Denkpause zum Hallenbad-Neubau: In Bobingen ist alles wieder offen

Vor großer Zuhörerkulisse gab es heftige Diskussionen im Stadtrat. (Foto: Mertens)
Eine schwierige Situation: Im Moment steht die Stadt Bobingen ohne fertigen Haushalt da und ohne Anhaltspunkt, was mit dem maroden Hallenbad konkret passieren soll. Auch wie es mit dem barrierefreien Umbau der alten Mädchenschule weitergeht, ist derzeit offen.
Zwei wichtige Fragen beschäftigten die zahlreichen Zuhörer bei der Sondersitzung des Bobinger Stadtrates: Wie sieht die Finanzplanung für die nächsten drei Jahre aus? Und wird das Hallenbad neu gebaut, nur saniert oder auf die lange Bank geschoben? Die Suche nach Antworten dauerte über zwei Stunden und riss alte Gräben wieder auf, so dass sich die Bürger an die heftigen Ratsdebatten vor dem Streitschlichtungs-Workshop im Herbst 2011 erinnert fühlten.
Vor allem CSU-Sprecher Hans-Peter Dangl übte ungewöhnlich heftige Kritik nicht nur am hohen Schuldenstand, sondern auch am Umgangston von Bürgermeister Bernd Müller. Dieser zeige in seiner Gutsherrenart weder Respekt noch Wertschätzung gegenüber den Ratsmitgliedern und rede zwar oft von einem Miteinander, das aber dann nicht wirklich gepflegt werde.
Auch Franz Handschuh (Freie Bürgerunion) kritisierte in seiner ausführlichen Stellungsnahme das Verhalten Müllers sowie Aussagen der SPD-Fraktion: Sie wecke bei den Bürgern zuerst Hoffnungen und schlage dann einen Rückwärtssalto beim Hallenbad-Neubau. Dieser war Auslöser für die Sondersitzung, denn die hohen Kosten und ein enormes jährliches Betriebsdefizit hätten Bobingens Schuldenstand in schwindelnde Höhen getrieben.
Deshalb wurde nach lebhafter Debatte beschlossen, die für heuer vorgesehene halbe Million für die Bad-Planung aus dem Haushaltsentwurf zu streichen. Ob dagegen der Umbau der alten Mädchenschule, der nicht im Etat steht, wieder mit aufgenommen wird, soll der Hauptausschuss entscheiden; er wird kommenden Dienstag ab 14 Uhr über den Haushalt 2016 beraten, der dann voraussichtlich Mitte März im Plenum verabschiedet werden kann.
Damit ist für das Hallenbad eine neue Informations- und Planungsphase ohne Zeitdruck möglich, wie sie Waltraut Wellenhofer (Freie Wähler) gefordert hatte; die Räte sollten sich auch in anderen Bädern umsehen, sagte sie. Dangl hielt eine solche Verschnaufpause ebenfalls für sinnvoll. Zum Bürgermeister sagte er: „Selbst schön dastehen und anderen die Schmutzarbeit überlassen, diese Rechnung ging beim Hallenbad nicht auf!“ Eine Erhöhung der Eintrittspreise ab März, wie sie die SPD ins Gespräch gebracht hatte, hielt Dangl für unsinnig: „Da können Sie dann ein nahezu leeres Bad besichtigen!“
Schon seit langem hätten CSU und FBU vor einem ungebremsten Schuldenanstieg und sinkendem Handlungsspielraum der Stadt gewarnt, brachten die Fraktionssprecher in Erinnerung. Handschuh schlug für das Hallenbad eine Denkpause von einem bis zwei Jahren vor sowie als Alternative zum Neubau auch eine Sanierung der massiven Betonschäden. Ihm war unverständlich, wie die Verwaltung einen nicht genehmigungsfähigen Haushalt zur Beratung vorlegen könne.
Im aktuellen Etatentwurf ist die Sanierung von Straßen nicht enthalten. Mit 13 : 10 Stimmen wurde in der Sondersitzung bekräftigt, dass es dabei bleiben soll. Dangl erinnerte daran, dass der Stadtrat bereits vergangenen Herbst die Schnitterstraße auf 2017 verschoben habe. Bernd Müller wollte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe in der Sitzung nicht kommentieren, wies sie aber pauschal zurück und sagte, von einer Kehrtwende könne keine Rede sein. Er habe lediglich auf die künftigen Betriebskosten hingewiesen und sei nicht allein für Bad-Neubau, Haushalt oder Schuldenstand verantwortlich: „Sondern das sind Fragen der gemeinsamen politischen Weichenstellung im Stadtrat!“ Im Vergleich mit anderen Kommunen stehe Bobingen finanziell gut da.

Alex Mertens
0
1 Kommentar
7
Rüdiger Prem aus Bobingen | 20.02.2016 | 22:03  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.