Ein Wehringer in Gotland

Bayerisches Bier und Weißwürste wird Robert Merk an seinem 75. Geburtstag genießen. Foto: Stöbich


Fast 1500 Kilometer trennen Robert Merk von seiner Heimatgemeinde Wehringen, die er schon als Heranwachsender verlassen hat. Doch immer wieder zieht es ihn vom schwedischen Gotland zurück in das Dorf, wo er mit seinen drei Brüdern Alfred, Anton und Hans aufgewachsen ist. In wenigen Wochen will er wieder von seiner Wahlheimat Visby aufbrechen, um seinen 75. Geburtstag Mitte Juni in Wehringen zu feiern.

In der Frühlingsstraße steht das Elternhaus der vier Buben. "Wir sind alle daheim geboren und haben nicht nur in den Wertachauen gemeinsam manchen Unsinn angestellt", erinnert sich der heute 82-jährige Hans Merk, der Altbürgermeister und Ehrenbürger seiner Gemeinde ist. Alfred und Anton leben nicht mehr, so dass die Verbindung zwischen den beiden anderen Brüdern besonders eng ist.

Schon früh stand für Robert fest, dass er von seinem Dorf hinaus in die Welt will. So ging er nach seiner Ausbildung zum Maschinenschlosser bei Hoechst mit 19 Jahren zunächst in die Schweiz, kurze Zeit nach Frankreich und anschließend nach Schweden, wo er sich als Berufsschullehrer für Feinmechanik weiterbildete. 1969 kam er nach Gotland, wo er seine spätere Frau Helena kennenlernte. Sohn Patrik ist 41 Jahre. Weizenbier und Weißwürste in Wehringen genießt Robert Merk nach mehr als 15-stündiger Autofahrt immer als Erstes, wenn er seinen Bruder besucht. Dann werden Erinnerungen ausgetauscht oder alte Fotos angeschaut. So schöne Spiel- oder Skaterplätze wie heute gab es in der Gemeinde damals nicht, aber die Kinder hatten ihren Spaß beim Räuber- und Schandi-Spielen oder zündeten in den Wertachauen gelegentlich ein Feuerchen an. Nicht nur die Zeiten haben sich seitdem geändert, sondern auch das Gesicht des Ortes. "Er ist im Laufe der Jahre wirklich zu einem schmucken Dorf geworden", stellt der Wehringer mit dem schwedischen Pass fest.

Aber auch seine Wahlheimat Visby, die rund 28 000 Einwohner hat, kann sich sehen lassen; die Hauptstadt von Gotland war im Mittelalter eine bedeutende Handelsstadt; mit ihren zahlreichen mittelalterlichen Bauten ist sie seit 1995 Teil des Weltkulturerbes der Unesco. Die Innenstadt ist umringt von der fast vollständig erhaltenen, 3,6 Kilometer langen Stadtmauer, die im 13. Jahrhundert aus Kalkstein errichtet wurde.

So wie Wehringen sein historisches Dorffest hat, gibt es in Visby jeden Sommer eines der größten Mittelalter-Feste in Europa. "Auf Gotland findet man in der Erde immer wieder alte Silber- und Goldschätze", weiß er, "ich war selbst mit dabei, als 1999 einer der weltweit größten Silberschätze in einem Acker entdeckt wurde: 67 Kilo Münzen und Schmuck aus der Wikingerzeit". Daheim hortet er ebenfalls stattliche Schätze: Seine große Leidenschaft ist eine tolle Sammlung von rund 200 antiken Uhren. (Peter Stöbich )
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