurde ein komplett neues Krankenhaus am jetzigen Standort nahe der Wertach gebaut, welches 1969 eröffnet werden konnte. Zum 1. Juli 2006 wurde das "Gemeinsame Kommunalunternehmen Wertachkliniken Bobingen und Schwabmünchen" gegründet.

Die Hauptabteilungen in beiden Kliniken umfassen die Chirurgie, Innere Medizin sowie die Anästhesie. Die Bobinger Klinik bedient die Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Schwabmünchen die Viszeralchirurgie als jeweilige Kompetenzschwerpunkte. Die Abteilung Innere Medizin hingegen ist standortübergreifend mit gleichen Kompetenzen an beiden Häusern etabliert. (Alex Mertens )
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.