Bobingen freut sich über Umwelt-Oscar

Die Mitglieder des Energieteams und Bürgermeister Bernd Müller (ganz links) freuen sich über einen European Energy Award. Foto: Mertens

Mit ihrem Klimaschutzkonzept ist die Stadt Bobingen auf einem guten Weg, doch bis zum Ziel ist noch eine lange Strecke zu gehen. 54 Prozent der möglichen Punkte wurden kürzlich bei einer externen Überprüfung erreicht – genug für einen silbernen European Energy Award (EEA) als Ansporn, über den sich Bürgermeister Bernd Müller und die Mitglieder des Energieteams jetzt bei einer Feier in der Singoldhalle freuten. Damit ist Bobingen in guter Gesellschaft: Wiggensbach, Scheidegg und der Landkreis Oberallgäu wurden ebenfalls für ihre vorbildlichen Bemühungen ausgezeichnet.

Diese Anstrengungen würdigten Ministerialdirektorin Dr. Monika Kratzer vom bayerischen Umweltministerium und Landrat Martin Sailer. „Regionales Handeln ist gefragt“, stellte Kratzer fest, „denn die wichtigen Ideen entstehen vor Ort!“ Die ausgezeichneten Kommunen bezeichnete sie als „Träger des Fortschritts“.
Über solches Lob freute sich der Bürgermeister, der den Festakt „wie eine Oscar-Verleihung“ empfand. Auch bei der geplanten Hallenbad-Sanierung wolle man in besonderem Maß auf Energiefragen achten, sagte Müller. Unter den Kommunen im Augsburger Land war Bobingen beim Klimaschutz seit langem Vorreiter: Als erste Stadt im Landkreis hatte sie ein Klimaschutzkonzept beschlossen mit dem Ziel, bis zum Jahr 2020 jährlich 99 000 Tonnen C02 einzusparen. Bereits in der Vergangenheit hatte man bei Investitionen energiepolitische Aspekte in den Vordergrund gestellt und unter anderem eigene Photovoltaikanlagen in Betrieb genommen sowie die energetische Sanierung von Schulen und des Rathauses eingeleitet.
Sechs Handlungsfelder zeigen beim EEA mögliche Energieeinsparungen auf: bei der kommunalen Entwicklungsplanung, bei Gebäuden und Anlagen, bei der Ver- und Entsorgung, bei der Mobilität (zum Beispiel öffentlicher Verkehr), bei der internen Organisation sowie bei der Kommunikation nach außen. An letzterer muss noch weiter gearbeitet werden, denn mit nur 36 Prozent schnitt der Bereich „Kooperation / Kommunikation“ am schlechtesten ab. Dagegen liegt der Zielerreichungsgrad bei der internen Organisation bei 84 Prozent.
Ein wichtiges Schlagwort ist in diesem Zusammenhang das kommunale Energiemanagement. Denn die Liste der städtischen Liegenschaften in Bobingen ist lang und der Energieverbrauch in Bädern, Bauhof, Büros, Feuerwehrhaus, Kindergärten und Schulen entsprechend hoch. Ständig steigende Kosten zwingen die Verwaltung, neue Wege zu gehen und zum Beispiel erneuerbare Energien noch stärker zu nutzen.
Standardmäßig werden im Energiemanagement verschiedene Instrumente genutzt wie Verbrauchserfassung, Gebäudeanalysen, Betriebsoptimierung, Erstellung von Prioritätenlisten, Prüfung von Lieferverträgen und Rechnungen sowie Beratung und Unterstützung des Betriebspersonals. Gas-, Öl-, Nahwärme-, Strom- und Wasserverbrauch werden getrennt nach Nutzergruppen wie Schulen, Kindergärten und Verwaltungsgebäuden erfasst und ausgewertet.
Für alle großen Liegenschaften in Bobingen führen die Hausmeister eine monatliche Datenerhebung durch. Um einen Überblick über die wichtigsten energetischen Faktoren zu erhalten, müssen für jedes Gebäude unter anderem folgende Daten erfasst werden: Nutzungsart, Baujahr, bauphysikalischer Zustand der Gebäudehülle, Heizungssysteme sowie elektrische Verbraucher. Die aktuelle Fortschreibung des vom Energieteam beschlossenen Aktivitäten-Programms sieht unter anderem die Verringerung des Strom- und Wasserverbrauchs in den städtischen Liegenschaften und ein eigenes Budget im Haushalt (circa 5000 Euro jährlich) für energiepolitische Kommunalarbeit und Gutachten vor.
Von Alex Mertens
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