Im Quartier wird's lebendig

Bernd Beigl ist als Quartiers-Manager für alle Siedler der Ansprechpartner. Foto: Mertens

Alex Mertens

Nach langen Planungen beginnt nun die praktische Arbeit: Aus vielen Vorschlägen und Visionen entstehen im neuen Quartiers-Treff in der Bobinger Siedlung konkrete Aktionen, um gemeinsam mit Vertretern von Gewerbe, Stadtverwaltung und Vereinen bei allen Bewohnern das Quartiers-Bewusstsein zu stärken beziehungsweise zu entwickeln. Finanzielle Unterstützung kommt von der Regierung von Schwaben, wie Stadtbaumeister Rainer Thierbach berichtet: "Die Zuschuss-Bewilligung sowohl für die Stelle unseres Quartiers-Managers Bernd Beigl als auch für den Treffpunkt in den ehemaligen Sparkassen-Räumen ist da!" Dort steht Beigl montags zwischen 10 und 12 Uhr sowie mittwochs von 16 bis 18 Uhr allen Bürgern aus der Siedlung als Ansprechpartner zur Verfügung.

In Zusammenarbeit mit dem städtischen Kulturamt ist am Mittwoch, 16. März, im Siedler-Treff ein gemeinsames Frühstück mit einem Vortrag zum Thema "Regionale Produkte - Einkaufen vor Ort" geplant. Außerdem soll es in Kooperation mit der Stadtbücherei eine Autorenlesung geben. Als nächsten Schritt will Beigl mit den Ladenbesitzern und Einzelhändlern über ihre aktuelle Situation und Probleme sprechen.

Die noch bestehenden Geschäfte und Gastronomie sowie die Dienstleister im Wertachzentrum müssen auf jeden Fall in der Siedlung gehalten werden, so das Fazit der jüngsten Arbeitskreis-Tagung zum Thema "Vitale Achse und Zentrums-Aufwertung". Daran nahmen neben Thierbach und Thomas Ludwig, der bei der Stadtverwaltung für die Wirtschaftsförderung zuständig ist, auch Vertreter von Stadt- und Pfarrgemeinderat sowie die Eigentümer des Wertachzentrums teil. Dabei war man sich einig, dass als nicht-investive Maßnahme ein Stadtmarketing-Konzept entwickelt werden soll. "Dazu gehören unter anderem Textbeiträge für einen Einkaufs-Flyer, die Verteilung von Prospekten durch Sportvereine oder Überlegungen zur Finanzierung", so Beigl.

Möglichst noch in diesem Jahr will man auch gestalterische Verbesserungen am Wertachzentrum und den Laden-Vorzonen umsetzen. "Was im Einzelnen machbar ist, muss der Stadtrat anhand der Haushaltslage entscheiden", so Thierbach. Weil die Diskussion zeigte, dass selbst Bewohner der Siedlung über Veranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt nicht informiert waren, vereinbarten die Vereinsvertreter, in Zukunft Veranstaltungstermine besser bekannt zu machen und zu koordinieren. Um mehr Menschen in die Siedlung zu locken, soll es regelmäßig interessante Angebote wie Ausstellungen, Lesungen oder Computer-Kurse für Senioren geben.

Mit einem integrierten Handlungs-Konzept und einer umfangreichen Sozialraum-Analyse hatte Bobingen dafür gesorgt, dass die Siedlung in das Städtebau-Förderprogramm "Soziale Stadt" aufgenommen wird. Sie soll unter anderem durch bessere Gestaltung des öffentlichen Raumes sowie von Straßen, Wohnhöfen, Spielplätzen und Grünbereichen gestärkt werden. Außerdem geht es um die Schaffung von adäquaten Wohnungsangeboten für Ältere, Generationenwohnen, betreutes Wohnen und sonstige Wohnformen in bestehenden Gebäuden, eventuell durch Erweiterungs- und Ergänzungsbauten.

Vor allem liegt es aber an den Bürgern selbst, sich für ihr Quartier zu engagieren, denn die Stadtverwaltung will ihnen kein fertiges Konzept überstülpen. Um den jahrelangen Entwicklungsprozess transparent zu machen, wird die Stadt Beschlüsse, Protokolle und andere Dokumente auf ihrer Internetseite veröffentlichen. So können alle interessierten Bürger nachvollziehen, was in ihrem Quartier wann und warum passieren soll. Es war ab 1937 als Arbeiter- und Angestelltensiedlung entstanden und wuchs damals rasch, so dass sogar noch drei Wohnblocks mit Werkswohnungen der IG-Farben bis 1941 fertig gestellt waren. Nach dem Krieg ging die Entwicklung weiter, die Gemeinde Bobingen und die Kunstseidenfabrik förderten den Ausbau massiv.
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