Rasanter Landschaftswandel

Thomas Frey eröffnete die Ausstellung im Bobinger Rathaus. Foto: Mertens

Noch bis 9. Oktober ist in einer Ausstellung zu sehen, wie schwäbische Flüsse begradigt und Allgäuer Berge verbaut wurden. Der Bund Naturschutz versucht negative Eingriffe zu korrigieren.

Aktueller hätte die Eröffnung der Ausstellung "Landschaftswandel in Schwaben" im Bobinger Rathaus kaum sein können: Kurz zuvor hatte eine Schlammlawine mehrere Häuser in Oberstdorf verwüstet und gezeigt, was passieren kann, wenn der Mensch der Natur allzu sehr ins Handwerk pfuscht. Deshalb stellte Thomas Frey, Regionalreferent beim Bund Naturschutz, die Sorge um und für die Landschaft in den Mittelpunkt seiner Erläuterungen.

Mit der Landschaft sei es wie mit den Kindern, sagte er: "Sieht man sie täglich, nimmt man die Veränderungen kaum wahr; erst ein Vergleich nach einigen Jahren zeigt die großen Unterschiede." Um den Landschaftswandel zu dokumentieren, haben Naturschützer Vorher-Nachher-Bildvergleiche angefertigt. Diese Aufnahmen zeigen, wie rasant sich die Landschaft im Allgäu und in Schwaben verändert hat: oft zum Besseren, aber auch zum Schlechteren. Die sehenswerte Ausstellung im Rathaus dauert bis 9. Oktober und führt vor Augen, wie schwäbische Flüsse begradigt und Allgäuer Berge verbaut wurden. Sie zeigt aber auch anhand von Projekten des Bundes Naturschutz, wie Baumpflanzungen, Gewässer- und Moor-Renaturierungen zu einer Aufwertung der Landschaft beitragen. "Anhand des Landschaftswandels lassen sich viele Brennpunkt-Themen des Natur- und Umweltschutzes darstellen", so Frey; als Beispiele nannte er unter anderem den Umgang mit Flüssen, die Erschließung der Alpen sowie Flächenverbrauch und Zersiedelung.

Die Bilder sprechen für sich und müssen nicht interpretiert werden, laden dennoch zum intensiven Betrachten und sollen durchaus zum Nachdenken anregen, wie Bürgermeister Bernd Müller bei der Eröffnung sagte: "Diese Ausstellung soll den Finger in die Wunde legen, aber man darf auch die positiven Entwicklungen nicht übersehen!"

Die etwa 210 000 Mitglieder im bayerischen Bund Naturschutz (BN) sind in 76 Kreisgruppen und circa 600 dazugehörigen Ortsgruppen organisiert. Die aktiven Mitglieder leisten in vielen freien Stunden praktischen Naturschutz, der zum Erhalt schützenswerter Lebensräume und Landschaften beiträgt. Der BN ist der älteste und größte Umweltschutzverband Bayerns. "Wir retten Tiere, Pflanzen und Landschaften überall im Freistaat", so Frey. "Das schaffen wir nur dank der Unterstützung unserer Spender und Mitglieder." Die Organisation arbeitet wirtschaftlich, parteipolitisch und konfessionell unabhängig, versteht sich als unabhängiger Anwalt der Natur und dient ausschließlich gemeinnützigen Zwecken.

Energiewende, der Klimawandel und die demografische Entwicklung sind momentan wesentliche Treiber, die dafür verantwortlich sind, dass sich Landschaften immer stärker und schneller verändern. Eine vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) und dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) gemeinsam herausgegebene Broschüre zeigt auf, wie sich Kulturlandschaften in der Vergangenheit gewandelt haben, welche Trends sich abzeichnen und welche Möglichkeiten Raum- und Landschaftsplaner haben, die Veränderungen naturverträglich und vorausschauend zu steuern. Die BfN-Präsidentin Professor Beate Jessel sieht im Landschaftswandel eine große Herausforderung: "Unsere Kulturlandschaften sind Produkte eines Wechselspiels von Natur und Gesellschaft. Die Veränderungen sind längst flächenhaft und vollziehen sich im Gegensatz zu früher in schnellerem Tempo."

Es müsse gelingen, die Transformation in allen Regionen qualitätvoll auszugestalten, so dass Kulturlandschaften auch künftig ihre vielfältigen Funktionen und Leistungen erbringen können. Innerhalb der nächsten Generation werden etwa zwei Drittel der gewohnten Landschaftsbilder der Bundesrepublik in ihren Grundzügen verändert werden. "Raum- und Landschaftsplanung müssen deshalb ihre gesetzlich gewährten Gestaltungsspielräume ausschöpfen, um Konflikte um die Nutzung von Kulturlandschaften auszubalancieren", erläutert BBSR-Direktor Harald Herrmann.

Die Broschüre "Den Landschaftswandel gestalten!" formuliert Gestaltungsleitlinien und -optionen für Kulturlandschaftstypen wie Tiefland, Hügel- und Bergland, urbane und suburbane Landschaften. So verbinden sich mit dem Landschaftswandel auch Chancen im Umgang mit Kulturlandschaften: Chancen für neue Ideen im Lebensumfeld des Menschen, für neue Landschaftsbilder und für einen ganzheitlichen Blick auf die Landschaftsentwicklung. Die 66-seitige Broschüre ist als gedruckte Version kostenfrei erhältlich.
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