Hallenbad-Sanierung in Bobingen: Keine Klarheit zum Saisonstart

Unterschriften für den Erhalt des Hallenbads hat Hermann Paulin gesammelt. Foto: Stöbich
Bobingen : Bobingen | Nach ihrer Sommerpause müssen die Mitglieder des Bobinger Stadtrats ein Millionenprojekt in Angriff nehmen, mit dem sie sich schon seit zwei Jahren ergebnislos abmühen. Über die Sanierung des maroden Hallenbads wurde in zahlreichen Sitzungen zwar viel diskutiert, bisher ist aber wenig Konkretes geschehen.
Die neue Hallenbad-Saison beginnt bereits am 1. Oktober - trotz einer störanfälligen Technik, für die kaum noch Ersatzteile zu bekommen sind. Nach der Schließung des Freibads brauchen Betriebsleiter Andreas Jasinski und seine Mitarbeiter circa zwei Wochen, um sämtliche Räume des Hallenbads zu reinigen, die technische Anlage vorzubereiten und einen Probelauf durchzuführen. "Das bedeutet eine Menge Arbeit, von der die Besucher gar nichts mitbekommen", sagt er.
Die Verwaltung braucht jetzt einen klaren Auftrag von den Ratsmitgliedern, wie es mit dem Aquamarin weitergehen soll, "denn Hoffen und Beten bringt uns nicht weiter", hatte Bürgermeister Bernd Müller in der jüngsten Debatte vor den Sommerferien festgestellt. Ob Sanierung oder Abbruch und Neubau, ein Ganzjahres-Bad ohne Freibecken oder die Zusammenarbeit mit anderen Kommunen - jede dieser Lösungen kostet eine Menge Geld, das Kämmerer Alexander Ziegler aber nicht einfach in der Stadtkasse liegen hat.
Deshalb ist mit der Bad- auch eine Schuldendiskussion verknüpft, die sich direkt auf den Geldbeutel der Bobinger Bürger auswirkt. Denn die Erhöhung von Beiträgen, Gebühren und Steuern wäre ein Weg, damit die Stadt das Projekt in den kommenden Jahren überhaupt stemmen kann. Ein erster Schritt ist die bereits beschlossene Anhebung der Hundesteuer im kommenden Jahr: Ziegler rechnet mit jährlichen Mehreinnahmen von 10.000 Euro. Richtig teuer wird es ab 2017 für alle Besitzer von Kampfhunden: Bobingen verlangt 500 Euro, das Doppelte wie in Großaitingen und Wehringen.
Weitere Möglichkeiten für die Stadt, zu Geld zu kommen, sind Grundstücksverkäufe oder die Einschränkung von freiwilligen Leistungen. Darüber dürfte vor allem im Rahmen der kommenden Haushaltsberatungen heftig diskutiert werden. Nach Ansicht von Bürgermeister Bernd Müller darf allerdings auch nicht am falschen Platz gespart werden, womit er vor allem den sozialen Bereich meint.
Von einem privaten Betreibermodell für das Hallenbad hält Müller nichts, auch die beschlossene Sanierung der alten Mädchenschule (wir berichteten) hält er in diesem Zusammenhang nicht für notwendig. Einig sind sich sämtliche Ratsmitglieder aber darin, dass das Bad zumindest für Schulen und Sportvereine erhalten bleiben muss - wieviel sich Bobingen das kosten läßt, wird ebenfalls in Kürze diskutiert werden.
Unterstützung kommt von seiten der Bürger, die einen Förderverein für das Hallenbad gegründet und eine Unterschriftenaktion organisiert haben. Mehr als 2000 Menschen hatten einen offenen Brief unterschrieben und die Stadträte aufgefordert, „über parteipolitische Grenzen hinweg sachlich und konstruktiv eine Lösung für den Erhalt des Bades zu finden“. Initiiert wurde diese Aktion von Hermann Paulin, der Schwimmtrainer beim TSV Bobingen und Mitglied der Wasserwacht ist. „Ich wollte ein Zeichen setzen und deutlich machen, dass der Fortbestand unseres Aquamarin vielen Leuten am Herzen liegt“, sagt der 49-jährige.
Das zuletzt in den 1980er-Jahren generalsanierte und später an Ausstattung modernisierte Bad umfasst momentan ein 25 Meter langes Schwimmerbecken, ein halb so großes Nichtschwimmerbecken sowie einen Kleinkinderbereich und zwei Whirlpools. Es ist mit dem Freibad nur räumlich und personell verbunden, gemeinsam gibt es für beide Einrichtungen bisher nur eine Wärmeversorgung.
Im Fall eines Neubaus möchte man künftig eine möglichst große Verbindung zwischen beiden Bädern herstellen, zum Beispiel für Eingang, Kassensystem, Duschen, Umkleiden und Technik. Dabei soll die Gesamtinvestition möglichst nicht über zehn Millionen Euro liegen.
Die Kosten für ein neues Bad in der Größe des bestehenden bezifferte Bürgermeister Bernd Müller auf 9,6 Millionen Euro; dazu kämen in den folgenden Jahren weitere Millionenbeträge an Betriebskosten. Eine Minimallösung für das Schul- und Vereinsschwimmen im Hallenbad könnte so aussehen, dass es künftig nur ein kleines Lehrschwimmbecken mit einem Hubboden gibt und der Badebetrieb für die Öffentlichkeit stark eingeschränkt wird.
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