Siedler diskutieren über ihre Zukunft

Andrea und Christian Hornik führen die seit 1958 bestehende Bäckerei in der Siedlung. Foto: Mertens


Wie soll die Zukunft der Bobinger Siedlung aussehen? Um diese wichtige Frage geht es bei einem Informationsabend am Donnerstag, 14. April, um 19 Uhr in der Aula der Grundschule. Mit den Bürgern wollen Quartiers-Manager Bernd Beigl und Vertreter der Stadtverwaltung diskutieren, um die zahlreichen Vorschläge aus einem integrierten Handlungskonzept Wirklichkeit werden zu lassen. Im Mittelpunkt steht das Bemühen, die Existenz der Siedlung dauerhaft zu sichern und sie für junge Familien attraktiv zu machen. Denn der Hausarzt und die Sparkasse haben dem Ortsteil bereits den Rücken gekehrt. Kürzlich ist ein Quartiers-Treffpunkt in den ehemaligen Sparkassen-Räumen eröffnet worden.

Noch gibt es eine Apotheke, Bank und Bäckerei in der Siedlung. Andrea und Christian Hornik versorgen die Bürger schon seit mehr als zwei Jahrzehnten mit frischen Backwaren und haben festgestellt: "Wenn ältere Leute ins Heim gehen oder sterben, kommen kaum Junge nach." Dieses Problem soll durch eine Reihe von Maßnahmen langfristig gelöst werden. Vom Sportverein über die erfolgreiche Theater-Schmiede bis zu den Edelweiß-Schützen gibt es aber auch vieles, worauf die Bewohner stolz sein können. Geschichtlich und rechtlich ist die Siedlung am Fuß des Leitenbergs zwar kein eigener Stadtteil, sie ist aber durch die Wertachau räumlich vom alten Stadtgebiet getrennt. Deshalb wäre ein Brückenschlag zum Kernort wichtig.

Zur Aufwertung gehören auch bauliche Maßnahmen und eine Nachverdichtung: Durch Teilung und Neuordnung bereits bebauter Grundstücke sowie Umgestaltung der öffentlichen Flächen könnte nicht nur die Wohnqualität deutlich verbessert, sondern zusätzlich auch Wohnraum für bis zu 330 Einwohner geschaffen werden.

Auch eine bessere Gestaltung des öffentlichen Raums (Grüngestaltung der Straßen, Parken unter Bäumen und Entwicklung des Zentrums für barrierefreies Wohnen) könnte die Siedlung stärken. Betriebe und Bürger, Kirchen und Kulturamt, Schule und Stadtrat wollen möglichst an einem Strang ziehen. Konkret gibt es derzeit mehrere Arbeitsgruppen mit den Themen Generationen-Wohnen, Neubaugebiet, Verkehr sowie Gestaltung einer "vitalen Achse" und des Wertach-Zentrums.

Angefangen hatte alles mit der Entscheidung des Chemieunternehmens IG Farben, eine Arbeiter- und Angestelltensiedlung zu bauen. Am 10. März 1937 zeigt das gemeindliche Beschlussbuch einen Eintrag, der erstmalig den Verkauf eines Waldgrundstücks an die IG-Farben zum Zwecke des Siedlungsbaues enthält und der Standort für die Siedlung war gefunden. Der erste Spatenstich für die Siedlerhäuser fand im Juni 1937 statt.

Der ehemalige Werksleiter der IG-Farben, "Siedlervater" Adolph Kämpf, schreibt in seinen Lebenserinnerungen 1955: "Neben dem Technischen wurde mir in Bobingen eine schöne soziale Aufgabe übertragen. Ich durfte jenseits der Wertach, beim Dörflein Straßberg, 1937 eine Arbeiter- und Angestelltensiedlung bauen." Im Mai 1938 konnten die ersten zehn Häuser bezogen werden. (Alex Mertens )
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