Sauber und sicher soll es in Bobingen sein

Rainer Pfeiffer und Walter Sitz kamen bei 35 Grad ganz schön ins Schwitzen. Foto: Alex Mertens

An Hochsommertagen tummeln sich bis zu 5.000 Besucher im "Aquamarin" in Bobingen, da haben die Bademeister viel zu tun.

Walter Sitz kann den ganzen Tag in der Sonne sitzen, hübschen Frauen im Bikini nachschauen und dafür auch noch Gehalt kassieren - das ist die landläufige Vorstellung über seine Arbeit als Schwimmmeister im "Aquamarin", doch sein Beruf ist in Wahrheit ziemlich anstrengend und stressig. An seinem heutigen Arbeitsplatz hat er vor über 45 Jahren das Schwimmen gelernt.

Im Schichtbetrieb sorgt er gemeinsam mit seinen Kollegen von 6 Uhr früh bis 22 Uhr dafür, dass an Spitzentagen bis zu 5000 Besucher dort Spaß haben. "Was das bedeutet und was hinter den Kulissen passiert, interessiert normalerweise niemanden", sagt Betriebsleiter Andreas Jasinski. Er ist mit seinem Team unter anderem dafür verantwortlich, dass auf einer Gesamtfläche von 23.000 Quadratmetern die Liegewiesen, Schwimmbecken, Toiletten und Zäune kontrolliert, die Hecken geschnitten, der Rasen gemäht, Filter, Heizung und Wasserqualität überprüft werden.

Das im Sommer geschlossene Hallenbad fällt als eigener Betriebsteil ebenfalls in Jasinskis Zuständigkeit. Der Elektromeister und technische Betriebswirt muss auch auf Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit achten, denn nicht jedes Jahr gibt es einen solchen Besucherrekord wie 2003, als mehr als 150 000 Badegäste kamen. Derzeit gibt es im Stadtrat Überlegungen, verschiedene Teile des Frei- und Hallenbades künftig zusammenzulegen und gemeinsam zu nutzen - ob diese Pläne verwirklicht werden, hängt von den Kosten ab, die gerade ermittelt werden.

Schon seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten gehört Walter Sitz zum Aquamarin-Team. Er war Schlosser und Speditionskaufmann, bevor er sich zum Fachangestellten für Bäderbetriebe ausbilden ließ.

Er hat im Bobinger Bad 1967 das Schwimmen gelernt und dort ab 1980 zehn Jahre lang als Mitglied der Wasserwacht ehrenamtlich gearbeitet. Wenn an heißen Sommertagen Hochbetrieb herrscht, ist das Team froh über Unterstützung durch die Wasserwacht. Während der Aufsicht muss das Personal ständig konzentriert und sprungbereit sein - eine große psychische und körperliche Herausforderung. Die Trillerpfeife dient als Warnsignal und Hilfsmittel zur Verständigung, "denn bei tausenden von Leuten kann uns über 30 oder 40 Meter niemand rufen hören", weiß Sitz.

Manche Badegäste wollen sich in ihrer Freizeit austoben und sich nicht an Verbote der Bade- und Hausordnung halten. "Das kann in der Verbindung mit Alkohol und Hitze für sie selbst und andere gefährlich werden", meint Sitz. Nach vielen Jahren hat er ein feines Gespür für riskante Situationen entwickelt und kann manche Probleme im Voraus erahnen, "dann müssen wir sofort und eindeutig reagieren!"

Dass Bademeister ständig Bikinischönheiten begutachten, ist also nur Klischee. Stattdessen beobachten Jasinski und seine Mitarbeiter täglich den PC-Bildschirm, der ihnen Störungen in den technischen Anlagen signalisiert. "Sauber und sicher soll es sein", sagt der Betriebsleiter, "das sind Grundvoraussetzungen für unsere Arbeit." Im Aquamarin muss er das mit einer sehr knappen Personaldecke schaffen, weshalb es zwischen April und September auch keinen Urlaub gibt, dafür umso häufiger Wochenend-Dienste.
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