Der Weg zur modernen Mitte

Der Bamberger Künstler Bernd Wagenhäuser hat mit seiner Installation „Bewahren des Friedens und Gedanken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ (Bild) den Kunstwettbewerb zum Friedensdenkmal in Buttenwiesen gewonnen. Foto: Bernd Wagenhäuser

Bei der Gestaltung des Friedensdenkmals hat das Preisgericht sein Urteil gefällt. Unter sieben Teilnehmern des Kunstwettbewerbs machte der Bamberger Künstler Bernd Wagenhäuser das Rennen. Seine Installation mit dem Titel „Bewahren des Friedens und Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ erhielt von der Fachjury den ersten Preis.

Der 1953 in Hanau geborene Künstler, der Plastische Formgebung an der Fachhochschule für Gestaltung in Wiesbaden studiert hat, bezeichnet sein Projekt als ein „leises, subtiles Kunstwerk“. „Es steht erstmal einfach nur da, autonom, fast mittig auf dem Platz, behauptet sich“, so Wagenhäuser in seiner Erläuterung. „Dann wird der Betrachter eingeladen, ein Teil des Kunstwerkes zu werden.“ Das Objekt könne für den Betrachter Ausgangspunkt für subjektive Assoziationen und Gedanken werden.

Der Betrachter befinde sich in einem offenen Raum, einer Bühne, in einem Fokus, fühle sich vielleicht beobachtet, vielleicht beengt durch Raum und Gedanken. Vielleicht werde ihm auch bewusst, „ich bin ein Teil des Friedens (-Prozesses)“, so der Künstler weiter.

Das Kunstwerk besteht aus zwei fast identischen Quadraten mit dem gleichen Kreisausschnitt. Das torähnliche Gebilde ist angeordnet ähnlich eines Scharniers. „Die konkave Innenseite ,verdichtet’ das Gedenken an die Opfer, die konvexe Innenseite ,streut’ den Friedensgedanken“, erklärt der Künstler.
Die archaisch anmutende Oberfläche des „rohen“ Eisens unterstreicht dabei das Prozessuale des Friedens. In der Patina des Stahls spiegelt sich nach Worten des Künstlers „gleichzeitig die vergangene Zeit wider“. Auf dem Tor mit der konvexen Innenseite ist ein Textauszug aus einem „Friedensgedicht“ des Liedermachers André Heller angebracht.

Wagenhäusers rund 1500 Kilogramm schweres Werk aus Cortenstahl ist rund drei Meter hoch und breit. Im Kreis stehend kann man mit den Fingerspitzen den oberen Innenrand berühren.

Ein weiterer Schritt

Mit der Jury-Entscheidung ist der Gemeinde ein weiterer Schritt zur modernen Ortsmitte gelungen. Im Dezember 2014 hatte der Gemeinderat ein Fachbüro mit der weiteren Planung der innerörtlichen Plätze – Schul-, Markt- und Rathausplatz sowie die Fläche südlich des neuen Friedhofs – beauftragt.
Die mittlerweile weitergeführten Planungen wurden durch Vorschläge aus dem Bürgerdialog verfeinert und bei Besprechungen unter anderem mit dem sogenannten „Kümmerer-Kreis“ angepasst.

Auch Machbarkeitsstudien wurden bereits durchgeführt. So könnte nach dem Abbruch des Neuner-Anwesens dort ein Kulturzentrum mit einem Saal für rund 150 Personen und Parkplätze entstehen. Beim abgerissenen Gundel-Anwesen werden Geschäfts- oder Wohnhäuser mit eventuelle einer Tiefgarage ins Auge gefasst. Die Ausführungen könnten etappenweise im Laufe des nächsten Jahrzehnts verwirklicht werden. Mit dem nunmehr abgeschlossenen Künstlerwettbewerb bietet sich als erster Ausführungsabschnitt die Fläche südlich des neuen Friedhofs mit dem Standort des neuen Friedensdenkmals zur Gestaltung als „Friedensplatz“ an.

Bernd Wagenhäuser hat zwar den Wettbewerb gewonnen. Doch welches der eingereichten Kunstwerke letztlich zur Ausführung und Aufstellung kommt, entscheidet der Gemeinderat. (spr)
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.