Zauberer hinter der Kamera

Günter Peschke mit einer selbstgebauten Spiegel-Rig. Foto: Mertens
Bobingen : Bobingen | Ebenso faszinierend wie fremdartig ist die Welt, in die Günter und Verena Peschke mit ihrer Spezialkamera die staunenden Zuschauer entführen. Sie nehmen sie mit in einen spannenden Makro-Kosmos wie zum Beispiel einen Bienenstock oder zeigen die Geburt eines Marienkäfers mithilfe spezieller Technik in sensationellen dreidimensionalen Bildern.
"So etwas Tolles bekommt man im richtigen Leben nie zu sehen!", staunten die Mitglieder des Bobinger Imkervereins, als ihnen Peschke im Laurentiushaus eine Auswahl seiner Filme vorführte. Zum Beispiel stapft auf der Leinwand eine Biene wie ein Rieseninsekt aus einem Fantasy-Film durch den Wald aus gelben Stängeln und streift die Blütenpollen aus den „Baumwipfeln“ an seinen Beinen ab.
Den 75-jährigen faszinieren sowohl die Geheimnisse der Natur als auch der Filmtechnik bereits seit sechs Jahrzehnten. "Schon als ich in Dresden Werkzeugmacher bei Zeiss-Ikon gelernt habe, experimentierte ich mit 8 mm-Film", erzählt er. Sein geliebtes Hobby erfordert viel Geduld und Geld, denn rund 6000 Euro kostet allein die Anlage, die er für seine Vorführung im Laurentiushaus aufgebaut hatte.
Möglich wird die räumliche Sicht durch Spezialbrillen - ohne sie wären auf der Leinwand nur verwaschene Aufnahmen zu sehen, als ob man auf dem Bobinger Volksfest drei Maß zuviel getrunken hätte. Für Peschke ist Filmen in 3 D kein Hexenwerk. "Dabei werden die beiden Augen des Menschen durch jeweils eine Kamera ersetzt", sagt er. Es entstehen zwei Aufnahmen aus der Sicht des linken und des rechten Auges. Diese werden am Computer „zusammengerechnet“ und in ein spezielles Wiedergabeformat gewandelt.
Ein weiterer Trick der sogenannten Stereoskopie: Wird der Abstand zwischen den Kameras, also gewissermaßen der Augenabstand vergrößert, sieht man alles mit dem Blick eines Riesen und die Welt erscheint unendlich klein. Umgekehrt ist es, wenn man den Abstand verkleinert, dann erscheinen dem Zuschauer die Dinge gigantisch groß, quasi aus der Käfer-Perspektive. Peschke: "Bei den Aufnahmen zum Bienen-Film betrug der Abstand der Kameras nur drei bis fünf Millimeter. So kann man in Großaufnahme sehen, wie grimmige Wächterbienen am Stockeingang patrouillieren, Sammlerinnen zum Stock zurückkehren oder wie Bienen den Stock mit superschnellem Flügelschlag kühlen."
Gern greift der Experte in seine Trickkiste. Viele Aufnahmen wurden mit höherer Bildfrequenz gedreht; so entsteht ein zwei- bis vierfacher Zeitlupeneffekt, bei der Darstellung einer Biene im Flug mit HighSpeedkameras sogar ein 40-facher. Für seine Innovationen wie das „Ultra Makro 3D System“ ist der talentierte Tüftler mehrfach ausgezeichnet worden.
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