Arbeitsverbot aufheben

Oumar Ba weiß nicht, wie es weitergeht. Pfarrer Hans Fischer und die pastorale Mitarbeiterin Elisabeth Wiedenmann versuchen ihn zu unterstützen. "Ein Hoffnungsschimmer", wie Ba erklärt. Foto: Kaiser-Wiatrek

Pfarrer Hans Fischer und die pastorale Mitarbeiterin Elisabeth Wiedenmann von der Pfarrei Herz Mariä in Diedorf setzen sich mit einer Online-Petition für zwei Senegalesen ein.

Nach neuen staatlichen Bestimmungen gelten die Balkanstaaten, der Senegal und Ghana - da hier kein Krieg herrscht - als sichere Herkunftsländer. Flüchtlingen aus diesen Ländern soll damit künftig den Anreiz genommen werden, nach Deutschland zu kommen. Diese neuen Regeln, die bisher nur in Bayern umgesetzt werden, ziehen aber nicht nur nach sich, dass Asylbewerber künftig schneller abgeschoben werden können, sondern auch dass Asylbewerber, die bereits länger hier sind, nicht mehr arbeiten dürfen.

Als Folge davon verlieren diese Menschen jetzt ihre Arbeitsverhältnisse. In der Marktgemeinde Diedorf sind zwei junge Senegalesen von diesen Bestimmungen betroffen. Der 22-jährige Oumar Ba ist seit einem Jahr geringfügig mit 400 Euro brutto in der Kirche Herz Mariä beschäftigt. "Außer einer Unterkunft, die er gestellt bekommt, lebt er damit nicht mehr auf Kosten des Staates", erklärt Pfarrer Hans Fischer.

Von dem selbst verdienten Geld hatte sich der junge Senegalese 500 Euro für einen Kurs bei den Maltesern erspart und die Prüfung als Altenpflegehelfer bestanden. Zwei Frauen aus Diedorf unterstützten ihn beim Lernen der Fachbegriffe und waren mit ihm stolz, als er im April die Prüfung bestand.

Oumar Ba hatte im Senegal keine Zukunft und flüchtete kurz nach dem Schulabschluss. In Diedorf fühlt er sich inzwischen zu Hause und hat sich bestens integriert. Mit einigen anderen wirkt er begeistert in der Trommelgruppe mit. Nach seiner Ausbildung hätte er ab dem 1. Juni im Altenpflegeheim Haus Vinzenz eine Stelle mit 30 Arbeitsstunden antreten können. Doch dafür fehlt ihm nun die Arbeitserlaubnis. Um das Gelernte nicht zu vergessen, engagiert sich der 22-Jährige derzeit intensiv auf ehrenamtlicher Basis im Haus Vinzenz, denn in dem Diedorfer Pflegeheim werden Mitarbeiter dringend gesucht.

"Er nimmt hier auch keinem Deutschen den Arbeitsplatz weg und die Senioren freuen sich wenn er kommt", betont der Pfarrer.

Ebenfalls betroffen von der neuen Bestimmung ist Modon Cisse. Von Oktober bis März hatte er im Bauhof der Marktgemeinde Diedorf bereits gemeinnützige Arbeit geleistet. Mit Unterstützung des Diedorfer Bürgermeisters Peter Högg konnte dort eine Vollzeitstelle als Hilfsarbeiter für ihn eingerichtet werden.

"Der gelernte Maurer ist sehr interessiert und macht seine Arbeit dort gut, aber auch er wird seine Arbeitserlaubnis verlieren."

Pfarrer Hans Fischer und die pastorale Mitarbeiterin Elisabeth Wiedenmann können dieses Vorgehen nicht verstehen. Sie wollen die Situation so nicht hinnehmen und protestieren gegen das Arbeitsverbot. "Wir wollen wenigsten versuchen zu helfen", denn sonst müsste Oumar Ba seinen Minijob zum 1. Dezember, Modou Cisse seine Beschäftigung im Bauhof bereits zum 22. August aufgeben. Kürzlich haben sie eine Online-Petition gestartet, die sehr gut läuft. Mehr als 5500 Unterstützer haben bis vergangene Woche unterschrieben, dazu kommen weitere Unterschriften, die direkt im Gottesdienst gesammelt worden sind. Die Petition wird wohl im Petitionsausschuss im Bayerischen Landtag im Herbst behandelt, nimmt Wiedenmann an. Bis dahin müssen mindestens 36 000 Unterschriften gesammelt werden. "Wir brauchen möglichst viele Unterschriften, um deutlich zu machen, dass diese Anordnung nochmals hinterfragt und überdacht werden muss", so Pfarrer Fischer.

In Diedorf leben 48 Asylbewerber. "Einige Jüngere besuchen eine Schule in Aichach und werden dort für einen Beruf ausgebildet. Eine weitere Gruppe wird mittels eines Deutschkurses in der BFZ in Augsburg intensiv auf eine Berufsausbildung vorbereitet. Arbeiten dürfen sie nach ihrer Ausbildung aber nach dem neuen Gesetz nicht. Wie der Staat hier mit den Steuergeldern umgeht, sieht Pfarrer Fischer somit, nicht nur an den beiden Diedorfer Beispielen, durchaus problematisch.
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