Kontroverse Debatte im Bauausschuss: Mehrheit für Betriebsleiterwohnung im Gewerbegebiet

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Bobingen. Auf eine schwierige Gratwanderung begeben sich die Mitglieder des Bobinger Bauausschusses jedes Mal, wenn sie über Anträge für Betriebsleiter-Wohnungen in einem Gewerbegebiet entscheiden sollen.

Einerseits nimmt die Stadtverwaltung nämlich eine restriktive Haltung ein, damit solche Gewerbegebiete nicht eines Tages ins Wohnquartier kippen mit entsprechenden Forderungen an Infrastruktur und Lärmschutz. Etliche Einzelbeispiele hat es in den vergangenen Jahren in Bobingen bereits gegeben. Auf der anderen Seite will man Gewerbetreibenden und Steuerzahlern aber nicht mehr Steine als nötig in den Weg legen.

Hotel ja, Pension nein

Wegen dieses Zwiespalts gab es in der jüngsten Ausschusssitzung eine kontroverse Debatte über die Nutzungsänderung auf einem Grundstück an der Edisonstraße 12. Dort steht ein Anwesen zum Verkauf, über dessen Verwendung sich die Kommunalpolitker bereits letzten Oktober und Februar Gedanken gemacht hatten. Zuletzt war es um eine Pension mit Betriebsleiterwohnung gegangen, um bei technischen Notfällen präsent zu sein oder bestimmte Dienstleistungen zu erledigen. Der Haken an der Sache: Ein Hotel wäre im Gewerbegebiet erlaubt, dagegen wird eine Pension mit eigener Küche auf jeder Etage wie Zweitwohnungen gewertet und ist damit nicht zulässig.

Fahrradmarkt mit Verleih?

Die aktuelle Voranfrage sieht nun einen Fahrradmarkt mit Verleih vor. Der Antragsteller hält eine Betriebsleiterwohnung für erforderlich, damit das Laden der Akkus von E-Bikes auch nachts überwacht werden kann. Auch müssten die Fahrräder von Wettkämpfern zum Teil nachts wieder instandgesetzt werden.
Das rechtfertige noch keine Ausnahme im Gewerbegebiet, sagte Stadtbaumeister Rainer Thierbach und empfahl dem Ausschuss, wie in der Vergangenheit konsequent an einer Ablehnung festzuhalten. Die allmähliche Entwicklung zu einem Mischgebiet sei auf keinen Fall erwünscht. "Wir müssen nach der bayerischen Bauordnung entscheiden und eine vernünftige Linie durchziehen", forderte Christian Burkhard (SPD) in der lebhaften Diskussion.

Eine Nutzungsänderung als Chance

Dagegen tendierten andere Mitglieder im Gremium dazu, die Nutzungsänderung zu genehmigen. "Denn wir müssen Möglichkeiten schaffen, damit auf dem Grundstück in der Edisonstraße wieder ein Gewerbe betrieben werden kann", stellten Thomas Hauser (CSU) und Waltraut Wellenhofer (Freie Wähler) fest.

"Ich sehe das eher als positive Entwicklung", sagte Herwig Leiter (CSU), denn von jahrelangem Leerstand habe niemand etwas. In einem neu geschaffenen Gewerbegebiet wäre die restriktive Haltung der Bobinger Stadtverwaltung zwar verständlich, "aber früher war die Situation anders und das Konzept des Antragstellers ist nachvollziehbar". Man könne auch alles zerreden, so Leiter. Schließlich fand sich mit 7 : 4 Stimmen eine Mehrheit für die Genehmigung der Voranfrage.

Keine Entscheidung zur Wohnanlage in der Hochstraße

Dagegen gab es im Ausschuss keine Entscheidung über die Errichtung einer großen Wohnanlage samt Tiefgarage und oberirdischen Stellplätzen an der Hochstraße 70. Vor vier Wochen war das gemeindliche Einvernehmen verweigert worden, weil das Projekt mit 19 Wohneinheiten zu massiv ist.

Diese Zahl hat der Antragsteller in seinen neuen Plänen zwar um eine verringert, aber die Vorgaben des Ausschusses nicht berücksichtigt. Das geplante Gebäude soll 26 Meter lang, 13 Meter breit und mit einem Penthouse-Geschoss fast zwölf Meter hoch sein. Damit könne von einem Einfügen in die Umgebung keine Rede mehr sein, kritisiert die Verwaltung.

Nachdem aber mehrere Ausschussmitglieder erklärt hatten, sie könnten mit der vorliegenden Planung gut leben, schlug Thierbach ein klärendes Gespräch zusammen mit dem Antragsteller und Kreisbaumeister vor. Erst danach soll über das Vorhaben an der Hochstraße abgestimmt werden.
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