Aquamarin in Bobingen: Wie geht es weiter mit dem Sportbecken?

Die Hallenbad-Saison in Bobingen soll am 7. Oktober beginnen. Foto: Alex Mertens


Die Pläne des Bobinger Stadtrats für ein Ganzjahresbad, das auf dem Aquamarin-Gelände gebaut werden soll, stoßen bei der Bevölkerung auf ein geteiltes Echo. Denn viele Bürger wollen das große 50 Meter-Freibecken behalten und äußern Kritik wegen der geschätzten Baukosten von 16,7 Millionen Euro.

Nach einer Unterschriften-Sammlung, die Wasserwacht-Mitglied Hermann Paulin vor einem Jahr organisiert hatte (wir berichteten), gibt es jetzt bei einer weiteren Aktion Bedenken gegen das beschlossene Raumprogramm.

Hubert Gebert aus Wehringen hat mit weiteren Freunden des Bobinger Freibads unter anderem auf Facebook mehr als 1000 Unterschriften gesammelt, um die Ratsmitglieder noch einmal zum Nachdenken zu bringen. Die Unterzeichner kommen nicht nur aus Bobingen, sondern auch von der anderen Lech-Seite aus Mering oder Kissing. "Es ist eine ganze Reihe problematischer Punkte, die uns zu denken gibt", sagt Gebert. So sei das vorgesehene Cabrio-Dach nicht nur sehr teuer, sondern Bobingen weiche damit massiv von seinem Leitbild als Energiestadt ab: Eine Photovoltaikanlage zur Energieeinsparung sei nicht möglich.

Außerdem halten die Kritiker kostspielige Extras wie ein Solebecken im Außenbereich oder eine Textilsauna für überflüssig. "Mit verschwitzter Badebekleidung ins Becken zu gehen, ist nicht gerade hygienisch", meint Gebert. "Es geht definitiv wesentlich günstiger mit einem energetisch sinnvollen Hallenbad-Bau ohne jeglichen Schnickschnack!"

Beim Neubau soll laut Stadtrats-Beschluss auf das 50 Meter-Freibecken verzichtet werden; im Ganzjahresbad sind künftig sechs 25 Meter-Bahnen geplant. Das sei für die Austragung von Schwimmwettkämpfen nicht sinnvoll, so die Kritiker. Nicht zuletzt sind ihnen auch die hohen Bau- und Betriebskosten ein Dorn im Auge: Außer hohen Eintrittspreisen seien in den kommenden Jahren auch Steuererhöhungen zu befürchten, um das neue Aquamarin zu finanzieren.

Die Freibad-Saison in Bobingen endet am 10. September, "sollte das Wetter sehr schlecht sein, machen wir schon einige Tage vorher zu", kündigt Bernhard Langert von der Stadtverwaltung an. Danach ist Zeit, um das Hallenbad für Herbst und Winter vorzubereiten. Offizieller Saisonstart soll am 7. Oktober sein, laut Langert könnte es bei technischen Problemen eventuell aber etwas später werden.

Die Hallenbad-Technik ist so veraltet, dass das Personal häufig improvisieren muss, um den Betrieb am Laufen zu halten. Schon heute gibt es für die Mess- und Regeltechnik kaum noch Ersatzteile; so kann es passieren, dass selbst bei kleinen Störungen ganze Anlageteile ersetzt werden müssen.

Letztlich sind aber massive Betonschäden der Grund, warum ein Neubau notwendig ist. Sowohl in den Beckenwänden als auch an der Unterseite der Umgangsdecke und den Unterzügen an den Ecken haben sich starke Chloridbelastungen ergeben. Außerdem ist die Karbonatisierung auch dort bereits weit fortgeschritten.

Außer den Initiatoren der neuen Unterschriften-Aktion gibt es in Bobingen noch weitere Befürworter eines 50 Meter-Beckens: "Es ist eines der schönsten in ganz Schwaben", stellte Martin Gschwilm fest. Der Ortsgruppenleiter der Wasserwacht würde das Freibad am liebsten in seiner bisherigen Form belassen. Sein persönlicher Lösungsvorschlag: "Das Hallenbad mit einem vernünftigen Energiekonzept attraktiver machen!"

Auch Kerstin Gießer, die seit einem Vierteljahr die Schwimmabteilung des TSV mit rund 120 Aktiven leitet, ist über die Pläne für ein Ganzjahresbad nicht glücklich. "Zumindest sind wir froh, dass es überhaupt noch ein Bad in Bobingen geben wird", sagt sie. (
Alex Mertens )
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