Unangenehme Post

Hat niemand gern im Briefkasten: Schreiben, die den Empfänger abzocken wollen. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Die Masche ist längst nicht mehr neu: Mit Scheinrechnungen versuchen Kriminelle an das Geld unbedarfter Bürger zu kommen. Beispiel: Rudi Blaschke aus dem Buttenwiesener Ortsteil Pfaffenhofen erhielt unlängst Rechnungen eines ihm unbekannten Unternehmens. Für Telefonate, die nie geführt wurden, sollte er insgesamt 180 Euro bezahlen.

Die Zahlungsaufforderungen nahmen ihren Verlauf im letzten November. „Damals bekam ich zwei Schreiben per Post von mir unbekannten Firmen“, erzählt der 84-Jährige. „Daraus war zu entnehmen, dass ich an einem bestimmten Tag Rufnummern gewählt habe und dafür Kosten entstanden seien.“ Er sollte dafür je 90 Euro, also zusammen 180 Euro, überweisen.
Blaschke erkannte die betrügerische Absicht jedoch sofort. Er übersandte die beiden Schreiben an die Kriminalpolizeiinspektion Dillingen. Zudem bat er, die Öffentlichkeit von diesem „Trickbetrug“ zu unterrichten.
„Man nennt das vorbeugende Tätigkeit nach dem Polizeiaufgabengesetz, also Gefahren abzuwenden, um Straftaten zu verhindern“, macht Blaschke aufmerksam. Als ehemaliger Polizeibeamter wisse er, wovon er spricht, so der Pfaffenhofener weiter.
Zwischenzeitlich gingen bei Blaschke weitere Forderungsschreiben ein. Im April betrug der geforderte Betrag bereits rund 400 Euro. „Bei Nichtzahlung wurden gerichtliche Schritte angedroht“, berichtet er. „Die Überweisungen sollten auf Konten in Prag gehen.“
Auf den Briefumschlägen der Forderungsschreiben entnahm Blaschke, dass diese aus dem Raum Fulda abgesandt worden waren: „Nacheinander leitete ich die Schreiben deshalb an die Kriminalpolizeiinspektion Fulda.“

Wieder überraschende Post

Zu Blaschkes Überraschung bekam er Ende März Post von der Staatsanwaltschaft Augsburg. Darin wurde ihm mitgeteilt, dass das „Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt“ eingestellt wurde, weil der Täter bisher nicht ermittelt werden konnte. Ausgangsbehörde des Verfahrens war die Polizeistelle Wertingen.
„Ich hatte keine Anzeige erstattet und wusste von den Ermittlungen bei der Polizeistelle nichts“, sagt Blaschke. „Ich wurde dazu auch nicht gehört.“
Die Sache ging weiter. Dazu Blaschke: „Mitte April teilte mir die Kriminalpolizeistelle Fulda mit, dass dort die Täter bekannt seien.“ Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen. Es handele sich um deutsche Betrüger.
Nun wurde scheinbar Blaschkes Ehrgeiz angestachelt. „Als ehemaliger Sheriff habe ich nun das dreigleisige Verfahren zusammengeführt. Die Staatsanwaltschaft Augsburg wird sich nun mit der Kriminalpolizeiinspektion Fulda in Verbindung setzen.“ Soweit die Version von Rudi Blaschke.

Nicht einschüchtern lassen

Unseriöse Zahlungsaufforderungen gehören mittlerweile fast zum Alltag. Die Maschen sind zahllos, mit denen Menschen dazu gebracht werden sollen, Geldbeträge zu überweisen, obwohl sie niemals wissentlich eine Leistung bestellt oder in Anspruch genommen haben oder einen Vertrag eingegangen sind. Wer auf die unrechtmäßige Forderung nicht eingeht, der wird nicht selten bald darauf mit Anwaltsschreiben und Inkasso-Forderungen konfrontiert. Viele bezahlen daraufhin, um sich weiteren Ärger zu ersparen.
Verbraucherzentrale und Anwälte warnen allerdings davor. Sie raten, die unrechtmäßigen Forderungen keinesfalls zu begleichen. Vielmehr soll man die Forderung des Inkasso-Unternehmens schriftlich zurückweisen. Sinnvoll sei es auch, wenn Betroffene einen Nachweis einfordern, aus dem hervorgeht, dass der angebliche Vertrag tatsächlich zustande gekommen ist.
Zurück zu Rudi Blaschke. „Die von mir unrechtmäßig geforderten Beträge werde ich nicht begleichen“, resümiert er. In diesem Fall hat der 84-Jährige alles richtig gemacht.

Von Siegfried P. Rupprecht
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