Krippen im Laurentiushaus

Ein Krippen-Fachmann ist Konrad Bobinger, der die Ausstellung im Laurentiushaus mit organisiert. Foto: Mertens
In vielen Wohnstuben werden auch heuer wieder kunstvolle Krippendarstellungen die Adventszeit ankündigen. Besonders früh sind dieses Jahr die Bobinger dran: Im Laurentiushaus wird die Krippenausstellung am Samstag, 21. November, um 19.30 Uhr eröffnet. In den Tagen darauf baut Wolfgang Bobinger auch die Krippe neben dem Eingang zum Rathaus auf, denn am 26. November öffnet der Christkindlmarkt.
Im Laurentiushaus werden mehr als 70 Krippendarstellungen gezeigt, von denen die Hälfte noch nie öffentlich zu sehen war. Erstmals wird auch die Straßberger Kirchenkrippe präsentiert; damit wird die Schau heuer ein ganz neues Bild geben, obwohl die Organisatoren Wert darauf legen, dass auch die traditionsgebenden Kirchenkrippen wieder ausgestellt werden. Konrad Bobinger, der mit seinem Helferteam seit vielen Jahren die Ausstellung organisiert, freut sich schon; ohne ihn ist eine Adventszeit in Bobingen nur schwer vorstellbar.

Er hat sein Talent zum Schnitzen von seinem Vater Johann geerbt und es an seinen Sohn Wolfgang weitergegeben, der Jahr für Jahr auch die Rathauskrippe aufbaut. Was eine Krippe ausmacht, das hat Bobinger – gelernter Schreiner und jahrelang Amtsbote bei der Stadtverwaltung – schon als Bub von seinem Vater gelernt: „Sie muss eine Geschichte erzählen und den Zauber der Weihnachtsbotschaft für den Betrachter erlebbar machen!“

Wie viele Arbeitsstunden er für diesen Zauber schon in seiner Werkstatt verbracht hat, das hat er ebenso wenig gezählt wie die Herden der von ihm geschnitzten Esel, Schafe, Kamele und Elefanten. „So um die Hundert Kripperl werden’s bestimmt sein“, schätzt er – knapp und bescheiden, wie er eben ist. Außer seine acht Kinder und 23 Enkel hat er im Lauf der Jahre auch zahlreiche Freunde und Bekannte mit prachtvollen Darstellungen des biblischen Geschehens erfreut.

Dass an der Rathaus-Front die Heilige Familie, die drei Könige und Tiere rechtzeitig auftauchen, ist Aufgabe von Wolfgang Bobinger. Er arbeitet in der Stadtverwaltung, stand schon als Bub neben seinem Vater in der Werkstatt und ließ sich ebenso vom Kripperl-Fieber anstecken wie sein Bruder Manfred, der das Schreinern zu seinem Beruf gemacht hat. Natürlich führt auch Wolfgang die Familientradition fort und baut vor Heiligabend eine Spezialkonstruktion auf, bei welcher der Christbaum in der Mitte der Krippe steht. Oft bleiben die kleinen Kunstwerke der Bobingers bis Lichtmeß in den Wohnzimmern stehen.
Im Spätherbst 1983, nur wenige Wochen vor dem Christkindlmarkt, war die Idee entstanden, auch die Rathausbesucher und Passanten mit einer weihnachtlichen Darstellung zu erfreuen. Bauhofschreiner Konrad Jaufmann fertigte den Stall aus Holz, Werkmeister Heinz Arlt schuf das Hintergrundmotiv und Stadtgärtner Anton Schiederer lieh die Figuren aus. Auf Initiative von Amtsrat Karl John erwarb die Stadtverwaltung 1989 schließlich eigene Figuren in einer Oberammergauer Schnitzwerkstatt.

„Ein echter Liebhaber beschäftigt sich nicht nur im Advent, sondern das ganze Jahr über mit seiner Krippe“, weiß Horst Terschanski. Vor einigen Jahren ist er mit seiner Frau Klara nach Israel gereist, um die Schauplätze zu besuchen, an denen sich vor etwa 2000 Jahren jene Geburt ereignet haben soll, die Christen weltweit am 24. Dezember feiern. Mehrere Stunden braucht Terschanski, um in seinem Wintergarten auf einer drei Quadratmeter großen Bodenplatte eine Landschaft für 70 Figuren und Tiere mit Bachlauf, Moos und echtem Sahara-Sand aufzubauen, den er aus dem Urlaub mitgebracht hat. „A bissl verrückt muss man da schon sein“, meint er schmunzelnd. Nicht nur winzige Dachschindeln und stimmungsvolle Beleuchtung lassen die Häuser sehr realistisch wirken, sondern die Liebe zum Detail geht sogar so weit, dass Ziegel zu rotem Staub zermahlen werden.

Von Alex Mertens
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