Zankapfel Straßenausbau in Buttenwiesen

In den vergangenen Jahren machten seltene Amphibien wie Erdkröten (Bild) und Laubfrösche beidseits der Gemeindeverbindungsstraße Donaumünster-Pfaffenhofen Schlagzeilen. Nun soll die Strecke massiv ausgebaut werden. Darüber regt sich Widerstand. Foto: privat

Werden beim Ausbau der Verbindungsstraße Donaumünster-Pfaffenhofen gleichzeitig Naturerhalt und -zerstörung bezuschusst? Gernot Hartwig fordert Gesamtaspekt-Berücksichtigung.

Der geplante Ausbau der Gemeindeverbindungsstraße Donaumünster-Pfaffenhofen ist zum Zankapfel geworden. Einerseits herrscht Einigkeit, dass die Straße gerichtet werden muss. Auf der anderen Seite führt sie durch ein sehr sensibles naturnahes Gebiet, in dem der Erhalt und die Verbesserung ökologischer Strukturen laut dem "Gesamtökologischen Gutachten Donauried" (GÖG) vorgesehen sind.

Beidseits der jetzigen Straße befinden sich wertvolle Biotopstrukturen, Natura-2000- und Naturschutzgebiete. Das FFH-Gebiet "Niederterrassenwälder zwischen Fristingen und Donauwörth" wird durchschnitten. Zuletzt sorgten in diesem Gebiet seltene Amphibien für Schlagzeilen in den Medien.

Brisant sei dieser Fall aber vor allem, weil der Bayerische Landtag mit dem Gutachten für den Raum Zielvorgaben gesetzt hat und die Regierung von Schwaben seit Jahren hohe Zuschüsse in dieses Gebiet für den Naturerhalt gewährt, erklärt Gernot Hartwig. Er ist Gemeinderat in Buttenwiesen und zugleich Sprecher des Landesarbeitskreises Verkehr im Bund Naturschutz in Bayern und Vorsitzender der Ortsgruppe.

"Nun will die Regierung hohe Zuschüsse für einen überzogenen Straßenausbau, also für Naturzerstörung gewähren", so Hartwig weiter. "Es müssen zumindest die vorliegenden Alternativen intensiv geprüft werden, wenn nun plötzlich kommunale Interessen einem aus Steuermitteln teuer bezahlten und vom Bayerischen Landtag beschlossenen Konzept für die Entwicklung dieses Raumes entgegenstehen."

"Brutaler Eingriff in die Natur"

Derzeit ist die Straße durchschnittlich circa 4,50 Meter breit, an den Rändern jedoch so abgefahren, dass eine genaue Messung kaum möglich ist. Der Anwandweg daneben ist von den Landwirten "weggeackert". "Das ist für die Natur gut, da die Barriere dadurch schmal ist und Tiere die Straße leichter queren können", verdeutlicht Hartwig.

Beim geplanten Ausbau der Gemeindeverbindungsstraße sind allerdings wegen einer späteren Aufstufung zur Kreisstraße Mindeststandards notwendig, so eine sechs Meter breite Teerdecke plus einer 1,50 Meter beidseitigen Bankette. Damit erreicht die Straße eine Kronenbreite von neun Meter. Hinzu kommt ein 5,50 Meter breiter begleitender Rad- und Wirtschaftsweg. Hartwig bewertet dies als "einen unnötig brutalen Eingriff in die Natur".

Dabei gebe es sehr gute Alternativlösungen. Sie seien deutlich billiger, umweltschonender und verbrauchen weniger Fläche. "Sie werden sowohl dem Radverkehr als auch dem bis 2030 zu erwartenden motorisierten Verkehr gerecht", meint der Gemeinderat.

Alternativlösungen

Im Unterschied zur vorliegenden Planung halten die Naturschützer eine Straße mit fünf Meter Breite plus 0,5 Meter Bankette beidseits, die in weiten Bereichen mehr auf der alten Trasse verläuft, für ausreichend.

Sie schlagen eine Verlegung des Radwanderwegs auf vorhandene Feldwege sowie Tonnagen- und Tempobeschränkungen und einen Anwandweg als Grasweg vor.

In einem Schreiben an die Regierung von Schwaben fordert Hartwig nun, sich gemeinsam mit dem Naturschutz bei übergeordneten Stellen für eine "Sonderlösung Donauried" wegen der europaweiten Bedeutung des Gebiets einzusetzen.

Gleichzeitig stellt er darin das staatliche Handeln in Frage, "im gleichen Gebiet, zur gleichen Zeit, aus gleichem Haus Naturerhalt und Naturzerstörung zu bezuschussen". Und: "Vielleicht lässt sich auf höchster Ebene erreichen, dass in diesem Fall zu den Fördervoraussetzungen Sicherheit und Notwendigkeit auch die Aspekte gebietsbezogen, bedarfsgerecht und umweltschonend einbezogen werden, ohne dass die Zuschüsse geringer ausfallen."
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