Neue Wohnungen ohne Barrieren

In der Bobinger Siedlung soll es Sozialwohnungen und Baugrundstücke geben. Foto: Stöbich
Bobingen : Bobingen | Zwei Großprojekte sind in der Siedlung geplant

Peter Stöbich
Bobingen. Mit einem umfangreichen Entwicklungskonzept will die Stadt Bobingen die Siedlung attraktiver gestalten, um junge Familien im Ortsteil zu halten beziehungsweise dorthin zu bringen. Nach jahrelangen Planungen und Diskussionen gibt es jetzt einen eigenen Quartiers-Treffpunkt am Wertachplatz sowie zwei konkrete Baumaßnahmen, mit denen sich der städtische Planungs- und Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung beschäftigte.
So soll es an der Herbststraße Baugrundstücke für Ein- und Zweifamilienhäuser geben, die in zwei Abschnitten realisiert werden. Um das Projekt zu beschleunigen, sollen beide Abschnitte in einem Verfahren zusammengefasst werden und kommendes Frühjahr planreif sein. Zunächst waren 27 Einfamilienhäuser vorgesehen; auf Antrag der SPD-Fraktion soll es aber auch Doppelhäuser geben, wodurch die Grundstücke für die Einfamilienhäuser etwas kleiner werden; im zweiten Abschnitt werden neun Einfamilienhäuser von sechs Doppelhäusern flankiert. Mit dem von Stadtbaumeister Rainer Thierbach vorgestellten Entwurf war der Ausschuss einverstanden.
Ein weiteres großes Projekt ist das barrierefreie Wohnen am Brunnenplatz in der Siedlung. Für eine Bebauung des Grundstücks neben der Grundschule stellten die Architekten vier verschiedene Möglichkeiten vor. Zwischen 15 und 21 Sozialwohnungen könnten mit und ohne Tiefgarage geschaffen werden, die Kosten dafür bewegen sich von 2,6 bis 4,5 Millionen Euro.
Die Stadt wolle in der Siedlung kein neues Bauträger-Projekt, sagte Bürgermeister Bernd Müller, sondern die Verträge mit den künftigen Mietern selbst abschließen. Eine interessante Idee der Planer ist es, zwischen Brunnen- und Kirchplatz eine Verbindung herzustellen, zum Beispiel durch einen speziellen Fahrbahnbelag, der optisch auch als Verkehrsbremse dienen könnte. Ob eventuell eine Verlegung des Brunnens möglich ist, soll mit dem Siedlerverein noch besprochen werden. In der Diskussion gab Herwig Leiter (CSU) zu bedenken, daß es nicht zu Problemen zwischen lärmenden Grundschülern und ruhebedürftigen Bewohnern der neuen Anlage kommen dürfe. Über die vier Varianten sollen sich die Ratsfraktionen jetzt Gedanken machen, damit Anfang kommenden Jahres eine Entscheidung getroffen werden kann, denn das Förderprogramm läuft nur noch bis 2019.
Geschichtlich und rechtlich ist die Siedlung am Fuß des Leitenbergs zwar kein eigener Stadtteil, sie ist aber durch die Wertachau räumlich vom alten Stadtgebiet getrennt. Der ehemalige Werksleiter der IG-Farben, „Siedlervater" Adolph Kämpf, schreibt in seinen Lebenserinnerungen 1955: „Neben dem Technischen wurde mir in Bobingen eine schöne soziale Aufgabe übertragen. Ich durfte jenseits der Wertach, beim Dörflein Straßberg, 1937 eine Arbeiter- und Angestelltensiedlung bauen."
Im Mai 1938 konnten die ersten zehn Häuser bezogen werden. Rasch wuchs die Siedlung in mehreren Schritten, sodass 54 Siedler einziehen konnten und sogar noch drei Wohnblocks mit Werkswohnungen der IG-Farben bis 1941 fertig gestellt waren.Nach dem Krieg entwickelte sich die Siedlung weiter, die Gemeinde Bobingen und die Kunstseidefabrik förderten den Ausbau massiv. 1952 wurde die Siedlung nach Bobingen eingemeindet, damit übertrug sich auch das dynamische Wachstum des Fabrikstandortes auf ihre weitere Entwicklung.
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