Rückbau der Grabstätten sorgt für Unmut in Bobingen

Für das Rasenmähen im Friedhof wird die Stadt Bobingen die Gebühren erhöhen. Foto: Mertens


Beschwerden hagelt es seit einigen Wochen im Bobinger Rathaus, nachdem die Verwaltung alle Besitzer eines Grabes angeschrieben und ab kommendem Jahr eine neue Satzung für die Friedhofsbenutzung angekündigt hat. Damit ist nicht nur eine höhere Gebühr verbunden, sondern in vielen Fällen wird auch ein Rückbau der Grabstätte notwendig, "damit die Mäharbeiten wirtschaftlich durchgeführt werden können", so Hauptamtsleiter Thomas Ludwig. Auch alle Ratsmitglieder müssten in der Öffentlichkeit "Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit leisten", sagte Bürgermeister Bernd Müller in der jüngsten Stadtratssitzung; aufgrund der zahlreichen Beschwerden kämen die Mitarbeiter in der Verwaltung an die Grenze ihrer Belastbarkeit.

Das Mähen des Friedhofsrasens sorgt in Bobingen schon seit geraumer Zeit für lebhafte Diskussionen. Nach der bis Ende vergangenen Jahres geltenden Satzung war das Mähen Aufgabe der Nutzungsberechtigten. Das führte in der Vergangenheit zu vielen Beschwerden, so dass die Stadt sich erstmals 2013 entschlossen hatte, das Mähen kostenlos für jene Grabnutzer zu erledigen, die das wünschten.

Vor einem Jahr führte die Friedhofsverwaltung dann eine anonymisierte Befragung durch. Das Ergebnis: Eine deutliche Mehrheit sprach sich dafür aus, dass die Stadt die Arbeit dauerhaft übernimmt. "Dafür mussten wir aber erst die rechtlichen Grundlagen schaffen", erläutert Ludwig auf Anfrage unserer Zeitung.

Was heißt das konkret? Für die Mäharbeiten muss ein Teil der Grabfläche wieder der allgemeinen Friedhofsfläche zugeordnet werden; gemessen von der Grabsteinhinterkante steht künftig nur noch eine Fläche von einem Meter Tiefe zur Selbstgestaltung zur Verfügung, der Rest muss mit Rasen angelegt sein. Bis Ende September sollen die hinderlichen Blumenschalen, Laternen, Weihwasserkessel und Trauergaben verschwinden, verlangt die Stadt in ihrem Schreiben. Nicht davon betroffen sind Denkmale, also einige Ehrengräber beziehungsweise alte Steingräber auf der 90 Jahre alten Friedhofsanlage.

"Mich betrifft das weniger", sagt Theresia Stadlbauer, "aber andere Leute bekommen da schon eher ein Problem." Zum Beispiel muss an einem Grab die teure Metall-Umrandung, die bis an den Weg heranreicht, wieder entfernt werden. "Und die Kosten für das 14-tägige Mähen werden künftig auf die Nutzungsberechtigten umgelegt", kündigt Ludwig an. Die Arbeiten im Friedhof werden nicht vom Bauhof, sondern von zwei extra dafür eingestellten geringfügig Beschäftigten erledigt; im Haushalt sind dafür rund 30 000 Euro vorgesehen.

Walburga und Günter Nietsch sind froh, dass ihnen die Stadt das mühsame Mähen abnimmt. "Denn mit 80 Jahren können wir unseren Rasenmäher nicht mehr selbst herumschleppen und müssten ohnehin jemanden beauftragen!" Zum Transport von schweren Lasten im Friedhof wurden laut Ludwig Schubkarren angeschafft, die man wie Einkaufswägen gegen einen Euro oder Chip ausleihen kann.

Auch an einer Verschönerung arbeitet die Stadt: "Zug um Zug erneuern wir die überalterten Hecken zwischen den einzelnen Grabfeldern; auch werden alternative Bestattungsformen wie zum Beispiel Baumbestattungen angeboten." Außerdem ist geplant, mit parkähnlichen Ruhezonen und Sitzgelegenheiten die Aufenthaltsqualität zu verbessern. (Alex Mertens )
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.