Kampf um Kastanie in Bobingen endet erfolgreich

Die Kastanie an der Kirchenmauer kann stehen bleiben. Foto: Mertens
Bobingen : Bobingen | Dieser Stadtrats-Beschluss freut viele Bobinger: Der riesige Kastanienbaum neben der Kirche darf nun doch noch eine Zeitlang leben, obwohl der Bauauschuss kürzlich bereits das Todesurteil über ihn gefällt hatte. Der Grund: Auf dem angrenzenden Grundstück zum ehemaligen Kirchbräu hin wird eine Tiefgarage für 36 Wohneinheiten gebaut und die ausladenden Wurzeln sind im Weg. Unter der Bedingung, dass als Ersatz zwei neue Bäume gepflanzt werden, hatte der Bauausschuss zugestimmt, dass die rund 100 Jahre alte und gesunde Kastanie gefällt werden darf (wir berichteten).
Doch in der Bevölkerung regte sich Widerstand und sieben Ratsmitglieder beantragten, die umstrittene Entscheidung noch einmal zu prüfen und erneut auf die Tagesordnung zu setzen. So gab es in der jüngsten Stadtratssitzung eine lebhafte und kontroverse Diskussion über den Erhalt des Baumes. Er ist sowohl in der Sanierungsgenehmigung, im Freiflächen-Gestaltungsplan und im Genehmigungsbescheid enthalten - der Bauherr hätte also auf jeden Fall wissen müssen, worauf er sich einläßt, stellten Stefan Wild (SPD) und Monika Müller-Weigand (Grüne) fest.
Er habe sich "unheimlich geärgert", sagte Wild, als er nach seinem Urlaub aus der Zeitung von der geplanten Fällung erfahren habe. Die schöne Kastanie präge das Ortsbild, so Müller-Weigand, und an der Verantwortung des Bauherrn gebe es nichts zu deuteln. Dieser war mit der Tiefgarage zu nah an den Baum herangerückt und wollte seinen Planungsfehler vom Bauausschuss absegnen lassen - was dieser auch getan hatte im Vertrauen auf eine angebliche Expertenmeinung, dass die Kastanie ohnehin schon ihre letzte Lebensphase erreicht habe. Ein weiteres Argument: Für den Eintrieb einer Spundwand müsste ein großer Teil der Krone zurückgeschnitten werden, was der dann verstümmelte Baum kaum überleben würde.
Nach einer Ortsbesichtigung zusammen mit Vertretern des Naturschutz-Bundes sagte Bürgermeister Bernd Müller im Stadtrat, man solle die ganze Angelegenheit nicht emotional diskutieren, sondern Lösungen suchen. "Da heben wir die Wahl zwischen Pest und Cholera", meinte Franz Handschuh (FBU). Denn vier Garagenplätze, denen der Baum im Weg steht, sind bereits verkauft; ihre Ablösung kostet 30.000 Euro.
Die muss der Bauherr jetzt zahlen, bei der Stadtverwaltung eine neue Tektur einreichen und die damit verbundene Verzögerung in Kauf nehmen. Gegen vier Stimmen beschloss die Ratsmehrheit, einer Ablösung der Stellplätze zuzustimmen und die Entscheidung des Bauausschuss von Mitte Juni aufzuheben.
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