Friedpark für die letzte Ruhe: Bobinger Stadtrat diskutiert über moderne Friedhofskultur

Das neue Friedhofskonzept in Bobingen soll Tradition und Moderne verbinden. Foto: Stöbich
  Bobingen : Bobingen |

Wie wird der städtische Friedhof in zehn oder 15 Jahren aussehen? Sicher nicht mehr so wie heute - das ist das Ergebnis eines Workshops und einer Sondersitzung des Bobinger Stadtrats zur Neugestaltung. Was das Konzept der Zukunft außer höheren Gebühren noch alles bringen wird, dürfte viele Bürger doch ziemlich überraschen.

Um die rund 35.000 Quadratmeter große Anlage an der Maria Hilf-Straße attraktiver zu gestalten, hatte die Stadtverwaltung eine Fachfirma um Vorschläge gebeten. Deren Konzept, einen sogenannten Masterplan unter dem Motto "Verbindung zwischen Tradition und Moderne", stellte Thomas Weiher jetzt eineinhalb Stunden lang den Stadträten vor. Mit der Veränderung der Gesellschaft gehe auch eine neue Friedhofskultur einher, sagte er und nannte Bestattungsformen wie Friedwälder. Und in Bremen dürfen die Angehörigen Onkel Willis Urne bereits mit nach Hause nehmen und ins Wohnzimmerregal stellen.
Auch in Bobingen geht der Trend immer stärker zur Urnenbeisetzung, wie die Zahlen der Friedhofsverwaltung zeigen. Ein Grund dafür ist unter anderem, dass Angehörige oft weit entfernt wohnen und sich nicht um die aufwendige Pflege von Erdgräbern kümmern können oder wollen. Die Planer unterscheiden in ihrem Konzept zwischen der historisch gewachsenen Kernzone rund um die Aussegnungshalle und einem sogenannten Friedpark - einem naturbelassenen Teil, der die Besucher auch zum Verweilen einladen soll.
Von der bestehenden Fläche könne man problemlos 4000 Quadratmeter ausgliedern und für kommunale Zwecke nutzen, so Weiher. Sein Vorschlag sieht eine schrittweise Harmonisierung des Gesamtbildes vor, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern und den Bürgern für die höheren Gebühren ab kommendem Jahr einen echten Mehrwert zu bieten. Auch für Muslime und multikonfessionelle Familien soll es Flächen und Möglichkeiten zur rituellen Handwaschung geben.
Dabei liegen den Planern zwei Punkte besonders am Herzen: Der gesamte Masterplan für die nächsten eineinhalb Jahrzehnte ist wie ein modulares Baukastensystem aufgebaut, um flexibel auf neue Entwicklungen reagieren zu können. Und man müsse offensiv Marketing betreiben und die Bürger intensiv über alle neuen Angebote und Möglichkeiten informieren, empfahl der Fachmann.
Zur optischen Aufwertung gehören unter anderem auch abgegrenzte Bereiche, wo die trauernden Angehörigen ihren Gefühlen freien Lauf lassen können, ohne beobachtet zu werden. Ein erster konkreter Schritt, für den bereits Geld im Haushalt 2016 eingeplant ist, wird die Verlegung des Betriebs- oder Wirtschaftsgebäudes an den Rand des Friedhofs an der südlichen Fraunhofer Straße sein.
Die Planer gehen mit ihren Ideen aber auch ungewöhnliche Wege. So könne man in der nicht mehr zeitgemäßen Aussgenungshalle vielleicht eine Teeküche und ein Sofa installieren und klassische Konzerte veranstalten, schlug Weiher den staunenden Stadträten vor. Beisetzungen gemeinsam mit dem geliebten Haustier, wie sie im Workshop zur Sprache kamen, will Bürgermeister Bernd Müller aber lieber doch nicht realisieren.
Die Eingangsallee sowie die Halle mit ihrem historisch anmutenden Säulenvorbau fand Weiher sehr ansprechend, ganz im Gegensatz zum Innenbereich, der bei der Verabschiedung vom Verstorbenen keine wirkliche Nähe zulasse. Mit angenehmer Beleuchtung und warmen Farbtönen könne die Aussegnungshalle sogar zu einem "kommunikativen Treffpunkt" werden, heißt es in dem 55 Seiten umfassenden Konzept.
Es wurde von Sprechern aller Ratsfraktionen positiv zur Kenntnis genommen und soll von der Verwaltung Schritt für Schritt umgesetzt werden. Damit verbunden ist eine neue Friedhofs- und Gebührensatzung, die voraussichtlich ab 2018 in Kraft treten wird. Derzeit beträgt der Kostendeckungsgrad nur 46 Prozent - ein Umstand, für den die Verwaltung bereits eine Rüge der Rechtsaufsicht kassiert hatte.
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