Die Polizei der Welt unter seinem Hut

Horst Terschanski hat die Polizei der Welt unter einem Hut. Foto: Stöbich
  Bobingen : Bobingen | In seinem Haus hat Horst Terschanski ein privates Museum eingerichtet

Peter Stöbich
Bobingen. Horst Terschanski sammelt Dienstmützen, 182 Exemplare aus aller Welt hat er schon nach Bobingen gebracht. Das ist für einen deutschen Pensionär manchmal ganz schön schwierig. Dass er im Keller seines Hauses ein richtiges kleines Museum mit hunderten von penibel geordneten Abzeichen, Mützen und Orden einrichten würde, war nie bewusst geplant, sondern die Folge einer spontanen Urlaubslaune vor 30 Jahren. „Am österreichischen Wörthersee hab ich gedacht, jetzt geh ich mal zu den Kollegen von der Gendarmerie und frage, ob sie mit mir die Uniformmütze tauschen wollen.“
Gesagt, getan – bloß blieb es nicht bei einer einmaligen Ferienaktion, sondern es folgten Kopfbedeckungen aus Ungarn sowie weiteren 180 Staaten: Albanien, Finnland oder Lettland sind längst in die Sammlung integriert, aber Burkina Faso und Guadeloupe fehlen ebenso noch wie Tadschikistan oder Turkmenistan. Sollte ein Leser demnächst dorthin reisen: Bitte ein Souvenir der dortigen Polizei mit nach Bobingen nehmen! Terschanski würde sich freuen.
Tatsächlich hat er auf diese Weise – dank der Urlaubs-Mitbringsel von Bekannten und Freunden – viele rare Exemplare bekommen können. „Es gibt aber auch eigene Tauschbörsen und natürlich lernt man übers Internet Gleichgesinnte auf der ganzen Welt kennen!“ Außer für einen Helm der königlich-bayerischen Gendarmerie vom Ende des 19. Jahrhunderts hat er nie große Summen für seine Kopfbedeckungen ausgeben müssen, sondern geschickt seine Kontakte als Polizeihauptkommissar genutzt.
„Ein Exemplar aus Palästina war wirklich schwer zu bekommen“, erzählt er. „In schlichtem Schulenglisch habe ich ans dortige Polizeihauptquartier geschrieben, aber vergeblich auf eine Antwort gehofft. Nach einem Jahr – ich war gerade im Urlaub – telefonierte mir meine Tochter, dass daheim in Bobingen jemand aus Palästina angerufen hätte.“ Zunächst dachte Terschanski schon ans Spaßtelefon, wartete dann aber Woche um Woche geduldig, ob in der Inspektion nicht endlich ein Päckchen für ihn eintreffen würde.
Als es endlich auf seinem Schreibtisch lag, traute er sich nicht, es zu öffnen und fuhr damit zur Hundestaffel nach Königsbrunn. „Drin war aber kein Sprengstoff, sondern eine nagelneue, wunderschöne Mütze in zweifacher Ausfertigung.“ Eine wurde in die Sammlung integriert, die andere gegen ein noch fehlendes Exemplar aus einem anderen Land eingetauscht.
„Hilfreich bei meiner Suche war auch, dass ich sieben Mal in Kiew war.“ Denn als einer der Initiatoren der Aktion „Schwäbische Polizei hilft Tschernobyl-Kindern“ sammelte Terschanski über 200.000 Mark, half Opfern der Reaktor-Katastrophe mit Lebensmitteln und Medikamenten und belieferte auch ein Polizei-Krankenhaus. Beim Schlendern über einen Basar entdeckte er nicht nur rare russische Mützen, sondern auch eine ganze Sammlung mit Orden, die jetzt ebenfalls in seinem Keller an der Wand hängen.
Zu den zahlreichen Baretts, Stahlhelmen und Mützen kommen noch hunderte von Abzeichen der bayerischen Stadt- und Landpolizei, der Bahnpolizei, des Bundesgrenzschutzes und ähnlicher Organisationen – ein richtiges Museum mit maßgefertigten Vitrinen, in denen jedes Exponat eine eigene Geschichte erzählen könnte. Doch selbst wenn der Sammler auch noch Polizeimützen aus Mauretanien und Neukaledonien bekommen könnte – „komplett hat man leider nie alles“ bedauert er, denn immer wieder ändern sich die Uniformen so wie derzeit in Bayern: Das gewohnte Förster-Grün wurde durch Blau ersetzt. Eine neue blaue Mütze zu bekommen, war für den Bobinger also das geringste Problem: „Wenn ich Kosovo und Montenegro hätte, wäre Europa in meiner Sammlung komplett!“
Letztlich erwächst die Freude aber nicht so sehr aus dem Besitz an sich, sondern den eigentlichen Spaß bei diesem Hobby bringt die Jagd: das oft jahrelange Suchen, Warten und Fiebern für ein begehrtes Exemplar. Eines der wertvollsten Stücke trägt die Abkürzung SCV für das italienische Stato della Citta del Vaticano oder „Status Civitas Vaticanae“: Im Vatikanstadt gibt es nur wenige Polizisten und entsprechend wenig Uniformmützen - ein Ausstellungsstück gibt es dennoch in Bobingen.
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