Bobinger Friedhof: Ausnahmen nur in erster Reihe

Die Gestaltung des Friedhofs ist ein Dauerbrenner im Bobinger Stadtrat. Foto: Mertens
  Bobingen : Bobingen | Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Das fragt sich mancher Bürger beim Vollzug der städtischen Friedhofssatzung in Bobingen, bei der es nun wieder Ausnahmeregelungen für eine Sondernutzung geben soll. Schon seit längerer Zeit haben die Mitarbeiter in der Verwaltung eine Menge Ärger am Hals, weil die Stadt älteren Bürgern die Grabpflege etwas erleichtern wollte. Sie hatte seit Frühjahr 2013 probeweise das Mähen des Friedhofsrasens übernommen, soweit das Einverständnis der Grabbesitzer vorlag.
Das war bei etwas mehr als der Hälfte der 1650 Gräber der Fall, aber auch ein ständiger Quell des Ärgers. Es gab nämlich zahlreiche Beschwerden darüber, dass bei den Arbeiten Grabplatten oder Pflanzschalen und Weihwasserkessel beschädigt wurden. Darum beendete der Werkausschuss Ende 2014 den Probelauf auf dem Bobinger Friedhof; künftig sollte es den Bürgern überlassen bleiben, ob sie die Mäharbeiten selbst erledigen oder einen Dienstleister damit beauftragen.
2015 brachten die Fraktionen von CSU und SPD das Thema per Antrag erneut auf die Tagesordnung des Stadtrats, der den erst zwei Monate alten Beschluss des Werkausschusses wieder kippte – vor allem deshalb, weil das Mähen nur ein Punkt in einem Gesamtkonzept ist, bei dem es um die künftige Gestaltung des Bobinger Friedhofs und um eine neue Gebührensatzung geht. Ende des Jahres gab es dann erneut eine ausführliche Debatte, die mit einer guten und einer schlechten Nachricht endete: Auch 2016 kümmert sich die Stadt ums Rasenmähen, doch die Gestaltungsvorschriften wurden verschärft und die Grabgebühren angehoben (wir berichteten).
Bis zum kommenden Oktober müssen jetzt die hinderlichen Blumenschalen, Laternen, Weihwasserkessel und Trauergaben verschwinden, verlangt die Stadt in einem Brief an alle Grabbesitzer. Fürs Mähen wird nämlich ein Teil der Grabfläche wieder der allgemeinen Friedhofsfläche zugeordnet; gemessen von der Grabsteinhinterkante steht künftig nur noch eine Fläche von einem Meter Tiefe zur Selbstgestaltung zur Verfügung, der Rest muss mit Rasen angelegt sein.
Nun hagelte es Klagen bei Vertretern der Kirchen sowie im Rathaus, weil ältere und behinderte Leute mit Gehhilfen ihren Weihwasserkessel nicht mehr erreichen können, wenn er ins Pflanzbeet versetzt wird. Es fand eigens eine Ortsbegehung statt, um nach Lösungen zu suchen. Mit den Folgen beschäftigte sich der Stadtrat jetzt in seiner jüngsten Sitzung. "Denkbar wäre eine öffentlich-rechtliche Sondervereinbarung, dass in Ausnahmefällen Weihwasserkessel an der Hinterkante des Weges aufgestellt werden dürfen", so Hauptamtsleiter Thomas Ludwig.
Dann wären die Grabrechtsinhaber allerdings selbst dafür verantwortlich, dass auch die paar Zentimeter um den Weihwasserkessel herum ordentlich gemäht sind - "nicht, dass es auf dem Friedhof ausschaut wie Kraut und Rüben", so Bürgermeister Bernd Müller. Eine solche Ausnahmeregelung wäre allerdings nur möglich, wenn die Grabstelle unmittelbar an einen befestigten Weg grenzt; in zweiter oder dritter Reihe geht das nicht, weil sonst Bestattungsunternehmen die jeweilige Grabstelle nicht erreichen.
In der Diskussion meinte Klaus Förster (CSU), man solle nicht schon wieder Ausnahmen von der neuen Satzung zulassen; das habe eine "fatale Wirkung" und bedeute nur zusätzlichen Aufwand für die Mitarbeiter in der Verwaltung. Diese wurde schließlich aber von einer Ratsmehrheit doch damit beauftragt, die Satzung um eine Sondernutzung zu ergänzen.
Die Mäharbeiten im Friedhof werden nicht vom Bauhof, sondern von zwei extra dafür eingestellten geringfügig Beschäftigten erledigt; im Haushalt sind dafür rund 30000 Euro vorgesehen. Die Kosten für das 14-tägige Mähen werden künftig auf die Nutzungsberechtigten umgelegt.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.