Bobinger Bürgermeister: Historische Chance vertan

Mehr Platz sollen Bücherei-Leiterin Judith Hitzelberger und ihr Team bekommen. Foto: Mertens
Bobingen : Bobingen | Bürgermeister nimmt Stellung zu Ratsentscheidungen
Alex Mertens
Bobingen. Die jüngste Entscheidung einer Ratsmehrheit, die in der alten Mädchenschule untergebrachte Stadtbücherei dort zu erweitern, hält Bobingens Bürgermeister Bernd Müller nicht für sinnvoll. Das brachte er bei der Jahreshauptversammlung des SPD-Ortsvereins zum Ausdruck und sagte: "An diesem Standort wird das nie eine moderne Stadtbibliothek!" Zum einen könne sie an dieser Stelle die zeitgemäßen Anforderungen nicht erfüllen, zum anderen gehöre sie nicht in den ersten Stock, wie es das Raumprogramm vorsieht.
Müller hätte es lieber gesehen, wenn die komplette Bücherei ins ehemalige Brauerei-Gebäude an der Hochstraße verlegt worden wäre. Dieser Plan war aber vor zwei Jahren denkbar knapp mit 10:9 Stimmen abgelehnt worden. "Damit haben wir eine historische Chance in 1 A-Lage vertan", so der Bürgermeister in seinem Bericht zur aktuellen Kommunalpolitik in Bobingen.
Wie berichtet, soll nun für 2,6 Millionen Euro in der alten Schule an der Pestalozzistraße eine Art Bildungshaus entstehen, wofür man sich Zuschüsse aus Mitteln der Städtebauförderung erhofft. Falls alles wie geplant klappt, könnte das Projekt im Frühjahr 2019 fertig sein.
Müller zeigte kein Verständnis "für die Krokodilstränen, die eine große Koalition im Stadtrat wegen des Schuldenstandes vergießt". Ein solches Verhalten sei nicht nachvollziehbar, denn die Sanierung der Mädchenschule sei keineswegs dringend; allein die europaweite Ausschreibung der Arbeiten komme sehr teuer. "Aber da spielt Geld dann offensichtlich keine Rolle", stellte der Bürgermeistzer fest.
Kritisch äußerte er sich auch über die jüngste Debatte zum Erhalt der Kastanie an der Kirche Sankt Felizitas und sagte, die Grünen-Rätin Monika Müller-Weigand habe sich im Plenum aufgeplustert. Außerdem sei es völlig übertrieben, wenn die Presse gleich von einem "Todesurteil" schreibe. Wie berichtet, sollte der gesunde Baum gefällt werden, weil seine Wurzeln einer Tiefgarage im Weg sind. Ein weiteres Thema an diesem Abend war die umstrittene Straßenausbau-Beitragssatzung, die nach Ansicht Müllers noch für viele Diskussionen sorgen wird. Er hält jährlich wiederkehrende Beiträge für problematisch, weil sich viele Bürger beschweren würden, wenn sie zahlen dürften, obwohl in ihrer Straße gar nichts gemacht werde.
Auch SPD-Ortsvorsitzender Otto Schurr stimmte in die Kritik mit ein. "Das war unter der Gürtellinie", sagte er zu einer Äußerung von CSU-Fraktionssprecher Hans-Peter Dangl, der Schurr als unseriös bezeichnet hatte. Zur Hallenbad-Debatte stellte der Vorsitzende klar, dass die häufig genannten Kosten von 14 oder 15 Millionen Euro die Obergrenze für ein Luxusbad darstellten; eine akzeptable Lösung sei auch für wesentlich weniger Geld zu haben.
In seinem Bericht ging Schurr auf die politischen und geselligen Veranstaltungen der SPD vom Neujahrsempfang bis zum Weinfest ein. Besonders wies er auf die Bundeswahlkreis-Konferenz am 15. Oktober in Friedberg hin, bei der ein SPD-Kandidat für den Bundestag bestimmt werden soll. Daran werden aus dem Bobinger Ortsverein folgende Delegierte teilnehmen: Helmut Jesske, Sabrina Joder, Edmund Mannes, Stefanie Schleich und Otto Schurr.
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