Kabarett mit sieben Pfarrern: "Schwarzarbeiter" kommen in die Bobinger Singoldhalle

Pfarrer Peter Lukas kommt mit dem Schwarzarbeiter-Kabarett in die Singoldhalle. Foto: Stöbich
Bobingen : Bobingen |

Kabarett und Kirche, diese scheinbar so unterschiedlichen Begriffe bringt der evangelische Pfarrer Peter Lukas aus Bobingen humorvoll unter einen Hut. Gemeinsam mit der Gruppe „Schwarzarbeiter“ steht er seit vielen Jahren auf der Bühne; nach zwei Vorstellungen in Augsburg kommt die ungewöhnliche Truppe am Freitag, 17. März, auch in die Singoldhalle. Das Heimspiel mit dem Titel "Wegen Reformation geschlossen" beginnt in Bobingen um 19.30 Uhr und ist eine Benefiz-Veranstaltung zugunsten der neuen Orgel für die Dreifaltigkeitskirche.


Die Schwarzarbeiter sind sieben evangelische Pfarrer aus dem Dekanat Augsburg, für die Humor und Ironie zur Kirche gehören. Neben Lukas spielen und singen in der Singoldhalle Stephanie Fessler von St. Paul in Augsburg, Ortrun Kemnade-Schuster aus Wertingen, Micha Seyboth vom Peutinger-Gymnasium, Uwe Stenglein-Hektor aus Augsburg sowie Heide Wunderer und Wolfgang Wunderer aus Göggingen. Dass der Bobinger Pfarrer eine schöne Baritonstimme hat, Flöte und Klavier spielen kann, kommt ihm bei seinen Auftritten zugute: „Denn wir schreiben nicht nur alle unsere Texte selbst, sondern dichten auch bekannte Lieder um.“
Auch zum Reformationsjubiläum gibt es im Altbau Kirche für die Schwarzarbeiter viel zu tun. Ihr wichtigstes Werkzeug ist dabei ein tiefgründiger Humor, den sie treffsicher einsetzen gegen undichte Leitungen, morsche Thesen, schimmlige Regelungen oder wenn sonst etwas eingerissen ist in der Kirche. Da mancher Fund die Renovierung verzögert oder gar eine Schließung erforderlich macht, versprechen die Freizeit-Kabarettisten, mit spöttischen Maßnahmen alles dafür zu tun, um die Kirche wieder zu öffnen.
"Die Aufträge dürften den Schwarzarbeitern nicht so schnell ausgehen", stellt Lukas fest. Denn die Themen reichen von den Merkwürdigkeiten kirchlicher Personalpolitik über den Umgang mit Flüchtlingen bis zur modernen Bischofswahl oder Gottesdienstbesuchern und ihre gedanklichen Abwege während der Predigt.
Ihre Auftritte beginnt die ungewöhnliche Truppe immer im schwarzen Lutherrock und schlüpft anschließend mit Kostüm und Perücke in die unterschiedlichsten Rollen. „Wir wollen kirchliches Amt und Kabarett nicht vermischen, darum treten wir nie im Talar auf“, sagt Lukas. „Ein bisschen boshaft darf es schon sein, aber nicht beleidigend.“
Für jedes neue Programm werden monatelang Ideen gesammelt, dann die Texte geschrieben und ein griffiger Titel formuliert, „doch zum gemeinsamen Proben bleibt meist nicht viel Zeit, weil wir alle immer eine Menge Termine haben“, schildert der Bobinger Pfarrer. Sein Kollege Wolfgang Wunderer weiß noch genau, wie es dazu kam: „Angefangen hat alles 2005 mit dem 450-jährigen Jubiläum des Augsburger Religionsfriedens; damals war ein offizielles Programm geplant mit den üblichen Reden und Vorträgen.“ Um auch etwas Lustiges beizutragen, gründete er damals das Kirchenkabarett; langjährige Erfahrung in diesem Metier besaß er bereits, da er 1976 in München das „Weißblaue Beffchen“ ins Leben gerufen hatte.
„Kirche soll nicht so bierernst sein“, wünscht sich Wunderer, doch für das evangelische Kirchenkabarett gebe es deutliche Grenzen. „Wir machen uns nicht über Gott und den Glauben lustig. Und es wäre auch zu billig, über andere herzuziehen.“
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